• Veröffentlichungsdatum: 22.06.2017
  • – Letztes Update: 26.06.2017

  • 14 Min -
  • 2805 Wörter

Aus heiterem Himmel

Walter Christian Haland

(Foto: O.-S. Haugli/Montage: Rizzardi)
(Foto: O.-S. Haugli/Montage: Rizzardi)

Indirektes Feuer mit differenzierter Wirkung auf unterschiedliche Distanzen wird aus heutiger Sicht auch in Zukunft eine wesentliche Fähigkeit bleiben. Die Artillerie des norwegischen Heeres ist ein funktionierendes Gesamtsystem. Sie entspricht aber mit der Panzerhaubitze M-109A3GN, die bereits nahezu 50 Jahre im Einsatz steht, nicht mehr allen Einsatzanforderungen. Feldversuche mit verschiedenen Modellen sollen Lösungen für die Nachfolge anbieten.

Das norwegische Amt für Wehrmaterial (Forsvarsmateriell) sucht ein Nachfolgemodell für seine M-109A3GN und organisierte im Jänner 2016 einen Feldversuch in Norwegen.

Vier Modelle wurden dabei erprobt:  

  • K9 „Thunder“ (Hanwha Techwin, Südkorea)
  • Panzerhaubitze 2000 (Krauss-Maffei Wegmann, Deutschland)
  • M-109 KAWEST (RUAG, Schweiz)
  • CAESAR (Nexter Systems, Frankreich)

Forsvarsmateriell konnte sich nach seinen Feldversuchen auf die folgenden Bewerber einschränken: - K9 „Thunder“; - M-109 KAWEST. Die Panzerhaubitze 2000 und das System CAESAR (Camion Equipé d’un Système d’Artillerie) sind derzeit auf Eis gelegt. Eine Kaufentscheidung wird voraussichtlich nach dem Beschluss zur zukünftigen Ausrichtung der Landstreitkräfte - Fremtidens landmakt - getroffen werden.

K9 - Wenn Erfahrung zählt

(Foto: Haland)
(Foto: Haland)

Die südkoreanische Armee führte als erste in Asien eine 155-mm-Panzerhaubitze in Kaliberlänge von 52 x 155 mm (Kal. L/52) ein. Dies führte zu einer beachtlichen Fähigkeitssteigerung durch die veränderte Rohrlänge an der K55/K55A1. Die südkoreanische Firma Hanwha Techwin entwickelte dieses Modell weiter zur K9 „Thunder“.

Die in Südkorea produzierte 155-mm Panzerhaubitze-Kal. L/52 K9 „Thunder“ mit ihrem Brennkammervolumen von 23 Litern entspricht dem Joint Ballistic Memorandum of Understanding (JBMoU), erlaubt das Verschießen aller NATO-standardisierten 155 mm Geschoße. Hanwha Techwin war der Hauptauftragnehmer in der Koproduktion von 1 040 Stück M-109A2-Systemen für die südkoreanische Armee. XK9, der Prototyp der K9 „Thunder“, wurde 1994 fertiggestellt. Die ersten Panzerhaubitzen wurden 1999 aus der Serienproduktion ausgeliefert. Südkorea führte insgesamt 1 136 Stück K9 „Thunder“ und 179 Stück Munitionsversorgungsfahrzeuge K10 ARV(Ammunition Resupply Vehicle) ein.

Die K9 „Thunder“ hat ihre Überlegenheit in Demonstrationen und Abnahmeprüfungen in Dschungel-, Wüsten- und Polarregionen unter extremen Witterungsbedingungen unter Beweis gestellt. Das System passt in jeden Feldartillerieverband und gehört seit 1999 (K10 ARV seit 2009) zu den primären konventionellen Abschreckungssystemen der südkoreanischen Armee. Die modulare Richt- und Navigationsanlage (Modular Azimuth Position System) und das angeschlossene automatische Feuerleitsystem (Automatic Fire Control System - CI2-Netz) verleihen dem Geschütz einen hohen Grad an operationeller Autonomie. Durch Einbinden der Feuerleitzentrale in ein operatives Führungsnetzwerk kann die Effektivität erhöht werden. Im gefechtstechnischen Verfahren „Shoot and Scoot“ (Schießen und Verschwinden) wirkt sie in Echtzeit mit Feuerkraft und Kadenz schnell und zielgenau. Nach Erhalt der Zielinformationen aus der Feuerleitzentrale feuert sie ihren ersten Schuss innerhalb von 30 Sekunden aus der Feuerstellung und nach 60 Sekunden aus der Bewegung.

Ist der Auftrag ausgeführt, verlässt die K9 „Thunder“ sofort ihre Stellung, um sich dem feindlichen Gegenfeuer zu entziehen und den nächsten Auftrag zu übernehmen. Die K9 „Thunder“ ist zu einem Feuerschlag mit drei Schuss in 15 Sekunden und mit einer maximalen Kadenz von sechs bis acht Schuss pro Minute über einen Zeitraum von drei Minuten fähig. Mit ihrer Dauerfeuergeschwindigkeit von zwei bis drei Schuss pro Minute über einen Zeitraum von einer Stunde hat sich die K9 als modernes, zuverlässiges und präzises Waffensystem erwiesen.

K9 'Thunder' mit Munitionsversorgungsfahrzeug K10 ARV. (Foto: Hanwha Techwin)
K9 'Thunder' mit Munitionsversorgungsfahrzeug K10 ARV. (Foto: Hanwha Techwin)

Das Munitionsversorgungsfahrzeug K10 ARV ist Teil des Systems in einer gemischten Artilleriebatterie. Es deckt den Munitionsbedarf der K9 „Thunder“ aufgrund der taktisch geforderten Kadenz und des „Shoot and Scoot“-Gefechtes. Mit seiner Beladung von 104 Geschoßen und Treibladungen versorgt ein K10 ARV zwei Panzerhaubitzen K9 „Thunder“. Das K10 ARV verfügt über eine vollautomatische Nachbeladungsfähigkeit und maximiert die Effizienz der Artilleriekräfte.

Es nutzt das gleiche Fahrgestell, Triebwerk und die gleiche Aufhängung wie die K9 „Thunder“, was seine logistische Unterstützung und taktische Beweglichkeit vereinfacht. Das K10 ARV ist mit einem vollautomatischen Steuersystem voll ausgestattet. Zur nachhaltigen Unterstützung des Kampfauftrages fährt das K10 ARV überall zu jeder Tages- und Nachtzeit und ohne Rücksicht auf Schnee, schlechtes Wetter oder Lichtverhältnisse in die Feuerstellung zweier K9 „Thunder“, koppelt an die Panzerhaubitzen an und belädt sie automatisch mit zwölf Schuss pro Minute.

Panzerhaubitze M-109 KAWEST

(Foto: RUAG)
(Foto: RUAG)

Einige der ab 1968 in mehreren Tranchen beschafften - und heute noch eingesetzten - Panzerhaubitzen M-109A2 wurden ab Mitte der 1990er-Jahre, in einem Programm zur Verlängerung Nutzungsdauer, mit einem von der Schweizer Firma RUAG entwickelten Nachrüstpaket modernisiert und erhielten die Bezeichnung M-109 KAWEST (Kampfwertsteigerung). Kern dieser Kampfwertsteigerung war der Ersatz des vorhandenen 155-mm-Rohres Kal. L/39 durch ein von den Schweizern konstruiertes und hergestelltes 155-mm-Rohr Kal. L/47 mit einem 23 Liter Brennkammervolumen gemäß Joint Ballistic Memorandum of Understanding (JBMoU) für NATO 155-mm-Standardmunition.

Dadurch ergeben sich eine verbesserte Schussweite von bis zu ca. 36 km, und mit den fortschrittlichen Assegai Extended-Range-Full-Bore Geschoßen von Denel eine Reichweite bis zu 40 km. Diese Munition wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten, welche die ehemaligen niederländischen 155-mm-Panzerhaubitzen Kal. L/47 M-109 verwenden, eingesetzt. Die Nachrüstung auf Kal. L/47 gilt als optimale Lösung im Hinblick auf Leistung und Kosten- /Nutzen-Verhältnis. Die Rückstoßkraft der neuen Kanone ist praktisch unverändert und es ist nur eine gegenüber dem ursprünglichen Rohr der M-109 100 kg schwerere Masse in die Höhe zu richten.

Die schweizerische Navigations- und Richtanlage basiert auf einem Laserkreisel und liefert einen ununterbrochenen Datenstrom für die Navigation und das Richten. Rechnergestützte Führungs- und Anzeigeeinheiten für den Kommandanten, Richtschützen und Fahrer ermöglichen eine optimale Abwicklung des Kampfauftrages. Die M-109 KAWEST hat ein neues Richtsystem, ihre Besatzung wurde von acht auf sechs Mann verringert und ein neu eingebauter Teleskop-Ansetzer ermöglicht Feuerschläge von je drei Schuss in 15 Sekunden. Die Kadenz liegt maximal bei acht Schuss pro Minute und kann bei zwei Schuss pro Minute konstant gehalten werden, wobei ein Rohrtemperatursensor vor drohender Überhitzung warnt. Der Ansetzer passt für alle 155-mm-Geschoße. Ein Reservemagazin an der rechten Seite des 155-mm-Waffensystems ermöglicht die kurzfristige Lagerung von vier vorbereiteten Treibladungen.

Die ursprüngliche Kampfbeladung der M-109 mit 28 Schuss und den dazugehörigen Treibladungen wurde als nicht ausreichend erachtet, um die Vielzahl der im modernen Gefecht eingesetzten Munitionsarten unterzubringen und die optimale Kadenz des halbautomatischen Geschoßzuführungssystems auszunutzen. Daher erhöhte man die Kampfbeladung der M-109 KAWEST auf insgesamt 40 Geschoße mit den dazugehörigen Treibladungen. Weitere 24 Treibladungen befinden sich in einem Zusatzabteil hinter dem Turm, das vom Kampfraum durch eine explosionsfeste Schiebetür abgetrennt ist. Der Munitionsnachschub erfolgt durch Türen an jeder Seite des Abteils. Die Boden- und die beiden Nachschubtüren des Zusatzabteils setzen einer Verpuffung oder Explosion kaum Widerstand entgegen, so dass die entstehenden Gase ungehindert entweichen können.

Die gesteigerte Reichweite und Mobilität sowie die höhere Feuergeschwindigkeit sind ideal für „Shoot and Scoot“-Einsätze. Eine fernbedienbare Zurrgabel für das Rohr ist eine weitere Zusatzeinrichtung zur Sicherung des 155-mm-Geschützes aus dem Fahrzeuginneren heraus. Die kampfwertgesteigerte M-109 verfügt über die optimierte Brandunterdrückungsanlage (DeuGen-N) im Kampfraum und im Fahrerabteil sowie über ein Feuerlöschsystem im Triebwerkraum. Neue Batterien von Hull liefern den Hauptstrom für die modernisierte Elektrik. Alle kritischen Komponenten der Elektrik verfügen über geeignete Anschlüsse für eine rechnergestützte Prüfausstattung zur Fehlersuche und Instandsetzung vor Ort. Triebwerk und Antriebsanlage der M-109 KAWEST sind noch original, reichen aber für das moderne Gefechtsfeld nicht mehr aus. Das technische Entwicklungspotenzial der M-109 ist hier weitgehend ausgereizt, so dass Mitte der 2020er-Jahre ihr Antrieb technisch das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht haben wird.

Wintertests in Norwegen

Das radfahrzeuggestützte System CAESAR. (Foto: Simen Rudi/ Forsvarsmateriel)
Das radfahrzeuggestützte System CAESAR. (Foto: Simen Rudi/ Forsvarsmateriel)

Die Feldversuche basierten auf 13 aufgestellten Forderungen und 118 Forderungs-/Leistungsmessungen. Geschütze auf Radfahrzeugen haben den Vorteil einer höheren Straßengeschwindigkeit (bis zu 80 km/h) als Kettenfahrzeuge. Zumindest einige der heutigen radfahrzeuggestützten Systeme (CAESAR - Camion Equipé d’un Système d’Artillerie, ATMOS - Autonomous Truck Mounted howitzer System) können wegen ihres relativ geringen Gewichtes zu entfernten Einsatzgebieten auch luftverlegt werden.

Dazu gehört das Haubitzsystem CAESAR, das für die maximale Nutzlast des Transportflugzeuges (ein CAESAR pro C-130J) ausgelegt und auf die französischen Einsatzgrundsätze und Überseeoperationen in Regionen wie Mali („Operation Serval“) und Zentralafrika („Operation Sangaris“) zugeschnitten. CAESAR und ATMOS sind hochmodern, leiden aber daran, dass ihre Besatzungen während des Feuerkampfes ungeschützt sind und die Mobilität der Radfahrwerke in schlammigem und schwer befahrbarem Gelände eingeschränkt ist. Norwegens Taktik (zumindest bis jetzt), die Topografie und ein nicht sehr weitläufig ausgebautes Straßennetz zwingen die Artillerieverbände zur Einrichtung ihrer Feuerstellungen im offenen Gelände.

Tatsache ist, dass eine größere Auflagefläche (Kettenlaufwerke) eine bessere Bodenhaftung in weichem, schlammigem und nassem Gelände ermöglicht. Liegt das Gelände unter einer tiefen und schweren Schneedecke, sind Haubitzen auf Radfahrzeugen, wie die CAESAR im Nachteil. Panzerhaubitzen auf Kette sollten daher die einzig akzeptablen Systeme für Artillerieverbände sein, die in unterschiedlichem Gelände und unter rauen Winterbedingungen operieren.

Die K9 und K10 sind für verschiedene Umweltbedingungen konzipiert. Gefordert wurde die Manövrierfähigkeit der K9 und K10 in Koreas zerklüftetem bergigem Gelände. Die K9 hat ihre Verlegefähigkeit in schwierigem Gelände unter allen Witterungsbedingungen nachgewiesen. Ihr 1 000 PS-Triebwerk von MTU mit einem Automatikgetriebe von Allison sorgt für das hohe Leistungsgewicht von 21 PS/t und macht sie ebenso mobil wie moderne Kampf- und Schützenpanzer. Dank ihrer hydropneumatischen Einzelradaufhängung (Hydro-pneumatic Suspension Unit - HSU) kann die Panzerhaubitze K9 „Thunder“, unter höchst unterschiedlichen Umgebungs- und Geländebedingungen, manövrieren und Aufträge erfüllen. Die HSU minimiert Stöße und Schwingungen am Fahrzeug, lässt die Besatzung weniger schnell ermüden und stabilisiert das Rohr schneller zwischen den Abschüssen. Ebenso wie die M-109A3GN des norwegischen Heeres kann die M-109 KAWEST (wegen ihres geringen Leistungsgewichts von 16,3 PS/t) im Tiefschnee nicht ohne die Unterstützung von Schneeräumfahrzeugen über das hügelige Gelände Norwegens fahren und verzugslos Feueraufträge erfüllen.

K9 am Prüfstand bei Nacht. (Foto: Haland)
K9 am Prüfstand bei Nacht. (Foto: Haland)

Allerdings wäre die M-109 KAWEST nicht weniger mobil als die K9 „Thunder“, wenn sie mit dem neuen leistungsstarken Triebwerk und Getriebe plus Gummi-Kettenlaufwerke wie die des norwegischen Schützenpanzers CV9030 MK III aufgerüstet wäre. Eine leistungsfähigere Antriebsanlage zusammen mit gewichtsmindernden Gummi-Kettenlaufwerken ergibt ein besseres Leistungsgewicht. Verglichen mit Eisenketten haben die Gummiketten 19 Prozent mehr Bodenhaftung z. B. auf trockenem Sand (Gummi-Kettenlaufwerke können in der M-109 KAWEST nachgerüstet werden).

Die M-109 KAWEST verfügt über ein Dachschutzsystem gegen artillerieverschossene Bomblets, während ihre Wanne und ihr Turm aus geschweißtem, 20-mm starkem Aluminium die Besatzung nur vor dem Beschuss aus leichten Handfeuerwaffen und Splittern schützen (gemäß Level 1, STANAG 4569). Dies ist unzureichend. RUAG kann eine Zusatzpanzerung liefern - eines ihrer herausragenden Produkte -, aber das resultierende zusätzliche Gewicht wirkt sich, wenn auch nur in geringem Maß, auf die Mobilität aus, was überwiegend durch das niedrigere Gewicht der Gummiketten ausgeglichen wird. Diese von RUAG vorgeschlagenen Verbesserungen sind noch nicht erprobt.

Der derzeitige Trend bei modernen 155-mm-Haubitzsystemen geht zu Kal. L/52-Rohren und 23 Liter Brennkammern gemäß dem Joint Ballistic Memorandum of Understanding (JBMoU). Dies läuft auf einen weltweiten, auch von den USA in Betracht gezogenen, Standard hinaus. Die 155-mm-M-109 KAWEST hat eine Rohrlänge von 47 Kalibern (Kal. L/47). Schon im Juni 2016 hatte Forsvarsmateriell die beiden konkurrierenden Panzerhaubitzen K9 „Thunder“ und die M-109 KAWEST zu bewerten. Eine K9 „Thunder“ oder M-109 KAWEST kann dreimal mehr Feuerwirkung erzielen als eine M-109A3GN. Im Reichweitenvergleich hat die K9 „Thunder“ mit ihrem längeren Rohr die Nase gegenüber der M-109 KAWEST weiter vorne.

Nutzerländer und Interessenten

M-109 KAWEST

Derzeit nutzen die Schweiz 133 Stück 155-mm-KAWEST Kal. L/47, von denen 90 Stück in fünf Artilleriebataillonen und 43 in der Grundausbildung eingesetzt sind. Chile hat vermutlich 24 Stück und die Vereinigten Arabischen Emirate 85 Stück in Verwendung.

K9 "Thunder"

K9 Thunder verschießt ein Nammo IM HE-ER (Insensitive Munition High Explosive-Extended Range) Base-Bleed 155-mm-Geschoss bis auf eine Entfernung von 43,6 Kilometer. Der Blitz der Base-Bleed stammt nicht von einem Raketenantrieb, sondern von einem pyrotechnischen Satz, der den Luftwiderstand beim Austritt aus der Mündung verringert. Mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 950 m/s erreicht das Geschoss den Scheitelpunkt seiner aufsteigenden Flugbahn in einer Höhe von bis zu 15 km, um sich dann auf einer absteigenden Bahn dem vorbestimmten Zielgebiet in einer horizontalen Entfernung von mehr als 40 km von der Feuerstellung zu nähern. Diese Übung im scharfen Schuss fand vom 2. bis 4. Mai 2016 unter Begleitung des norwegischen Defence Research Institute auf dem schwedischen Übungsgelände Ravlunda statt. (Foto: Thomas Danbolt/Nammo)
K9 Thunder verschießt ein Nammo IM HE-ER (Insensitive Munition High Explosive-Extended Range) Base-Bleed 155-mm-Geschoss bis auf eine Entfernung von 43,6 Kilometer. Der Blitz der Base-Bleed stammt nicht von einem Raketenantrieb, sondern von einem pyrotechnischen Satz, der den Luftwiderstand beim Austritt aus der Mündung verringert. Mit einer Mündungsgeschwindigkeit von 950 m/s erreicht das Geschoss den Scheitelpunkt seiner aufsteigenden Flugbahn in einer Höhe von bis zu 15 km, um sich dann auf einer absteigenden Bahn dem vorbestimmten Zielgebiet in einer horizontalen Entfernung von mehr als 40 km von der Feuerstellung zu nähern. Diese Übung im scharfen Schuss fand vom 2. bis 4. Mai 2016 unter Begleitung des norwegischen Defence Research Institute auf dem schwedischen Übungsgelände Ravlunda statt. (Foto: Thomas Danbolt/Nammo)

Türkei

2001 unterzeichnete der Führungsstab der türkischen Landstreitkräfte einen Vertrag mit Hanwha Techwin über K9-Subsysteme zum Einbau in Komponenten, die in der Türkei gefertigt werden. Die Auslieferung der türkischen Panzerhaubitze, genannt T-155 „Firtina“ („Sturm“), begann 2004. Die Produktion in der Türkei wurde 2012 zunächst mit der Fertigung von insgesamt 350 bestellten T-155 „Firtina“ aufgenommen und läuft bis heute.

Indien
Der indische Verteidigungsminister entschied sich in der lange aufgeschobenen Ausschreibung, nach Feldversuchen in der Wüste und im Hochgebirge im Jahr 2013 mit einem Volumen von 800 Mio. USD, für die Beschaffung von 100 Stück 155-mm-Panzerhaubitzen Kal. L/52 K9 „Thunder“. Die K9 hatte besser abgeschnitten als die russische MSTA-S (2S19), eine nach Standard 155-mm-Kal. L/52 modifizierte Hybridlösung auf dem Fahrgestell des Panzers T-72 (von denen Indien eine große Anzahl besitzt). Die K9 übertraf die russische Artillerie im Hinblick auf ihre Mobilität im Gefecht, Geschwindigkeit, Treffgenauigkeit und Kadenz.

Sie durchlief Mitte 2014 eine Reihe von Instandsetzungserprobungen. Es wird erwartet, dass das Verteidigungsministerium mit der Regierung Südkoreas Verhandlungen aufnimmt, und die Firma Hanwha Techwin mit der Auslieferung von Bausätzen an seinen vor Ort ansässigen privatwirtschaftlichen Partner Larsen & Toubro (L&T) beginnen kann. Die Option für L&T, das System K9 zu einem späteren Zeitpunkt in Lizenz zu produzieren, steht ebenfalls im Raum. Dies würde sowohl die Produktion über 2020, als auch die ununterbrochene Ersatzteilversorgung über 2050 hinaus sichern sowie die Kostenwettbewerbsfähigkeit und Anwendbarkeit des Systems demonstrieren.

Polen
Zwei K9-Wannen wurden an Polen zur Verwendung mit dem kettengetriebenen 155-mm-Artilleriesystem Kal. L/52 „Krab“ (Krabbe) geliefert; 22 weitere Wannen und schließlich der technische Transfer sollen für die Produktion in Polen folgen. Es ist geplant, 120 K9-Fahrgestelle herzustellen und in Krab-Systeme zu integrieren.

Australien
Project LAND 17 Phase 2 betraf ein Artilleriesystem auf Selbstfahrlafette. Berichten zufolge hatte die niederländische Regierung den Verkauf von rund 30 ihrer relativ neuen Panzerhaubitzen 2000NL (PzH2000NL) in Aussicht gestellt. Raytheon Australia schloss sich mit Südkoreas Techwin zusammen und bot die 155-mm-Panzerhaubitze Kal. L/52 K9 „Thunder“ und ihr innovatives gepanzertes Munitionsversorgungsfahrzeug K10 ARV zusammen mit dem Advanced Field Artillery Tactical Data System von Raytheon an. In die engere Wahl kamen die Panzerhaubitze 2000NL und K9 „Thunder“. Die beiden Panzerhaubitzsysteme wurden nach vier Kriterien bewertet: Feuerkraft, Ergonomie, Mobilität und Sicherheit. Wegen fehlender Sicherheit flog die PzH2000NL aus dem Wettbewerb. Bei ihr lagert die Munition auf dem Fahrzeugboden und könnte eine Minendetonation gravierend verstärken, während bei der K9 „Thunder“ das automatisierte Munitionsmagazin im Turm untergebracht ist. Obwohl alles für die K9 „Thunder“ sprach, verzögerte sich das australische Phase-2-Programm und wurde im Mai 2012 aus finanziellen Erwägungen schließlich endgültig eingestellt.

Estland
Estland hat ein Memorandum of Understanding mit Südkorea unterzeichnet, um Verhandlungen für den Kauf von zwölf Stück K9 „Thunder“ zu beginnen. Ein Sprecher des estnischen Verteidigungsministeriums gab dazu bekannt dass: Estland plane, zwölf gebrauchte 155-mm selbstfahrende Haubitzen K9 „Thunder“ zu kaufen. Die K9 würden schließlich die FH-70 (gezogene Haubitzen) ersetzen, die derzeit in der 1. Infanterie-Brigade verwendet würden. Estland wolle den Vertrag bereits in diesem Jahr (2017; Anm.Red.) unterzeichnen und die ersten K9 sollten im Jahr 2021 ausgeliefert werden.

Finnland
Die finnischen Streitkräfte haben auf dem internationalen Markt Informationen zur Verfügbarkeit sowie Preisinformationen für neue 155-mm-Artilleriesysteme Kal. L/52 mit Rad- und Kettenantrieb gesammelt. Zudem suchten sie nach Möglichkeiten, gut erhaltene, gebrauchte rad- oder kettengetriebene 155-mm-Artilleriesysteme Kal. L/52 zu beschaffen. Nach Auswertung der verschiedenen Möglichkeiten erkannte man, dass die K9 „Thunder“ Finnlands Ansprüchen mit einem angemessenen Preis- Leistungsverhältnis genügen würde. Mitte 2016 nahmen die finnischen Streitkräfte Verhandlungen mit Südkorea zur Beschaffung gebrauchter K9 „Thunder“ auf. Die Beschaffung soll teilweise Artilleriesysteme ersetzen, die im Zeitraum von 2020 bis 2030 veralten. Wenn alles nach Plan läuft, werden 2018 die ersten Panzerhaubitzsysteme geliefert, um ab 2019 Wehrpflichtige daran auszubilden. Auf diese Weise sollten eine anfängliche erste Einsatzfähigkeit im Jahre 2020 und die volle Einsatzfähigkeit 2025 gewährleistet sein.

Nordische Kooperationsmöglichkeiten

Getarnte Panzerhaubitze M-109A3GN. (Foto: Winnefride Steen/ Forsvaret)
Getarnte Panzerhaubitze M-109A3GN. (Foto: Winnefride Steen/ Forsvaret)

Falls die K9 „Thunder“ von Norwegen und Finnland ausgewählt wird, schafft das die Basis für nordische Systemgemeinsamkeiten und bietet den Vorteil, dass die Verwendung von Subsystemen aus der Region in Verbindung mit der vollen Systemunterstützung durch Hanwha Techwin maximiert werden kann. Zur Unterstützung während der Nutzungsdauer (Through Life Support - TLS) bietet Hanwha Techwin mit dem erprobten TLS-Paket die volle System- und Instandsetzungsunterstützung über die gesamte Nutzungsdauer der K9 an.

Das TLS-Paket für die K9 umfasst:

Ersatzteile:

  • Analysebericht zur logistischen Unterstützung
  • Interaktives elektrotechnisches Handbuch und technische Dokumentation
  • Test- u. Diagnoseausstattung/Sonderwerkzeuge
  • Ausbildungshilfen
  • Unterstützung während der Nutzungsdauer

Unterstützung während des TLS mittels regionaler Stützpunkte und des technischen Transfers auf eine optionale örtliche Einrichtung:

  • TLS und technische Daten für das Instandsetzungsmanagement auf den Materialerhaltungsstufen 2 bis 4
  • Einrichtung eines Vor-Ort-Service bei einer nordischen Firma
  • Ausbildung der Ausbilder in einem nordischen Land
  • Übernahme der Unterstützungsleistungen durch nordische Länder nach den ersten fünf Jahren
  • Bewahrung der Rückgriffsmöglichkeit (Reach Back) auf Hanwha zur Sicherstellung einer dauerhaften Unterstützung
  • Entwicklung der nationalen Industrie als Teil der globalen Unterstützungskette für K9 SPG International.

Regionale Teileversorgung:

  • Lizenzierte K9-Komponenten, hergestellt in Polen und der Türkei, könnten notfalls verwendet werden
  • Synergieeffekt im Dialog innerhalb der Nutzergemeinde zur Maximierung der Unterstützungsfähigkeit
  • Garantierte Verfügbarkeit von Ersatzteilen bis 2050.

Investition in die Zukunft

„Die Regierung befürwortet moderne, qualitativ hochwertige norwegische Streitkräfte mit der Fähigkeit, das Spektrum der Verteidigungsaufgaben zu bewältigen; moderne Streitkräfte, die ihre Rolle in der NATO übernehmen und zu einer glaubwürdigen Abschreckung beitragen können." (Auszug aus dem neuen langfristigen Plan für die Streitkräfte).

Welchen Platz das Heer, der traditionelle Schwerpunkt der norwegischen Streitkräfte, im zukünftigen Verteidigungskonzept einnehmen wird, ist unklar. Die norwegische Regierung empfiehlt, die geplante Modernisierung des Heeres zu verschieben, bis die erwartete Studie über die Landstreitkräfte seine zukünftige Organisation bewertet und die Rollen des Heeres und der Nationalgarde untersucht hat. Die Regierung betont, dass Investitionsgelder bereit stünden. Diese würden aber erst nach einer erneuten Prüfung freigegeben. Das Heer selbst hat einen großen Modernisierungsbedarf angemeldet, unter anderem für neue Geschütze, modernisierte Panzer und neue Systeme für die Fliegerabwehr aller Truppen.

Wann die Panzerhaubitzen M-109A3GN ausgemustert werden steht noch nicht fest. Folglich müssen die vorhandenen M-109A3GN-Systeme noch über längere Zeit und zu höheren Kosten als vorgesehen betrieben werden. 2019 werden die norwegischen Panzerhaubitzen M-109A3GN 50 Jahre alt und haben dann längst ihre technische und wirtschaftliche Nutzungsdauer überschritten; letztendlich wird nach 2020 die Ersatzteilversorgung für diese „Oldtimer“ äußerst schwierig.

Artillerie-Systeme im Vergleich

Walter Christian Håland, Major a. D./NOR-A

Das abzulösende System, Panzerhaubitze M-109A3GN ist schon nahezu 50 Jahre im Dienst Norwegens. Hier auf dem Schießübungsplatz in der Nähe von Setermoen, Nord-Norwegen während der Übung 'Cold Response' 2014. (Foto: Ole-Sverre Haugli/Forsvaret)
Das abzulösende System, Panzerhaubitze M-109A3GN ist schon nahezu 50 Jahre im Dienst Norwegens. Hier auf dem Schießübungsplatz in der Nähe von Setermoen, Nord-Norwegen während der Übung 'Cold Response' 2014. (Foto: Ole-Sverre Haugli/Forsvaret)
 

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