• Veröffentlichungsdatum: 12.04.2018

  • 10 Min -
  • 2006 Wörter
  • - 20 Bilder

Relikte einer Seemacht

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Bis vor hundert Jahren war Österreich ein mächtiger Staat in der Mitte Europas. Da auch die östliche Adria zu dem damaligen Habsburgerreich zählte, verfügte Österreich über eine Marine und sogar über U-Boote. 1918 brach nicht nur das Habsburgerreich zusammen, auch die Flotte ging unter und mit ihr die Unterseeboote.

Dass Österreich als Teil der Habsburgermonarchie einst über eine Meeresküste verfügte, ist ein bekannter, wenn auch nicht präsenter Teil des kollektiven Gedächtnisses. Dass es eine k.u.k. Kriegsmarine gab, die eine ansehnliche U-Boot-Flotte hatte, ist jedoch weniger bekannt. Die Einführung dieses Waffensystems war ein Ergebnis der Flotten-Modernisierung unter den Marinekommandanten Hermann von Spaun, Rudolf Montecuccoli und Anton Haus, die dabei von Thronfolger Franz Ferdinand unterstützt wurden. Im Jahr 1908 - vor 110 Jahren - liefen die ersten österreichischen Unterseeboote vom Stapel.

Während des Ersten Weltkrieges konnte die k.u.k. Kriegsmarine nur in der Adria agieren, wo sie vor allem zum Schutz der dalmatinischen Küste eingesetzt wurde. Die Otranto-Sperre, mit der die Entente die Adria blockierte, verhinderte, dass die österreichischen Schiffe im Mittelmeer operieren konnten. Die Otranto-Sperre war ein Seehindernis an der etwa 75 km breiten Meerenge zwischen dem südlichen Teil von Ostitalien und Albanien, der Straße von Otranto. Sie war ein direktes Ergebnis des Kriegseintrittes Italiens auf der Seite der Entente, nachdem auch die Adria de facto zum Frontgebiet wurde. Die Sperre bestand aus Netzen, Seeminen und vor allem den Patrouillen durch Kriegsschiffe der italienischen Marine und anderer Ententemächte.

„U-20“

Das Unterseeboot "U-17" der k.u.k Kriegsmarine in der Adria. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)
Das Unterseeboot "U-17" der k.u.k Kriegsmarine in der Adria. (Foto: unbekannt/gemeinfrei)

Ein Schiff der österreichischen U-Bootflotte war die „U-20“, die am 18. September 1916 im Seearsenal von Pola vom Stapel lief. Sie war ein Schiff der „Havmanden“-Serie, deren Konstruktionspläne auf das Jahr 1910 zurückgehen. Die „U-20“ hatte eine Länge von 38,76 m, eine maximale Breite von 3,97 m und einen Tiefgang von 2,75 m. Für den Antrieb des U-Bootes über Wasser sorgte ein 6-Zylinder-Dieselmotor von MAN mit 450 PS, der eine Geschwindigkeit von 13,2 Knoten (etwa 24 km/h) erreichte. Für die Tauchfahrt wurde ein Elektromotor mit 300 PS verwendet, der unter Wasser eine Geschwindigkeit von 9 Knoten (etwa 17 km/h) ermöglichte. Bewaffnet war die „U-20“ mit einer 7-cm-Kanone, einem 8-mm-Maschinengewehr und zwei Bugtorpedorohren vom Kaliber 45 cm.

Die „Havmanden“-Serie war ein kleiner Bootstyp, mit dem man die zu Ausbruch des Ersten Weltkrieges kleine U-Bootflotte verstärken wollte, die damals lediglich aus sieben einsatzbereiten U-Booten bestand. Die Schiffe dieser Serie waren aufgrund der rasanten technischen Entwicklung in dieser Zeit bereits veraltet, als sie in den Dienst gestellt wurden. Das zeigte sich unter anderem an ihrer geringen Geschwindigkeit und der schlechten Manövrierfähigkeit im Vergleich zu anderen Modellen.

Schnittmodell eines U-Bootes der k.u.k Kriegsmarine ("U-27") im Heeresgeschichtlichen Museum. Heckansicht mit Motorraum. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Schnittmodell eines U-Bootes der k.u.k Kriegsmarine ("U-27") im Heeresgeschichtlichen Museum. Heckansicht mit Motorraum. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Schnittmodell eines U-Bootes der k.u.k Kriegsmarine ("U-27") im Heeresgeschichtlichen Museum. Bugansicht mit Torpedoraum. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Schnittmodell eines U-Bootes der k.u.k Kriegsmarine ("U-27") im Heeresgeschichtlichen Museum. Bugansicht mit Torpedoraum. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Die „U-20“ im Einsatz

Um das Schiff „konkurrenzfähiger“ zu machen, wurde es nach dem Stapellauf adaptiert, weshalb die „U-20“ erst im Oktober 1917 eingesetzt werden konnte. Eine interessante Anekdote aus dieser Zeit: Der britische Drifter „Fisher Girl“ meldete am 17. Dezember 1916, dass die „U-20“ in der Otranto-Sperre gesunken wäre. Eine Falschmeldung, da sie aufgrund der Umbau- und Adaptionsarbeiten noch im Hafen lag. Die Indienststellung verzögerte sich zusätzlich, da das U-Boot bei einer Testfahrt im Kanal von Fazano (nordwestlich von Pula zwischen den Brioni-Inseln und dem Ort Fazano) mit dem leichten österreichischen Kreuzer SMS „Admiral Spaun“ kollidierte. Dabei wurde die Heckkanone zerstört und es entstanden Schäden am Periskop und dem Turm.

Die Heimathäfen des Schiffes waren zunächst Pula und ab Februar 1918 Triest. Von dort aus führte die „U-20“ im Jahr 1918 mehrere Einsätze in der nördlichen Adria durch, ohne dabei einen Torpedo abzufeuern. Dennoch verliefen die Missionen nicht ohne Zwischenfälle. So fielen bei einer Tauchfahrt, wenige Wochen bevor das Schiff unterging, die Kompressoren aus, die die Luft in die Wassertanks pumpen sollten, damit das Schiff auftauchen kann. Nur mit Mühe konnte das U-Boot noch an die Oberfläche gelangen, wenn auch mit einer Schlagseite.

Die letzte Route der "U-20" in der Adria. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die letzte Route der "U-20" in der Adria. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die Fahrt des italienischen U-Bootes "F-12" und des österreichisch-ungarischen U-Bootes "U-20" vom Erstkontakt bis zur Versenkung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Die Fahrt des italienischen U-Bootes "F-12" und des österreichisch-ungarischen U-Bootes "U-20" vom Erstkontakt bis zur Versenkung. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Die letzte Fahrt

Am 3. Juli 1918 verließ die „U-20“ zum letzten Mal ihren Hafen und brach zu einer Patrouillenfahrt auf. Am Abend des nächsten Tages wurde das österreichische U-Boot um 21:15 Uhr vom italienischen U-Boot „F-12“ gesichtet. Dieses näherte sich daraufhin, unterhalb der Wasseroberfläche mit dem Blick durch das Periskop, an die „U-20“ an. Das gegnerische Boot erschien zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die „U-20“ lud gerade ihre Akkumulatoren auf und war deshalb de facto manövrierunfähig und ein leichtes Ziel. Da die See an diesem Abend jedoch stürmisch war, musste das italienische Schiff den Angriff mehrere Male ansetzen. Dennoch blieb es unbemerkt.

Kurz nach 22:30 Uhr war die „F-12“ in Position. Im Gegenlicht des Mondes tauchte sie um 22:43 Uhr, etwa 600 m von der „U-20“ entfernt, auf. Nachdem sie das Ziel klar sah, gab der Kommandant den Befehl einen Torpedo abzulassen. Kurz darauf traf dieser die „U-20“ im vorderen Drittel des Rumpfes und detonierte. Aufgrund der Wucht der Explosion wurde der Schiffskörper aufgerissen und das Meerwasser flutete in das Boot. Kurze Zeit später lag das Schiff auf dem Grund der Adria und wurde zum stählernen Grab für ihre Besatzung. Nachdem die „U-20“ gesunken war, fuhr das italienische U-Boot zu der Stelle wo sie unterging, um nach österreichischen Seeleuten zu suchen. Bis auf einen Ölfilm an der Meeresoberfläche konnten die Italiener jedoch nichts erkennen.

(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)
(Foto: Bundesheer/Heeresgeschichtliches Museum)

Nach der Versenkung

Das Grab der 17 Soldaten der U-20 wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten zu einem Ärgernis für die italienischen Fischer. Diese beklagten sich, dass ihre Netze an dem gesunkenen U-Boot hängen bleiben und dadurch zerrissen werden würden. Der Tagliamento, in dessen Mündungsbereich die „U-20“ lag, schwemmt große Mengen Sand mit. Dieser hob mit der Zeit das Schiff, weshalb seine teilweise scharfen Metallteile die Fischernetze zerstörten. Schließlich wurde die Firma „Sponza & Zuberti“ aus Grado mit der Bergung des Wracks beauftragt. Diese dauerte einige Monate und musste in zwei Etappen ausgeführt werden, da der Schiffskörper an der Stelle brach, wo er am 4. Juli 1918 von dem Torpedo getroffen wurde. Am 21. Juli 1962 wurde der Hauptteil des Schiffes, in dem sich auch die Besatzung und der Turm befanden, gehoben; der Vorderteil jedoch erst drei Monate später, am 3. Oktober 1962.

Die Reste der „U-20“ wurden an die Küste befördert und dort verschrottet. Davor wurde das Wrack untersucht und die sterblichen Überreste von zwölf der 17 Matrosen der Schiffsbesatzung sowie mehrere Ausrüstungsgegenstände sichergestellt. Dabei konnte auch die Identität des Bootes eindeutig bestimmt und das Schicksal der Mannschaft geklärt werden, die seit 1918 offiziell als überfällig galt. Danach wurde das U-Boot zerschnitten, wobei der Teil mit dem Turm in weiterer Folge nach Österreich transportiert und dem Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) übergeben wurde.

Ebenfalls nach Österreich transportiert wurden die sterblichen Überreste der Besatzungsmitglieder, die in dem Wrack gefunden wurden. Diese wurden in zwölf Särge gebettet und zuerst nach Redipuglia, der größten italienischen Gedenkstätte zu Ehren der Toten des Ersten Weltkrieges und der Isonzoschlachten, gebracht, wo eine Aufbahrungsfeier der italienischen Marine stattfand. Danach wurden sie mit einem Sanitätsfahrzeug der italienischen Armee nach Österreich zum Grenzübergang Thörl-Maglern transportiert. Nach der feierlichen Übernahme wurden die etwa 50 cm langen Särge auf zwölf Steyr-Puch „Haflinger“ umgeladen und nach Wiener Neustadt überführt. Am 10. August 1962, 44 Jahre nachdem sie starben, wurde die Besatzung in Wiener Neustadt mit militärischen Ehren beigesetzt. Dort liegen die Matrosen der k.u.k. Marine, die aus den heutigen Ländern Österreich, Tschechien, Kroatien, Ungarn und Polen stammen, nun in einem Ehrengrab im Park der Theresianischen Militärakademie.

Die „U-20“ im HGM

Der Turm der "U-20" im Marinesaal des Heeresgeschichtlichen Museums. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Turm der "U-20" im Marinesaal des Heeresgeschichtlichen Museums. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Bücher, Schuhe, Münzen etc. die aus der "U-20" geborgen werden konnten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Bücher, Schuhe, Münzen etc. die aus der "U-20" geborgen werden konnten. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Der Marinesaal im Erdgeschoß des HGM beherbergt die Relikte der österreichischen Kriegsmarine. Der Mittelpunkt dieses Saales ist heute der U-Boot-Turm mit Fragmenten des Schiffskörpers, der aus dem Wrack der „U-20“ geschnitten wurde. Dieses Exponat symbolisiert das Ende der k.u.k. Kriegsmarine und steht damit auch für den Untergang der österreichisch-ungarischen Monarchie.

Zahlreiche Objekte des U-Bootes, die geborgen werden konnten, und dem Museum übergeben wurden, befinden sich neben dem Turm. Dazu zählen persönliche Gegenstände der Schiffsbesatzung wie Bücher, Schuhe, Münzen etc. sowie ein Anker und Marinedienstbücher. Neben den Exponaten steht eine Fotodokumentation, die die Hebung der „U-20“ beschreibt. Die Fotos wurden dem HGM im Jahr 2011 von Marcello Sponza, dessen Vater an der Hebung des U-Bootes im Jahre 1962 maßgeblich beteiligt war, als Schenkung übergeben.

Der Erhalt eines U-Boot-Teiles, das über 40 Jahre auf dem Grund des Meeres lag, stellt hinsichtlich seiner Konservierung einen erheblichen Aufwand für das HGM dar. Im Jahr 1997 musste das Exponat restauriert werden, da es vermutlich im unbehandelten Zustand im Museum aufgestellt worden war. Deshalb ging die Korrosion des Turmes, dessen Metallkörper von Muscheln bedeckt ist, weiter und die Oberfläche blätterte langsam ab. Erst in einem aufwendigen Verfahren, in das zahlreiche Experten eingebunden waren, konnte der Turm der „U-20“ restauriert und für die Nachwelt erhalten werden.

Der Motor der "U-18" im Technikmuseum Sinsheim. (Foto: Technikmuseum Sinsheim)
Der Motor der "U-18" im Technikmuseum Sinsheim. (Foto: Technikmuseum Sinsheim)
(Foto: Technikmuseum Sinsheim)
(Foto: Technikmuseum Sinsheim)
Der Motor der "U-18" im Technikmuseum Sinsheim. (Foto: Technikmuseum Sinsheim)
(Foto: Technikmuseum Sinsheim)

U-Boot-Motoren

Die geborgenen Teile der „U-20“ sind nicht die einzigen Relikte der ehemaligen österreichischen U-Boot-Waffe. Die meisten Andenken befinden sich heute im Privatbesitz und stammen von ehemaligen Matrosen oder wurden beim Abwracken entfernt. Ein Beispiel dafür ist der Propeller der „U-20“, der noch immer existieren soll. Zu besichtigen sind aktuell jedoch nur jene Artefakte die sich im HGM befinden, wie die k.u.k. Seekriegsflagge der „U-12“ oder der Motor eines österreichischen U-Bootes im „Auto- und Technikmuseum Sinsheim“ in Deutschland.

Dieser Schiffsdieselmotor wurde von MAN in Augsburg produziert und 1917 an die österreichische Marine in eine Werft in Triest geliefert. Dort wurde er in ein U-Boot eingebaut, das nach dem Ersten Weltkrieg an Italien übergeben und 1918 abgewrackt wurde. Danach kam der Motor auf Umwegen nach Bolivien, wo er in einer Silbermine als Stromaggregat eingesetzt wurde. Später kam er wieder nach Italien zurück und landete im Jahr 1981 bei einem Schrotthändler in Peschiera am Gardasee. Dort erwarb ihn zunächst ein Sammler, später wurde er schließlich nach Sinsheim transportiert, wo er sich heute befindet.

Der U-Boot-Motor in Sinsheim war nicht der einzige, der als Stromaggregat zum Einsatz kam. Ein anderer wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Waldviertler Textilfirma „Patria“ in Heidenreichstein als Notstromaggregat eingesetzt. Ursprünglich stand dieser U-Boot-Motor im Keller des ehemaligen k.u.k. Kriegsministeriums. Er wurde jedoch während des Zweiten Weltkrieges bzw. in den Jahren danach durch Frost zerstört, da das Kühlwasser nicht abgelassen wurde. Über Umwege erfuhren die Verantwortlichen der „Patria“ von dem Motor, den sie als Schrott erwarben und mühsam mit der Bahn ins Waldviertel transportierten. Dort wurde er repariert und in dem Textilwerk aufgestellt. Einige Jahre später war die österreichische Infrastruktur jedoch wieder so leistungsfähig, dass man das Aggregat nicht mehr benötigte. Im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen wurde der Motor schließlich entfernt und wahrscheinlich verschrottet.

„U-16“

Der Turm der "U-20" kann im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum nicht nur von der Seite, sondern auch von obern besichtigt werden. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Der Turm der "U-20" kann im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum nicht nur von der Seite, sondern auch von obern besichtigt werden. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Die „U-20“ ist vermutlich nicht das einzige österreichische Unterseeboot, das am Grund der Adria gefunden wurde. Im Oktober 2017 wurde bekannt, dass Taucher aus Tschechien angeblich die „U-16“ neben dem italienischen Kriegsschiff „Nembo“ vor der Küste Albaniens in einer Tiefe von 60 m gefunden hätten. Die „U-16“ war 1915 gebaut worden und wurde ab dem 6. Oktober 1915 eingesetzt. Ein Jahr später, am 16. Oktober 1916, griff die „U-16“ das italienischen Torpedoboot „Nembo“ an, das es auch zerstören und versenken konnte.

Die „Nembo“ setzte während des Kampfes jedoch Wasserbomben ein, die die „U-16“ beschädigten. Schließlich wurde das angeschlagene U-Boot vom italienischen Dampfer „Bormida“ gerammt und versenkt. Zwei österreichische Matrosen kamen dabei ums Leben, der Kommandant und weitere zwölf Mann der Besatzung konnten gerettet werden. Ob es sich bei den beiden gefundenen Wracks tatsächlich um die „U-16“ und die „Nembo“ handelt, steht zurzeit nicht zweifelsfrei fest. Unklar ist auch, was mit den Resten der beiden Kriegsschiffe geschehen soll.

Das Schicksal der U-Boot-Flotte

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges verfügte die die k.u.k. Kriegsmarine über insgesamt 27, der bis dahin 375 weltweit gebauten, Unterseeboote. Sieben Schiffe gingen während des Krieges verloren. Neben den erwähnten Schicksalen der „U-16“ und der „U-20“ wurde die „U-3“ von einem französischen Zerstörer versenkt, die „U-6“ verfing sich in einem Netz und wurde daraufhin von der Crew selbst versenkt, die „U-12“ wurde von einer Mine zerstört und die „U-23“ von einem italienischen Torpedoboot. Das Schicksal der „U-30“ konnte bis heute nicht geklärt werden.

Alle einsatzbereiten U-Boote wurden nach dem Krieg an Italien oder Frankreich ausgeliefert und dort abgewrackt, wobei die „U-30“ bei der Fahrt nach Frankreich sank. Somit ist der im HGM ausgestellte Teil der „U-20“ nicht nur das bedeutendste Relikt der k.u.k Kriegsmarine, sondern auch ein Relikt des einzigen österreichisch-ungarischen U-Bootes, das jemals von einem Torpedo getroffen wurde.

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

 

Ihre Meinung

Meinungen (0)