• Veröffentlichungsdatum: 21.04.2020

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Österreich vertraut dem Bundesheer

Theresa Schobesberger

(Foto: Bundesheer)
(Foto: Bundesheer)

Das Zentrum für Menschenorientierte Führung und Wehrpolitik an der Landesverteidigungsakademie hat das zweite Trend Radar für das Jahr 2020 veröffentlicht. In der ersten Ausgabe wurden vorläufige sozialwissenschaftliche Ergebnisse zur Lage der Bevölkerung präsentiert. Der Fokus der zweiten Ausgabe liegt bei den Einstellungen der österreichischen Bevölkerung zum Bundesheer im Kontext der COVID-19 Krise.

Wie auch die letzte Publikation, entstand das aktuelle Trend Radar in Kooperation mit dem market-Institut für Markt-, Meinungs- und Mediaforschung und basiert auf einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung. Dabei wurden mehr als 1.000 Personen ab 16 Jahren befragt. 

Bedrohungserleben und Akzeptanz der Maßnahmen

Das Trend Radar zeigt eine dynamische Entwicklung des Bedrohungserlebens der österreichischen Bevölkerung. Anfang März fühlte sich etwa ein Viertel der Menschen persönlich sehr oder eher vom Corona-Virus bedroht. Der vorläufige Höhepunkt wurde Ende März erreicht, als eine klare Mehrheit von 62 Prozent der Befragten das Virus als persönliche Bedrohung einstuften. Die Akzeptanz der Maßnahmen war von Anfang an sehr hoch. Bereits zu Beginn der Krise beurteilten etwa drei Viertel der Bevölkerung die Maßnahmen betreffend COVID-19 als gerechtfertigt. Seit Mitte März stagniert dieser Wert sogar bei etwa 85 Prozent.

Es lässt sich ein Zusammenhang von Bedrohungserlebnis und Maßnahmenakzeptanz mit der epidemiologischen Lageentwicklung erkennen. (Grafik: Bundesheer)
Es lässt sich ein Zusammenhang von Bedrohungserlebnis und Maßnahmenakzeptanz mit der epidemiologischen Lageentwicklung erkennen. (Grafik: Bundesheer)

Soziale Situation

Die Zuversicht der Menschen scheint ebenfalls zu steigen. Zu Beginn der Krise gab nur die Hälfte der Befragten (50 bis 55 %) an, dass das Virus sehr gut oder gut unter Kontrolle sei. Seit der Kalenderwoche 15 sind davon drei Viertel überzeugt. Etwa neun von zehn Österreicherinnen und Österreicher kommen gut oder sehr gut mit den Einschränkungen zurecht. Als belastend werden vor allem der mangelnde Kontakt zu Freunden (54 %), parteipolitische Streitereien (41 %) und die fortwährende Medienberichterstattung zu dem Thema Corona (38 %) genannt.

Mehr Vertrauen in das Bundesheer

90 Prozent der Bevölkerung vertrauen dem Bundesheer in der Kalenderwoche 16 grundsätzlich. Im Vergleich zu Befragungsergebnissen aus dem Jahr 2019 lässt sich ein klarer Vertrauenszuwachs zum Österreichischen Bundesheer erkennen. Besonders der Anteil der Personen, die dem Bundesheer voll und ganz vertrauen hat sich in diesem Zeitraum von 21 Prozent auf 43 Prozent verdoppelt. Auch die Mobilisierung der Miliz wird von einer überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung befürwortet (88 %).

Die Anteil an Personen, die dem Bundesheer voll und ganz vertrauen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. (Grafik: Bundesheer)
Die Anteil an Personen, die dem Bundesheer voll und ganz vertrauen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. (Grafik: Bundesheer)
Die Mobilisierung der Miliz wird von fast neun von zehn Befragten grundsätzlich befürwortet. (Grafik: Bundesheer)
Die Mobilisierung der Miliz wird von fast neun von zehn Befragten grundsätzlich befürwortet. (Grafik: Bundesheer)

Das große Vertrauen spiegelt sich auch bei der überwiegenden Befürwortung des Assistenzeinsatzes COVID wider. 88 Prozent geben dabei an, den Einsatz des Bundesheeres zum Schutz von Botschaften und anderen Einrichtungen grundsätzlich zu befürworten. Mehr als die Hälfte befürworten diesen sogar voll und ganz, wobei es relativ große Unterschiede bei der positiven Haltung zwischen Männern (60 %) und Frauen (51 %) zeigen. Die Akzeptanz der Einsätze ist im gesamten Bundesgebiet in etwa gleich hoch. Besonders ausgeprägt ist sie jedoch in Oberösterreich, wo sich 95 Prozent der Befragten für den Einsatz aussprechen. Am geringsten ist die positive Einstellung in Vorarlberg, Salzburg und Tirol mit 84 Prozent.

Präsenz von Soldaten im öffentlichen Raum

Eine Mehrheit von 54 Prozent der österreichischen Bevölkerung empfindet die Präsenz von Soldaten im öffentlichen Raum als sehr oder eher beruhigend während 10 Prozent davon sehr oder eher beunruhigt sind. Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen den Geschlechtern: 60 Prozent der Männer stehen hier 47 Prozent der Frauen, die sich beruhigt fühlen gegenüber. 14 Prozent der Frauen geben an sehr oder eher beunruhigt durch die Präsenz von Soldaten zu sein, wohingegen nur 6 Prozent der Männer so empfinden.

Männer empfinden die Präsenz von Soldaten deutlich beruhigender als Frauen. (Grafik: Bundesheer)
Männer empfinden die Präsenz von Soldaten deutlich beruhigender als Frauen. (Grafik: Bundesheer)
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung zeigt sich sehr oder eher beruhigt von der Präsenz von Soldatinnen und Soldaten im öffentlichen Raum. (Grafik: Bundesheer)
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung zeigt sich sehr oder eher beruhigt von der Präsenz von Soldatinnen und Soldaten im öffentlichen Raum. (Grafik: Bundesheer)

Auf einen Blick

Die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der von der Regierung eingeführten Maßnahmen ist konstant sehr hoch (85 %), obwohl das persönliche Bedrohungsempfinden schwankt (zwischen 24 % und 62 %). Die Zuversicht der Österreicherinnen und Österreicher, dass das Virus unter Kontrolle ist, wird aktuell immer größer (75 % in der KW 15). Auch das Vertrauen in das Bundesheer steigt, besonders im Vergleich zum Vorjahr, stark an (2019: 21 %; 2020: 42 %) und der Einsatz von Soldaten und der Miliz wird klar befürwortet (88 %). Soldaten, die im öffentlichen Raum wahrgenommen werden, wirken auf eine Mehrheit der Bevölkerung als beruhigend, auf Männer dabei deutlicher (60 %) als auf Frauen (47 %).

Die gesamte Publikation kann HIER abgerufen werden.

Theresa Schobesberger, BA ist Redakteurin beim TRUPPENDIENST.

 

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