• Veröffentlichungsdatum: 10.04.2020

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"Zeigen, was wir können!"

Michael Klug

(Foto: ÖBH/Robert Gießauf)
(Foto: ÖBH/Robert Gießauf)

Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik wird bundesweit die Miliz des Österreichischen Bundesheeres aufgeboten. In der Steiermark werden dazu eine Kompanie des Jägerbataillons Steiermark und die Jägerkompanie Deutschlandsberg mobilgemacht.

Der Kommandant der Jägerkompanie Deutschlandsberg, Oberleutnant Christian Rath, sieht dies als „Chance für die Miliz“. „Für den Fall der Fälle haben wir jahrelang geübt. Nun ist er da und wir stehen bereit“, zeigt sich der 29-jährige Voitsberger motiviert. Rath ist im Zivilberuf als Luftfahrzeug-Techniker bei einem internationalen Flugzeughersteller in Wiener Neustadt tätig. Sein Arbeitgeber hat Verständnis für sein Engagement in der Miliz.

Miliz-Jägerkompanie mit regen Personalzulauf

Die Jägerkompanie Deutschlandsberg wurde im November 2016 aus rund 160 Milizsoldaten des Jägerbataillons 17 formiert. Durch eine gelungene Personalwerbung der Kaserne Straß wuchs die Zahl der freiwilligen Meldungen stetig. Die Kompanie zählt aktuell 233 Milizsoldaten. Durch regelmäßige Aktivitäten wie Miliz-Stammtische, Familien-Erlebnistage und die Integration der Milizkameraden in den Dienstbetrieb des Jägerbataillons 17 wurde der Zusammenhalt auch abseits von militärischen Übungen gestärkt. Mittlerweile gehören der Weststeirer-Kompanie auch zahlreiche Kärntner, Wiener und Burgenländer an.

(Foto: ÖBH/Robert Gießauf)
(Foto: ÖBH/Robert Gießauf)

Ihre erste Bewährungsprobe absolvierte die Einheit im September 2017 bei einer zehntägigen Objektschutz-Übung in St. Martin im Sulmtal in der Weststeiermark. Dabei stand das Szenario eines sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes im Fokus. Eine Annahme, die angesichts der bevorstehenden Mobilmachung nun Realität werden könnte. Im September 2018 trainierte die Jägerkompanie Deutschlandsberg Gefechtstechniken im alpinen Gelände auf der Seetaler Alpe. Zudem standen eine Hubschrauberausbildung mit dem Mannschaftstransporter "Black Hawk" und Schießübungen auf dem Programm. Zuletzt war die Kompanie im September 2019 bei der Airpower in Zeltweg eingesetzt. Dort war sie für die Personen- und Gepäckskontrollen verantwortlich und kontrollierte 10.000 Personen pro Stunde.

Jägerkompanie Deutschlandsberg - Daten & Fakten

  • Gesamtstärke: 233 Mann (11 Offiziere, 57 Unteroffiziere, 165 Chargen)
  • Gliederung: 5 Züge zu je 40 Mann, 1 Versorgungsgruppe, 1 Scharfschützengruppe
  • Hauptaufgaben: Objektschutz, sicherheitspolizeiliche Assistenzaufgaben, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Personenkontrollen, Streifentätigkeiten etc.
  • Wahlspruch: „Zum Schutz bestimmt, der Region verpflichtet“
  • Kompaniewappen: identisch mit dem Stadtwappen von Deutschlandsberg
  • Erstformierung: November 2016
  • Bisherige Großübungen:
    • September 2017: Übung Objektschutz im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes in der Weststeiermark
    • September 2018: Scharfschießen, Gefechtstechniken und Lufttransport "Black Hawk" Seetaler Alpe
    • September 2019: Personen- und Gepäckskontrollen Airpower 2019 Zeltweg
    • Mai 2020: Mobilmachung für den Assistenzeinsatz COVID-19

"Chance für die Miliz"

Oberleutnant Christian Rath ist Kommandant der Jägerkompanie Deutschlandsberg. (Foto: ÖBH/Robert Gießauf)
Oberleutnant Christian Rath ist Kommandant der Jägerkompanie Deutschlandsberg. (Foto: ÖBH/Robert Gießauf)

Christian Rath, Kommandant der Jägerkompanie Deutschlandsberg, spricht über den bevorstehenden Einsatz, sein Engagement in der Miliz und die Reaktionen seines privaten und beruflichen Umfeldes auf seine Tätigkeit. Das Gespräch führte Michael Klug.

Herr Oberleutnant, lieber Christian, erstmals wird die Miliz im Rahmen einer Teilmobilmachung aufgeboten. Als Kommandant der Jägerkompanie Deutschlandsberg wirst du für rund drei Monate nun beim Bundesheer Dienst versehen. Wie kompensiert dein Dienstgeber deine Abwesenheit?

Mein Arbeitgeber akzeptiert mein Miliz-Engagement. Schließlich erlerne ich bei Bundesheer-Übungen bestimmte Soft Skills und Techniken im Bereich Führung, Organisation und Präsentation, die ich auch in meinem zivilen Beruf einbringen kann. Eines ist freilich unbestritten: durch meine Abwesenheit fehlt eine eingearbeitete Fachkraft. Diese muss und wird durch meine Kollegen kompensiert. Dafür bin ich ihnen und meinen Vorgesetzten, die dafür Verständnis aufbringen, außerordentlich dankbar.

Was sagt dein privates Umfeld dazu?

In meinem familiären Umfeld habe ich die volle Unterstützung und den Rückhalt, um in einen Einsatz zu gehen. Als Kommandant der Miliz-Jägerkompanie Deutschlandsberg stehst du – wie tausende andere Milizsoldaten – erstmals vor einer „verpflichtenden“ Teilmobilmachung.

Wie bewertest du diese Situation?

Ich sehe die derzeitige Lage als Chance für die Miliz. Erstmals können wir beweisen, was wir können. Dass unsere Kompanie zum erlauchten Kreis der mobilgemachten Einheiten gehört, sehe ich als Auszeichnung und Bestätigung unserer Arbeit. Nach dem erfolgreichen Einsatz bei der Airpower 2019 bin ich zuversichtlich, mit meinen Kameraden ebenfalls künftige Aufträge lösen zu können. Die Einsatzdauer ist für uns Neuland, aber auch das werden wir meistern. Dafür sind wir schließlich da, denn wir sind ein Teil der strategischen Reserve der Republik.

Welche Rückmeldungen erhältst du von deinen Kameraden angesichts der bevorstehenden Teilmobilmachung?

Viele haben den Einsatz erwartet und sich schon vorab freiwillig dazu gemeldet. Natürlich gibt es Personen, für die diese Mobilmachung eine echte Herausforderung darstellt. Jene, die in systemrelevanten Bereichen hauptberuflich tätig sind oder Kinderbetreuungspflichten haben. Auch für viele Selbstständige ist die aktuelle Situation eine wirtschaftliche Belastung. Dennoch sind unsere Kameraden motiviert und möchten ihren Beitrag leisten. Keiner will die Kompanie im Stich lassen.

Oberleutnant Mag. Dr. Michael Klug ist Offizier für Öffentlichkeitsarbeit beim Jägerbataillon 17 und Milizsoldat.

Oberleutnant Christian Rath bei der Befehlsausgabe. (Foto: ÖBH/Robert Gießauf)
Oberleutnant Christian Rath bei der Befehlsausgabe. (Foto: ÖBH/Robert Gießauf)
 

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