• Veröffentlichungsdatum: 08.05.2020

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"Wasser Marsch!" im Libanon

Georg Rauchenwald

(Foto: Georg Rauchenwald)

Seit November 2011 beteiligt sich das Österreichische Bundesheer an der UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen im Libanon. Ihr Hauptquartier haben die Friedenstruppen im Camp Naqoura im Südwesten des Landes. Mit rund 2 000 Personen ist es wie eine Kleinstadt organisiert. Dazu gehört auch eine Campfeuerwehr, die fest in österreichischer Hand ist und einige Besonderheiten aufweist.

Im Dezember 2019 verlegte das 17. österreichische Kontingent (AUTCON 17) der United Nations Interim Forces in Lebanon (UNIFIL) in den Einsatzraum Südlibanon. In die österreichische Multi Role Logistics Unit (MRLU) eingegliedert, ist ein Brandschutzzug in der Stärke von 22 Soldaten, der die UNIFIL Fire Brigade (UFB) als hauptamtliche Feuerwehr des UNIFIL Headquarters Naqoura stellt. Dieser erfüllt im praktischen Dienstbetrieb fast ausschließlich feuerwehrtechnische Aufgaben. Dazu zählen

  • der Dienst als Flughafenfeuerwehr (Aviation Firefighting) am Naqoura Heliport (NHP) des UNIFIL Headquarters,
  • abwehrender Brandschutz (Domestic Firefighting) und technische Rettung (Technical Rescue) bei Bränden oder technische Einsätze im UNIFIL Headquarter sowie
  • Einsätze außerhalb des UNIFIL Headquarters bei Gefahr für die insgesamt 47 VN-Stützpunkte im Südlibanon oder als Unterstützung für libanesische Einsatzkräfte.

Die Vielfalt dieser Aufgaben fordert das Personal des Brandschutzzuges.

Immer in Bereitschaft

Die Campfeuerwehr übt möglichst realitätsnah: Ein Brandschutztrupp mit Atemschutzgeräten dringt in einen mit Rauch gefüllten Container ein. (Foto: Georg Rauchenwald)
Die Campfeuerwehr übt möglichst realitätsnah: Ein Brandschutztrupp mit Atemschutzgeräten dringt in einen mit Rauch gefüllten Container ein. (Foto: Georg Rauchenwald)

Die UNIFIL Fire Brigade besteht aus einem Zugskommando mit dem Kommandanten (Chief Fire Brigade) und seinem Stellvertreter sowie vier Brandschutztrupps in der Stärke von 1:4 (ein Unteroffizier, vier Chargen). Um die durch die Vereinten Nationen (UNO) vorgegebenen Aufgaben erfüllen zu können, wechseln die vier Trupps im 24-Stunden-Takt von einer Bereitschaft in die nächste. Dazu gibt es drei Bereitschaften zu je acht Stunden.

Die Bereitschaft „Rot“ ist die unmittelbare Bereitschaft für Einsätze im UNIFIL Headquarter, vergleichbar mit dem Dienst in einer Berufsfeuerwehr in Österreich. Team Rot muss deshalb geschlossen und mit der gesamten persönlichen Ausrüstung beim Fahrzeug bleiben, um im Einsatzfall ein sofortiges Ausrücken sicherstellen zu können. Bei Bränden oder technischen Einsätzen rückt Team „Rot“ immer als erstes aus.

In der Bereitschaft „Blau“ stellt das Team mit Unterstützung einer kleinen italienischen Bereitschaft den Flughafenfeuerwehrdienst bei Flugbetrieb am Naqoura Heliport (NHP) sicher und hält sich außerhalb davon für außerplanmäßige Flüge wie Verwundetenrettung (MEDEVAC) bereit. Die Bereitschaft „Grün“ unterstützt diese beiden Bereitschaften im Einsatzfall bei Bedarf als „Zweite Welle“ zum Heranführen weiterer Fahrzeuge, zusätzlichen Gerätes oder von Atemschutztrupps. Nebenbei erfolgt ein Schulungs- oder Übungsbetrieb. Das Team „Grün“ hat die Möglichkeit für individuellen Sport oder sonstige Aktivitäten im Camp.

Die Bereitschaft „Gelb“ ist im Einsatzfall die erweiterte Unterstützung. Das Team ist in ca. 40 Prozent der Zeit geschlossen vorhanden, da bei den übrigen 60 Prozent der Zeit immer ein gesamter Trupp auf Heimaturlaub ist. Es wird auch versucht, Team „Gelb“ von dienstlicher Inanspruchnahme freizuhalten, um den Soldaten Versorgungsfahrten oder Freizeitaktivitäten zu ermöglichen.

Die Dienste müssen rund um die Uhr über das gesamte Jahr aufrechterhalten werden. Deshalb entfallen für die Mitglieder der UFB auch reguläre „Wochenenden“ oder dienstfreie Zeiten wie VN-Feiertage, was eine zusätzliche Belastung für die Mannschaft darstellt. Durch die ständige Einsatzbereitschaft gilt für die Soldaten der UFB ein ganzjähriges Alkoholverbot. Denn im Fall eines Großeinsatzes müssen von den 22 Soldaten immerhin bis zu zehn Fahrzeuge bewegt werden. Zusätzlich fordern die extremen klimatischen Bedingungen speziell im Sommer (Regen fällt im Libanon nur im Winter, von Mai bis Oktober sind Temperaturen über 30° Celsius die Regel) eine hohe körperliche Fitness und Leistungsfähigkeit der Feuerwehrleute, um die anfallenden Einsätze bewältigen zu können.

Fahrzeuge und Gerät

Der Fuhrpark der UNIFIL Fire Brigade. (Foto: Georg Rauchenwald)
Der Fuhrpark der UNIFIL Fire Brigade. (Foto: Georg Rauchenwald)

Die UNIFIL Fire Brigade ist neben der mitgebrachten Ausrüstung des Österreichischen Bundesheeres großteils mit VN-Gerät sowie ausschließlich mit Fahrzeugen der UNO ausgestattet. Der für die Gesamtstärke von 22 Mann umfangreiche Fuhrpark umfasst folgende Kfz: Ein Kommandantenfahrzeug (Rufname „India 1“): Dieses dient als klassisches Kommandofahrzeug, ist mit Führungsmitteln sowie Kleinlöschgerät ausgestattet und wird normalerweise vom Kommandanten bzw. seinem Stellvertreter benutzt.

Ein Flugfeldlöschfahrzeug (Rufname „Charlie 1“): Das primäre Löschfahrzeug am Naqoura Heliport ist mit 6 000 Liter Wasser, 750 Liter Schaummitteln und einer 250 kg Pulverlöschanlage bestückt. Ein Rüstlöschfahrzeug (RLF) (Rufname „Charlie 2“): Dieses ist das primäre Rüstlöschfahrzeug für die „klassische“ Feuerwehrarbeit rund um das Camp in Naqoura mit einem 4 500 Liter Wassertank und 250 Liter Schaummitteltank.

Ein Flugfeldlöschfahrzeug als Reserve (Rufname „Charlie 3“): Mit 10 000 Liter mitgeführtem Wasser und 1 000 Liter Schaummittel dient es als Backup für den Flughafenfeuerwehrdienst am NHP. Durch die große mitgeführte Wassermenge und einer Wurfweite von über 50 m mit dem Monitor für Einsätze aller Art ist es eine wertvolle Ergänzung.

Ein Rüstlöschfahrzeug als Reserve (Rufname „Charlie 4“): Dieses RLF 4 000/200 war das Vorgängermodell von „Charlie 2“. Es dient heute als Reserve. Zwei Kleinfahrzeuge (Toyota Landcruiser; Rufnamen „India 2“ und „Romeo 1“): Diese dienen dem Mannschaftstransport z. B. für das Team Blau auf dem Heliport oder für sonstige Fahrten. Ein Wechselladerfahrzeug (Rufname „Whiskey 1“): Mit verschiedenen Wechselaufbauten für Pritsche, Wassertank oder einem Löschfahrzeugaufbau mit 800 Liter Wassertank ist „Whiskey 1“ ein universell einsetzbares Arbeitsgerät.

Zwei Wassertransporter (20 000 Liter Nutzwasser, Rufnamen „Whiskey 2“ und „Whiskey 3“): Aufgrund der allgemeinen Wasserknappheit im Libanon und der stark begrenzten Hydrantenkapazitäten im Camp stellen die beiden „Wasserkühe“ im Einsatzfall die Wasserversorgung für Löscharbeiten sicher und rücken deshalb bei jedem größeren Brandeinsatz mit aus.

(Foto: Georg Rauchenwald)
Die Bergung von Verletzten aus jeder Lager erfordert technisches Wissen ...
Die Bergung von Verletzten aus jeder Lager erfordert technisches Wissen und manchmal Schwindelfreiheit. (Foto: Georg Rauchenwald)
... und manchmal Schwindelfreiheit. (Foto: Georg Rauchenwald)

Alltag für die österreichischen Soldaten

Unter der Woche beginnt der Tag für die österreichischen UNIFIL-Feuerwehrleute – sofern sie nicht bereits vorher ihren Dienst, wie beim Heliport, antreten müssen – regulär um 0730 Uhr mit der Standeskontrolle. Informationen des österreichischen Kontingentes bzw. der Kompanie werden hier ausgetauscht und weitergegeben. Untergebracht sind die Soldaten der Fire Brigade einige hundert Meter vom restlichen österreichischen Kontingent entfernt im Feuerwehrhaus auf dem sogenannten „Green Hill“.

Der Gebäudekomplex des Feuerwehrhauses mit Fahrzeughalle, Werkstätten- und Lagerräumen, Unterkünften und eigenem Bunker ist für die österreichischen VN-Feuerwehrleute Arbeitsplatz, Rüsthaus und Unterkunft. Die ansehnliche Lage des Bereiches über dem restlichen Camp mit Meerblick und einer bei klarem Wetter schönen Aussicht auf die pittoreske Silhouette von Tyr geht mit der Belastung des ständigen Zusammenlebens für die Monate des Einsatzes auf engem Raum mit einher. Durch die Bereitschaften entfallen „dienstfreie“ Wochenenden und die Teammitglieder müssen ihre Zeit zusammen verbringen. Ausflüge oder Freizeitangebote sind für die Feuerwehr-Soldaten durch die ständig aufrechtzuerhaltende Einsatzbereitschaft meist nur schwer möglich.

Neben dem Bereithalten für Einsätze sind die Tage der militärischen Feuerwehrleute durch verschiedene Tätigkeiten gekennzeichnet. Aufträge und Hilfeleistungen aus dem Kontingent werden abgearbeitet, Übungs-, Wartungs- und Materialerhaltungstätigkeiten am Fahrzeug- und Gerätebestand durchgeführt, oder der umfangreiche Übungs- und Schulungsbetrieb aufrechterhalten. Neben den verpflichtenden Fire Safety Trainings für VN-Zivilisten und Soldaten aus den verschiedenen UNIFIL-Kontingenten führt die UFB auch Schulungen und Übungen mit dem Personal des Heliports durch oder unterstützt die „Integrated Fire Safety Unit“ bei Evakuierungsübungen oder Begehungen. Für das Führungspersonal auf dem Heliport werden bei eigens durchgeführten „Heliport Manager Trainings“ erweiterte Brandschutzausbildungen abgehalten oder für den libanesischen Zivilschutz bei einem CIMIC-Projekt Atemschutzausbildungen veranstaltet.

Für diesen umfangreichen Trainings- und Übungsbetrieb steht der UNIFIL Fire Brigade im Camp Green Hill eine eigene „Training Area“ zur Verfügung. Dieses Terrain umfasst ein mehrere hundert Quadratmeter großes Übungsareal mit einem eigenen Flashover-Übungscontainer (ein Flashover ist ein schlagartiger Übergang eines Feuers von der Entstehungs- zur Vollbrandphase, Anm.) und einem aus Seefracht-Containern aufgebauten „Übungsdorf“ für Atemschutzeinsätze und Feuerwehrübungen mit realen Feuerquellen aller Art. Auch realitätsnahe Übungen mit den Wasserwerfern der Flugfeldlöschfahrzeuge können hier durchgeführt werden. Zusätzlich werden nach Möglichkeit regelmäßig Übungen in den Gebäuden des Camps Green Hill und des Old Camps durchgeführt, um die Ortskenntnis zu verbessern und die Anfahrtswege zu kennen.

Flughafenfeuerwehrdienst auf dem Heliport

Fast alle Tätigkeiten in geschlossenen Räumen erfordern den Einsatz von Atemschutzgeräten. (Foto: Georg Rauchenwald)
Fast alle Tätigkeiten in geschlossenen Räumen erfordern den Einsatz von Atemschutzgeräten. (Foto: Georg Rauchenwald)

Als Headquarters der UNIFIL-Mission beherbergt das Camp Green Hill in Naqoura einen nach dem Standard der internationalen Zivilluftfahrtorganisation errichteten „Kategorie H3 Heliport“, den Naqoura Heliport, der von Italien betrieben wird. Diese Kategorie fordert unter anderem bestimmte Brandschutzmaßnahmen. Der Hauptteil des Flugverkehres entfällt dabei auf die italienischen Helikopter der Task Force ITALAIR (sechs Agusta Bell 212 für Transport-, Aufklärungs- und MEDEVAC-Einsätze) und einen weißrussischen Mehrzweck- und Transporthubschrauber Mil Mi-8 (vor allem für Transportflüge). Abseits davon findet dort der Flugbetrieb von verschiedenen Hubschraubern, der an UNIFIL beteiligten Nationen sowie von der libanesischen Luftwaffe, statt. Österreich ist mit der UNIFIL Fire Brigade für den Flughafenfeuerwehrdienst verantwortlich.

Das Team „Blau“ ist als primäre Flughafeneinheit der UNIFIL Fire Brigade in ständigem Kontakt mit dem Tower und bei Flugbetrieb direkt am Heliport in Bereitschaft, teilweise bei Starts, Landungen oder Tankvorgängen mit laufendem Motor auf dem Fahrzeug aufgesessen. Bei ungeplanten Flügen wie Aufklärungsflügen oder MEDEVAC muss die Feuerwehr innerhalb von 15 Minuten auf dem Heliport bereitstehen. Wirkliche Freizeit außerhalb der Bereitschaften gibt es für das Team „Blau“ daher nicht. Im Einsatzfall ist die UNIFIL Fire Brigade auf dem Heliport und dem Umland für Menschenrettung und Brandbekämpfung zuständig. Verstärkt wird es dabei höchstens durch ein weiteres, auf dem Naqoura Heliport stationiertes italienisches Flugfeldlöschfahrzeug, das im Einsatzfall unter österreichischem Kommando agiert.

Abwehrender Brandschutz und technische Einsätze

Das UNIFIL Headquarters Naqoura befindet sich im Süden des Libanons nur wenige Kilometer von der Blue Line zu Israel entfernt und ist Arbeits- und Wohnort von rund 2 000 Soldaten und VN-Zivilisten. Bestehend aus den beiden Teilen Old Camp und Camp Green Hill ist diese Basis eine kleine Stadt mit eigenem Krankenhaus, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Werkstätten, Lagern, Schwimmbad, autarker Stromversorgung und dem Heliport. Wie in einer österreichischen Ortschaft dieser Größe kommt es auch hier zu einem breiten Spektrum an klassischen Feuerwehreinsätzen: Brände, Verkehrsunfälle, technische Hilfeleistungen, Überschwemmungen sowie zu Einsätzen bei Fehl- und Täuschungsalarmen der vorhandenen 23 Brandmeldeanlagen in den verschiedenen Gebäudekomplexen. Im Einsatzfall wird über die UNIFIL-eigene Leitstelle, dem Security Operations Center (SOC), die UNIFIL Fire Brigade alarmiert, deren Team „Rot“ rund um die Uhr für Einsätze aller Art bereitsteht. Durch die hohe Bereitschaftsstufe des Teams „Rot“ im Camp müssen alle Gebäude auch nachts von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort Zeiten unter fünf Minuten erreicht werden, was regelmäßig geübt und überprüft wird.

Einsatzbeispiele

Die UNIFIL Fire Brigade deckt ein breites Spektrum an Einsätzen ab. (Foto: Georg Rauchenwald)
Die UNIFIL Fire Brigade deckt ein breites Spektrum an Einsätzen ab. (Foto: Georg Rauchenwald)

Im Laufe der bisherigen 16 Kontingente kann die UNIFIL Fire Brigade auf ein breites Spektrum an Einsätzen zurückblicken. Innerhalb des Camps kommt es immer wieder zu Zimmer- oder Bürobränden. Brandursachen sind hierbei oft eine unsachgemäß installierte oder überlastete Elektroinstallationen. Insbesonders schadhafte Klimaanlagen führten in den vergangenen Jahren in Büros und Unterkünften zu mehreren Zimmerbränden, die nur durch Glück und rasches Eingreifen der UNIFIL Fire Brigade zu keinen Personenschäden geführt haben.

Im libanesischen Straßenverkehr werden technische Überprüfungen der Fahrzeuge, Gurtpflicht, Helmpflicht auf Motorrädern und Sicherheitsregeln im Straßenverkehr oftmals nicht so streng genommen wie in Österreich. Bei einem schweren Verkehrsunfall Anfang 2019 vor dem Camp, zu dem die UNIFIL Fire Brigade alarmiert wurde, hatte dieser ortstypische Umgang mit Sicherheitsgurten für einen libanesischen Zivilisten schwerwiegende Auswirkungen: Als sich ein Kleinbus in einer Kurve überschlug, wurde die aus dem Fenster gehaltene Hand des nicht angeschnallten Beifahrers unter dem Fahrzeug begraben und dieser schwer verletzt. Die aus Österreich bekannte Untugend der „Rettungstraube“ aus Zivilisten und Schaulustigen stellte auch hier ein zusätzliches Problem dar.

Seitens der Brandeinsätze sind insbesondere in den Sommermonaten die vermehrt auftretenden Buschfeuer und Wiesenbrände zu erwähnen, die durch die extreme Trockenheit, achtlos weggeworfene Zigarettenreste oder durch außer Kontrolle geratene Müllverbrennungs- oder Rodungsaktionen verursacht werden. Dazu wird die UNIFIL Fire Brigade regelmäßig von Kräften der libanesischen Civil Defense zur Unterstützung herangezogen, beispielsweise im Oktober 2019, als im Libanon die schwersten Busch- und Waldbrände seit vielen Jahren wüteten und ein Teil der UNIFIL Fire Brigade in die Nähe der Stadt Saida ausrückte.

Zu einem beinahe klischeehaften Feuerwehreinsatz kam es bei AUTCON 16 im Juli 2019: UN-Zivilangestellte meldeten, dass sich vermutlich ein Katzenjunges in der Dachkonstruktion eines Bürogebäudes verirrt habe und durch lautes Miauen und Kratzen auf sich aufmerksam mache. Nach kurzer Suche konnte die junge Katze aus dem Dachgebälk befreit und dem schon ungeduldig suchenden Muttertier zurückgegeben werden.

Buschfeuer sind in den Sommermonaten keine Seltenheit. (Foto: Georg Rauchenwald)
Buschfeuer sind in den Sommermonaten keine Seltenheit. (Foto: Georg Rauchenwald)
"Bekämpft" werden die Buschfeuer mit Wasser. (Foto: Georg Rauchenwald)
"Bekämpft" werden die Buschfeuer mit Wasser. (Foto: Georg Rauchenwald)

Herausforderungen und Unterschiede zum Feuerwehralltag in Österreich

Wenn auch die Einsätze im Libanon ähnlich zu jenen in Österreich sind, so gilt für die UNIFIL-Feuerwehrleute ein entscheidender Unterschied: Abgesehen von einem italienischen Brandschutzteam auf dem Heliport mit einem einzigen Fahrzeug gibt es keinerlei Verstärkung oder Ablöse im Einsatzfall. In Österreich ist man im Feuerwehrwesen meist in der bequemen Situation, reichlich Kräfte mit Spezialgerät nachfordern zu können. Im UNIFIL-Einsatz gibt es abseits der UNIFIL Fire Brigade nur vereinzelt kleine Feuerwehr-Trupps, zum Beispiel im Irischen Bataillon oder in der französischen Force Commanders Reserve, die aber nicht ohne weiteres angefordert werden können. Die Einsätze müssen also in aller Regel von den verfügbaren Teams des österreichischen Zuges allein abgearbeitet werden. Dieser Umstand war bis AUTCON 10 noch deutlich schwieriger, da die UNIFIL Fire Brigade bis dahin nur aus einer Brandschutzgruppe mit zehn bzw. 13 Personen bestanden hatte.

In Österreich ist man die rasche Verfügbarkeit von verschiedenen Spezialkräften mit schwerem Gerät, Drehleitern oder Kränen, von Rauchfangkehrern, gefährlichen Stoffe-Einheiten oder sonstigen Fachdiensten gewohnt, die vor Ort nahezu überhaupt nicht vorhanden sind. Insgesamt wird von den Feuerwehrleuten der UNIFIL Fire Brigade bei vielen Einsätzen eine Improvisations- und Anpassungsfähigkeit an die hiesigen Umstände gefordert. So kam es bei AUTCON 16 bei einem Fehlalarm im VN-Hospital zu dem Vorfall, dass sich im Bedienfeld der Brandmeldeanlage der Alarm einfach nicht ausschalten ließ. Nach Öffnen des Bedienfeldes stellte sich heraus, dass sich aufgrund mangelhafter Wartung die am Schlüsselschalter angeschlossenen Kabel im Inneren beim Umdrehen des Schlüssels einfach gelöst hatten. Erst durch händisches Zusammenführen der Kontakte konnte der für das menschliche Gehör unangenehme Alarm beendet werden.

Aber gerade der deutlich vom Feuerwehralltag in Österreich abweichende Dienst in der UNIFIL Fire Brigade macht diesen interessant, lehr- und erlebnisreich. Die allgemein hohe Professionalität und Einsatzbereitschaft der österreichischen Feuerwehrleute führt zu einem hohen Ansehen der UNIFIL Fire Brigade im gesamten UNIFIL-Einsatz.

Fazit

Selbst wenn sich die klimatischen Bedingungen, Einsatzgegebenheiten und Gerätschaften deutlich von denen in Österreich unterscheiden, wird in der UNIFIL Fire Brigade unter hohem persönlichen Einsatz aller Beteiligten die professionelle österreichische Feuerwehrarbeit hochgehalten. Das alles geschieht getreu dem Leitspruch der österreichischen Feuerwehren „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ auch über 2 000 Kilometer von der Heimat entfernt

Hptm Dipl.-Ing. Georg Rauchenwald; 2019 Kommandant Brandschutzzug/UNIFIL Fire Brigade bei AUTCON 16.

 

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