• Veröffentlichungsdatum: 25.06.2018
  • – Letztes Update: 27.06.2018

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Nationale Akademie der Landstreitkräfte

Michael Barthou

Hauptgebäude der Akademie. (Foto: RedTD/Barthou)
Hauptgebäude der Akademie. (Foto: RedTD/Barthou)

Die Nationale Akademie der Landstreitkräfte Hetman Petro Sahaidatschnyj bildet alle Truppenoffiziere der Landstreitkräfte aus und verfügt mit dem „International Peacekeeping and Security Centre“ über eine ressourcen­reiche Gefechtsausbildungsstätte. TRUPPENDIENST besuchte die ukrainischen Streitkräfte und die Offiziersausbildung in Lemberg und informierte sich vor Ort über Strukturen und das Ausbildungssystem von Offizieren.

Die ukrainische Armee betreibt sieben höhere Bildungseinrichtungen, verteilt über die gesamte Ukraine. An allen werden Offiziere ausgebildet. Eine davon ist die Nationale Akademie der Landstreitkräfte in Lemberg, die für die Heeresanteile zuständig ist. Die höchste militärische Fortbildung auf operativer/strategischer Ebene findet an der Nationalen Verteidigungsuniversität in Kiew statt. Zusätzlich gibt es noch 13 höhere Bildungsstätten, die auf taktischer Ebene Ausbildungen durchführen.

Geschichte der Akademie

Das Wappen der Akademie. (Foto: RedTD/Barthou)
Das Wappen der Akademie. (Foto: RedTD/Barthou)

Die Gebäude der heutigen Nationalen Akademie der Landstreitkräfte in Lemberg (Lviv) gibt es seit fast 120 Jahren. Bereits am 1. Oktober 1899 wurde im Kaiserreich Österreich-Ungarn die k.u.k. Infanteriekadettenschule in Lemberg eröffnet. Sie war dazu bestimmt, den Zöglingen neben der allgemeinen Bildung die theoretischen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die damals der Offizier zur Ausübung seines Berufes und zur weiteren Fortbildung benötigte. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Kadettenschule nach Österreich evakuiert. Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie standen die Gebäude leer, bis 1921 dort das Polnische Kadettenkorps Nr. 1 untergebracht wurde. Von 1939 bis 1941 wurde das Areal unterschiedlich genutzt. Unter deutscher Besatzung war darauf ein Militärspital und ab Ende 1944 bis 1947 ein sowjetisches Spital angesiedelt. 1947 übersiedelte die Militärpolitische Schule in diese Gebäude, die Offiziere für den Dienst im Presse- und Kulturbereich ausbildete. 1962 wurde die Schule in eine Höhere Militärpolitische Schule umgewandelt. Hier fand auch für Offiziere vieler Warschauer-Pakt- und lateinamerikanischer Staaten die militärpolitische Weiterbildung statt. Ab 1992 beherbergte das Areal das Polytechnikum Lemberg, das ein Teil der Militäruniversität Kiew war. Gleichzeitig etablierte sich die Ausbildungsstätte immer mehr als die Einrichtung für die höher qualifizierte Ausbildung in den Landstreitkräften.

Am 18. November 2000 erhielt das Institut für höher qualifizierte Ausbildung der ukrainischen Landstreitkräfte den Beinamen Hetman Petro Sahaidatschnyj. 2005 wurde die Bildungseinrichtung in „Institut Landstreitkräfte in Lemberg“ umbenannt. 2006 startete dort die Offiziers­ausbildung für alle Bereiche der ukrainischen Landstreitkräfte. Am 1. September 2009 wurde das Institut auf den Status einer Nationalen Akademie mit dem Namen Hetman Petro Sahaidatschnyj angehoben. Gleichzeitig fügte man eine Unteroffiziersschule in die Akademiestruktur mit ein.

Gliederung und Personal

An der Spitze der Akademie steht ein 3-Sterne-General. Seit 2002 ist das Generalleutnant Dr. Pavlo Tkatschuk. Dieser ist „Herr“ über 16.000 Personen (darunter Veteranen, Kriegsversehrte, Wiedereingestellte etc.), die in den vier Fakultäten (siehe Grafik) und 21 Instituten, Fachabteilungen und Dienststellen arbeiten beziehungsweise studieren. Für die praktische Ausbildung ist das „International Peacekeeping and Security Centre“ von Bedeutung, wo die Gefechtsausbildungen und Einsatzvorbereitungen durchgeführt werden.

Die Akademie deckt sämtliche Fachrichtungen der Landstreitkräfte ab wie Panzer, Panzergrenadiere, Artillerie, Pioniere, Raketenartillerie, Aufklärung, Ingenieurwesen, unterschiedliche Unterstützungskräfte, Operative Kommunikation etc.

Vom Lehrpersonal selbst haben 223 Personen zumindest einen Doktortitel und 178 verfügen über Kampferfahrung (Tendenz steigend). Die Anzahl an Studenten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Waren es vor 2014 etwa um die 150 Kadetten, die jährlich ausmusterten, werden es 2021 bereits über 850 sein. Diese Anzahl ist notwendig, um den Ergänzungsbedarf der ukrainischen Streitkräfte, vor allem den der Landstreitkräfte, in vollem Umfang sicherzustellen. Trotz des hohen Angebotes kommen etwa zwei Bewerber auf einen Studienplatz.

(Grafik: RedTD/Rizzardi)
(Grafik: RedTD/Rizzardi)

Soziale Situation

Das Laufbahnbild des Offiziers basiert derzeit auf einer lebenslangen Anstellung. Das Pensionsalter beträgt grundsätzlich, wie in Österreich, 65 Jahre, kann aber bei Bedarf überschritten werden. Offiziere haben in der Armee viele Vergünstigungen, die Verpflegung ist grundsätzlich frei. Außerdem können Offiziere mit ihren Familien in den von der Armee zur Verfügung gestellten Wohnungen leben. Ab einer Dienstzeit von mindestens 20 Jahren ist das auf Lebenszeit möglich. Zu bezahlen sind lediglich die Betriebskosten. Das Problem dabei ist, dass durch den starken Zulauf zum Militär diese Wohnungen bereits rar sind. Deshalb wurde ein Bauprogramm für Offizierswohnungen für die kommenden Jahre von der Regierung eingeleitet.

Die Bezahlung der Offiziere aller Dienstgrade liegt über dem durchschnittlichen ukrainischen Monatseinkommen. Das macht diesen Beruf attraktiv. Ein junger Leutnant bekommt im Monat um die 300, ein Oberstleutnant etwa 500 und ein Oberst um 600 Euro, plus entsprechende Zulagen (z. B. Stellen- und Funktionszulage). Bei den Kadetten variiert die Entlohnung je nach Anstellungsverhältnis. Dies kann, je nach Vorbildung und Schulabschluss, vom Wehrpflichtigen über den Zeitsoldaten bis hin zu Quereinsteigern und verdienten ATO-Veteranen unterschiedlich sein. Damit verbunden sind auch die jeweiligen Rechte und Pflichten. Ein junger Maturant, der seinen Wehrdienst direkt mit der Offiziersausbildung verbindet, hat die ersten zwei Jahre wenig Ausgang, lebt auf dem Akademiegelände, hat kaum Sold und viele Aufgaben im Sinne von Diensten (Arbeitsdienste, Dienste vom Tag etc.) zu verrichten. Danach wird er zum Zeitsoldaten und kann, nach Beendigung seines Studiums, als Berufsoffizier übernommen werden. Quereinsteiger beziehungsweise Zeitsoldaten haben von Beginn an eine bessere Bezahlung und wenige bis keine Beschränkungen. Nach Beendigung des Studiums werden auch sie als Berufsoffiziere übernommen.

Der Frauenanteil in der Offiziersausbildung ist überschaubar, steigt aber stetig. Die meisten von ihnen entscheiden sich für eine humanwissenschaftliche Truppenoffiziersausbildung an der Fakultät der Unterstützungskräfte.

Kraftsport kann in großem Stil auf dem Akademiegelände im Freien ausgeübt werden. (Foto: RedTD/Barthou)
Kraftsport kann in großem Stil auf dem Akademiegelände im Freien ausgeübt werden.
(Foto: RedTD/Barthou)
Kadetten absolvieren ihr regelmäßiges Lauftraining in Uniform und mit Waffe auf der Akademielaufbahn. (Foto: RedTD/Barthou)
Kadetten absolvieren ihr regelmäßiges Lauftraining in Uniform und mit Waffe auf der Akademielaufbahn.
(Foto: RedTD/Barthou)

Ausbildung

Das Studium der Kadetten dauert vier bis fünf Jahre, abhängig von der Spezialisierung. Die Ausbildung zum Truppenoffizier dauert vier Jahre und schließt mit dem akademischen Grad „Bachelor der militärischen Verwaltung von Unterabteilungen mechanisierter Kräfte“ sowie dem Dienstgrad Leutnant ab. Eine Beförderung zum Oberleutnant erfolgt nach zwei Jahren. Diejenigen, die ein Jahr länger studieren, erhalten neben der militärischen Ausbildung den Masterabschluss eines zivilen Faches. Hierbei handelt es sich um Pioniere oder Technische Offiziere. Durch das längere Studium werden sie bereits nach einem Jahr vom Leutnant zum Oberleutnant befördert. Um in ein höheres Kommando aufzusteigen (operativ-strategische Ebene), benötigt man auf jeden Fall einen Masterabschluss. Dieser kann auf der Nationalen Verteidigungsakademie in Kiew erworben werden.

Es gibt auch andere Optionen, um Offizier zu werden. Zum Beispiel haben verdiente Unteroffiziere die Möglichkeit, wenn sie zumindest einen Maturaabschluss aufweisen, auf die Unteroffiziersschule zu gehen, um dort nach einer dreimonatigen Ausbildung den Dienstgrad Unterleutnant zu erreichen (ein Jahr Wartefrist zum Leutnant). Die weitere Laufbahn verläuft analog der eines Truppenoffiziers, jedoch grundsätzlich ohne die Möglichkeit, in höhere Kommanden (operativ-strategische Ebene) aufzusteigen. Der Enddienstgrad ist Oberstleutnant, die Beförderung bis dahin erfolgt analog den „studierten“ Truppenoffizieren.

Ein weiterer Weg ist die Reserveoffiziers­ausbildung, wobei auch hier ein Maturaabschluss Voraussetzung ist. Nach der Meldung zur Reserveoffiziersausbildung erfolgt ein Reserveoffiziersgrundkurs (3 bis 4 Wochen). Danach muss zumindest ein Diplom beziehungsweise ein Bache­lortitel an einer Universität/Akademie erworben werden. Während des Studiums ist der Reserveoffiziersanwärter einen Tag in der Woche zur Ausbildung an der Landstreitkräfteakademie verpflichtet.

(Grafik: RedTD/Rizzardi)
(Grafik: RedTD/Rizzardi)

Nach Abschluss des Studiums werden die Offiziersanwärter dann als Unterleutnant ausgemustert. Um den Dienstgrad Leutnant zu erreichen, ist ein Kurs in der Dauer von 44 Tagen mit den wesentlichen Inhalten zur Erlangung des Offiziersdiploms zu absolvieren. Danach ist eine Fixanstellung in den Streitkräften möglich.

Zur Beförderung zum Hauptmann benötigt man einen zweiwöchigen Kurs, der den Offizier auf die Stabsarbeit vorbereitet. Zur Erlangung weiterer Dienstgrade sind Kurse an der Nationalen Verteidigungsakademie zu absolvieren.

Die Lehrinhalte der Truppenoffiziersausbildung (anteilig auch in der technischen Ausbildung) sind in folgende Bereiche gegliedert (siehe untere Grafik):

  • Militärische Ausbildung;
  • Instandhaltung von militärischem Gerät und Munition;
  • Schieß- und Fahrausbildung;
  • Gefecht und allgemeine Situationen;
  • Taktikausbildung;
  • Humanwissenschaftliche Ausbildung;
  • Basisausbildung;
  • Berufspraktikum;
  • Fremdsprachenausbildung;
  • Körperausbildung.
(Grafik: RedTD/Rizzardi)
(Grafik: RedTD/Rizzardi)

Im ersten Ausbildungsjahr wird die Ebene Gruppe trainiert. Im zweiten und dritten Jahr sind die Kadetten als Zugskommandanten eingesetzt, und im vierten und letzten Jahr werden die Ebenen Kompanie und Bataillon gelehrt.

Die verschiedenen Fakultäten verfügen über zahlreiche Simulations- und Ausbildungsanlagen. Sämtliche waffengattungsspezifische Simulatoren bieten den Offiziersanwärtern eine optimale Ausbildungsmöglichkeit, um sich an Fahrzeuge und Gerät zu gewöhnen beziehungsweise Gefechtssituationen simulatorgestützt zu trainieren. Im Schieß- und Fahrtraining-Komplex befinden sich unter anderem Simulatoren von T-64B-Kampfpanzern sowie von BMP-2-Schützenpanzern. In einem weiteren Gebäude wird das Fahren mit dem LKW geübt. In verschiedenen Schießhallen kann an der Pistole und am AK-47-Sturmgewehr ein simulationsgestütztes Schießtraining durchgeführt werden, bei dem auch mit Plastikkugeln geschossen werden kann.

Die taktische Ausbildung erfolgt einerseits theoretisch in den zahlreichen Taktiklehrsälen, die mit PCs und Taktiksimulationsprogrammen ausgestattet sind und andererseits praktisch im International Peacekeeping and Security Centre in Jaworiw, etwa 45 km westlich von Lemberg.

Ein Kadett führt einen Schützenpanzer. (Foto: RedTD/Barthou)
Ein Kadett führt einen Schützenpanzer. (Foto: RedTD/Barthou)
Im Simulationszentrum des IPSC befinden sich Lehrsäle mit PCs und Räumlichkeiten für Stabsübungen. (Foto: RedTD/Barthou)
Im Simulationszentrum des IPSC befinden sich Lehrsäle mit PCs und Räumlichkeiten für Stabsübungen. (Foto: RedTD/Barthou)
Kadetten bei der Stabsarbeit. (Foto: RedTD/Barthou)
Kadetten bei der Stabsarbeit. (Foto: RedTD/Barthou)

International Peacekeeping and Security Centre (IPSC)

Das IPSC ist eine moderne, technisch fortgeschrittene Ausbildungseinrichtung, die die Voraussetzungen für die Durchführung von internationalen militärischen Kooperationen und eine effektive Kampfausbildung der Truppen auf dem neuesten Standard bietet.

Das IPSC ist für

  • die individuelle Ausbildung von Soldaten,
  • die kollektive Kampfausbildung von Einheiten und Verbänden der ukrainischen Streitkräfte, einschließlich von Friedenstruppen,
  • die Durchführung und Unterstützung der internationalen militärischen Zusammenarbeit,
  • internationale, multinationale Übungen und
  • das Training der friedenserhaltenden Kontingente bestimmt.

Das IPSC hat fünf Übungsareale, in denen mit bis zu brigadestarken Kräften trainiert werden kann, fünf Übungskomplexe, zwei Scharfschießkomplexe, einen Peacekeeping-Komplex, ein Panzerfahr- und Fahrzeugübungsgelände und zwei Luftlandezonen. Das IPSC ist dazu in vier Bereiche gegliedert: - Combined Arms Training Centre; - Partnership for Peace-Training Centre; - Support Units; - Combat Training Centre. Das IPSC hat eine Ausdehnung von etwa 360 km2 mit einer maximalen Breite von 20 und einer maximalen Länge von 30 km. Es ist das größte Übungsgelände in der Ukraine und eines der größten in Europa (vgl. Truppenübungsplatz Allentsteig: 157 km2). Auf diesem Übungsgelände, das seit über 120 Jahren als solches genutzt wird, können Gefechtsübungen von mechanisierten Verbänden bis zur Brigadeebene auch im scharfen Schuss durchgeführt werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, in bestimmten Bereichen Bomben von bis zu 500 kg abzuwerfen und ungelenkte Raketen abzufeuern. Alle Arten von Gefechtsfahrzeugen können auf dem Gelände betrieben sowie sämtliche Waffensysteme abgefeuert werden. So sind zum Beispiel während des Tages bis zu zwölf und in der Nacht bis zu acht Artilleriebatterien in der Lage gleichzeitig zu feuern. Im Combat Training Centre finden unter anderem die taktische Gefechtsausbildung am PC sowie das Üben der Stabsarbeit statt.

Befehlsausgabe während einer internationalen Übung des IPSC. (Foto: IPSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)
Befehlsausgabe während einer internationalen Übung des IPSC. (Foto: IPSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)

Seit 1995 wurden 39 internationale­ Übungen mit mehr als 25.000 Soldaten auf dem Areal durchgeführt. In den vergangenen zwei Jahren wurden 32 taktische Gefechtsübungen mit allen Waffengattungen und Typen von Kampffahrzeugen, inklusive Luftunterstützung und Luftlandungen, absolviert. Seit 2002 finden internationale Peacekeeping-Ausbildungen statt. 2007 wurde das IPSC ein Teil des „NATO Partnership Training and Education Centre-Program“. 2011 wurde es organisatorisch der Nationalen Akademie der Landstreitkräfte zugeteilt.

184. Ausbildungszentrum

Hier werden Soldaten mit praktischem und theoretischem Wissen in Theorie und Praxis in verschiedenen militärischen Bereichen ausgebildet. Nach einer dreitägigen Abschlussprüfung über den jeweiligen Aufgabenbereich der Waffengattung des Soldaten, wie über den einer Panzerbesatzung, eines Aufklärers, Artilleriekanoniers, Scharfschützen, Fahrzeugmechanikers etc., werden die fertigen Mannschaftssoldaten in Verbände innerhalb der Ukraine verteilt.

Deutscher Militärberater

2015 hat die Ukraine angefragt, ob Deutschland die Ukraine durch die Abstellung eines Stabsoffiziers an die Akademie der Landstreitkräfte unterstützen könne. Hauptaufgabe dieses Militärberaters sollte es sein, den Prozess der Neugliederung und Umstrukturierung in Richtung NATO und EU zu unterstützen. 2016 wurde dieser Arbeitsplatz fixiert und mit der Suche nach einem geeigneten Offizier in der Deutschen Bundeswehr begonnen. Die Wahl fiel auf Oberstleutnant i.G. Oliver Lotze, der unter anderem Taktiklehrer an der Offiziersschule des Heeres sowie Stellvertretender Bataillonskommandant war und im ersten Quartal 2017 für zwei Jahre nach Lemberg versetzt wurde.

Die Beratertätigkeit im militärischen Bereich ist vergleichbar mit einer im zivilen Umfeld. In diesem Fall sind es die verschiedenen Aufgaben, die eine solche Akademie hat. Dabei gibt es drei Schwergewichte:

  • Transformation: Orientierung an NATO-/EU-Standards und Verbesserung der Interoperabilität;
  • Planung: Ausbildungs-/Übungsplanung, Kooperationen;
  • Ausbildung: Einsatz und Gefecht, „Train the Trainer“, Führungsprozess, Führung von Einheiten, Vorschriftenentwicklung etc.
Am Gelände des IPSC können auch Wat­übungen durchgeführt werden. (Foto: PSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)
Am Gelände des IPSC können auch Wat­übungen durchgeführt werden. (Foto: PSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)
Gefechtsübung mit Verwundetenversorgung am Übungsgelände. (Foto: PSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)
Gefechtsübung mit Verwundetenversorgung am Übungsgelände. (Foto: PSC/Nationale Akademie der Landstreitkräfte)
Kadetten treten an und marschieren zu den einzelnen Ausbildungsstätten. (Foto: RedTD/Barthou)
Kadetten treten an und marschieren zu den einzelnen Ausbildungsstätten. (Foto: RedTD/Barthou)

Oberstleutnant Lotze erklärt und zeigt den Ukrainern, wie das in Deutschland gemacht wird und gewisse Herausforderungen bewältigt werden. Immer aber am Beispiel, wie die Deutschen das machen würden, aber nicht, dass das der beste Weg sei, so Lotze. Das größte Projekt, das der deutsche Militärberater in der jüngsten Vergangenheit verwirklicht hat, war die Anpassung der taktischen Zeichen an NATO-­Standards, die von den ukrainischen Streitkräften bis dato noch nicht genutzt wurden. In einem zweimonatigen Prozess mit unterschiedlichen Seminaren und Veranstaltungen wurden den Ausbildern und Kadetten nach und nach der Aufbau und die Prinzipien von NATO-Symbolen vermittelt. Die Ausbildung der Ausbilder hat Lotze in diesem Sinne weiter beraten und erklärt, wo hier die Feinheiten seien, die natürlich erst dann aufträten, wenn man ins Detail gehe. Dennoch gibt es als Militärberater in einer post-sowjetisch geprägten Armee Unterschiede zu „westlichen“ Streitkräften. So sei unter anderem im Bereich der Unteroffiziere das Delegieren von Verantwortung grundsätzlich weniger stark ausgeprägt, so Oberstleutnant Lotze. Darum ist eine weitere essenzielle Aufgabe des Militärberaters, den Fähigkeitsbereich der Unteroffiziere auszubauen.

Das Resümee des Deutschen fällt nach einem Jahr an der Akademie der Landstreitkräfte äußerst positiv aus: „Die Ukrainer setzen Dinge um, die man ihnen erklärt. Nicht unbedingt 1 zu 1 im Sinne von, dass wir das besser können, sondern wirklich in einem Prozess der Anpassung, der Diskussion und dem gegenseitigen Kennenlernen und Lernen voneinander.“

Resümee

Das ukrainische Offiziersausbildungssystem hat verschiedene, vier bis fünf Jahre dauernde, Ausbildungen, die bereits die jeweilige Waffengattung beinhalten und bei der eine militärische Basisausbildung nach der Ausmusterung hinfällig ist. Das Kaderpersonal besteht grundsätzlich aus aktiven Berufssoldaten, ehemaligen oder pensionierten Militärs und Zivilisten. Die Anzahl an Ausbildern an der Akademie ist begrenzt, und das bei stark steigender Auslastung. Zurzeit sind nur 80 Prozent der Stellen befüllt.

Obwohl es noch einige ältere Kaderangehörige gibt, die stark vom Sowjetsystem geprägt sind und Schwierigkeiten haben, „moderne“ Ausbildungsmethoden und Inhalte zu vermitteln, ist dennoch der Weg Richtung westlichen Standards und Methoden nicht mehr aufzuhalten. Dabei ist vor allem das Heranführen an Denkweisen und Konzepte wie Führen mit Auftrag, Verantwortung, Initiative, Handeln im Sinne der übergeordneten Führung etc. wesentlich. Hier sind die Anstrengungen und der Wille in der Nationalen Akademie der Landstreitkräfte besonders hoch, weshalb sie sich mit anderen „westlichen“ Offiziersausbildungsstätten ohne Einschränkungen messen kann.

Oberrat Major Mag.(FH) Michael Barthou, MA ist Leiter der Redaktion Online-Medien beim TRUPPENDIENST.

Beim Vorbeimarschieren wird gegenüber ranghöheren Offizieren nicht nur salutiert, sondern auch kurz in den Paradeschritt übergegangen. (Foto: RedTD/Barthou)
Beim Vorbeimarschieren wird gegenüber ranghöheren Offizieren nicht nur salutiert, sondern auch kurz in den Paradeschritt übergegangen. (Foto: RedTD/Barthou)
 

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