• Veröffentlichungsdatum: 20.02.2020
  • – Letztes Update: 05.03.2020

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Militärexperte beim ÖBH

Theresa Schobesberger

(Foto: Theresianische Militärakademie)
(Foto: Theresianische Militärakademie)

Das Österreichische Bundesheer ist bemüht, seine fachliche Expertise weiter auszubauen. Aus diesem Grund werden laufend Experten für die verschiedensten Fachbereiche gesucht, um das Bundesheer im In- und Ausland zu unterstützen. Sie arbeiten in Kommanden, Dienststellen und anderen Organisations-Elementen in ganz Österreich.

In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Was macht ein Militärexperte? Wer kann Militärexperte werden? Wie kann man den „Expertenstatus“ erreichen? Und warum sollte man das überhaupt machen?

Was macht ein Militärexperte?

Militärexperten versehen, entsprechend ihrer zivilen und/oder militärischen Vorbildung, Dienst in den Expertenstäben unterschiedlicher Führungsebenen. Sie können eine militärische Ausbildung (militärische Höherqualifizierung) aufgrund ihrer freiwilligen Entscheidung zur Erreichung von militärischen Dienstgraden absolvieren. Die Verwendung in einem Expertenstab erfolgt je nach ziviler und/oder militärischer Qualifikation auf Expertenarbeitsplätzen als Offizier 1 (Voraussetzung ist ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule und die damit verbundene akademische Expertise), Offizier 2 (Voraussetzung ist die Matura und eine entsprechende Fachexpertise) oder Unteroffizier. Eine höhere Einstufung kann durch freiwillige militärische Höherqualifizierungen erreicht werden.

Derzeit werden ca. 550 Expertenposten für 102 Bereiche und 23 Sprachen angeboten. Diese umfassen vom Alpinwesen, über Ethnologie, Ernährungswissenschaften oder Pharmazie bis hin zu Wildbach- und Lawinenverbauung oder Zollwesen eine Vielzahl von Themengebieten.

Verwendungsabzeichen für den Ausgangsanzug. (Grafik: Bundesheer)
Verwendungsabzeichen für den Ausgangsanzug. (Grafik: Bundesheer)

Wer kann Militärexperte werden?

Prinzipiell kann jeder Wehrpflichtige des Milizstandes und jede Frau in Milizverwendung eine Laufbahn als Militärexperte anstreben. Voraussetzung ist, dass er oder sie die entsprechende zivile und/oder militärische Qualifikation und eine mehrjährige (bestenfalls zumindest zehnjährige) Berufserfahrung im zivilen Spezialgebiet mitbringt.

Wie wird man Militärexperte?

Für Militärexperten ohne Offiziersdienstgrad gilt als Voraussetzung für die Zuerkennung der Funktionsbezeichnung „Experte“ der erfolgreiche Abschluss der Militärexperten-Basisausbildung. Diese dauert vier Wochen und wird an der Militärakademie durchgeführt. Sie umfasst folgende Inhalte:

  • Wehrrechtliche Grundlagen,
  • das militärstrategische Konzept des Bundesheeres und die aktuelle Heeresgliederung,
  • das Führungssystem des Bundesheeres, soweit es für die Stabsarbeit eines Kommandos der mittleren oder oberen Führung erforderlich ist,
  • Grundschulung im Führungsverhalten,
  • Handhabung von Waffe, Kampfmittel und Ausrüstung zum Selbst- und Kameradenschutz bzw. zur Erhaltung der eigenen Kampfkraft.

Warum sollte man Militärexperte werden?

Die Arbeit als Militärexperte in der Miliz ist eine abwechslungsreiche Tätigkeit, in der man seine persönlichen Stärken einbringen kann. Bei Bedarf können Waffenübungstage im entsprechenden Expertenbereich geleistet werden. Zusätzlich erhält man die Möglichkeit Wissen mit anderen Experten auszutauschen und dadurch die berufliche Qualifikation zu vertiefen. Davon profitieren nicht nur die Experten selbst, sondern auch die zivilen Arbeitgeber.

Um das Einbringen der Fachkenntnisse und des Spezialwissens zu belohnen bietet das ÖBH einige Anreize:

  • Milizprämie für alle Milizübungen,
  • Erfolgsprämie für den positiven Abschluss der vorbereitenden Milizausbildung,
  • Anerkennungsprämie und Sachprämie,
  • Überweisung der Geldleistungen mit Valuta zum ersten Übungstag,
  • ÖSTERREICHCARD Bundesheer zur kostenlosen Fahrtberechtigung bei der ÖBB für Präsenzdienstleistungen und freiwilligen Miliztätigkeiten,
  • Möglichkeit der Nutzung von Gästezimmern der Wohnheime und Seminarzentren für Milizsoldaten und deren Angehörige,
  • Vergünstigter Preis für Gästezimmer in bestimmten Erholungseinrichtungen der „Vereinigten Altösterreichischen Militärstiftung“,
  • Basisführungsausbildung, die auch im zivilen Leben nutzbar ist,
  • Finanzielles Anreizsystem bei einer Freiwilligenmeldung zu Milizübungen, bei in kurzer Zeit erfolgreich beendeter Ausbildung zum Offizier bzw. bei einer Freiwilligenmeldung für weitere Übungstage.

Aufstiegschancen

Das Verwendungsabzeichen für Militärexperten wird am Dienstanzug als Aufschiebeschlaufe über dem Dienstgrad getragen. (Foto: Theresianische Militärakademie)
Das Verwendungsabzeichen für Militärexperten wird am Dienstanzug als Aufschiebeschlaufe über dem Dienstgrad getragen. (Foto: Theresianische Militärakademie)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich innerhalb der Expertenstäbe in den jeweiligen Fachbereichen weiterzubilden:

Militärexperten, die die Ausbildung zum Offizier des Truppendienstes abgeschlossen aber keine akademische Vorbildung haben, können sich in der Miliz weiterbilden und dadurch höhere Dienstgrade erreichen und auf höherwertigen Arbeitsplätzen verwendet werden.

Gleiches gilt für Militärexperten die zum Unteroffizier ausgebildet sind und keine akademische Vorbildung haben. Zusätzlich können diese die Nachhollaufbahn zum Offizier des Truppendienstes absolvieren und so Offizier 2 werden.

Militärexperten, die einen Grundwehrdienst oder einen Ausbildungsdienst geleistet haben, jedoch keine akademische Vorbildung aufweisen, können entweder die Nachhollaufbahn zum Unteroffizier oder Offizier des Truppendienstes absolvieren und so ebenfalls in die jeweils höhere Verwendungsgruppe aufsteigen.

Wenn ein Militärexperte den Grundwehr- bzw. Ausbildungsdienst geleistet und ein Hochschulstudium abgeschlossen hat, besteht die Möglichkeit einen Ausbildungsgang für die Überstellung in die Fachrichtung „Expertendienst“ und somit in die Verwendungsgruppe Offizier 1. Mit dieser Überstellung erfolgt auch die Beförderung zum „Oberleutnantexperte“.

Das Verwendungsabzeichen

Militärexperten beim ÖBH tragen als eigenes Abzeichen eine stilisierte Pyramide in Gold. Diese wurde im Zuge einer Online-Abstimmung unter mehreren Entwürfen ausgewählt. Das Abzeichen soll die Militärexperten als solche kennzeichnen, den Zugehörigkeitsgedanken stärken und zusätzlich motivieren.

Je nach Anzugsordnung werden die Verwendungsabzeichen zusätzlich zum Dienstgradabzeichen als Aufschiebeschlaufe über dem Dienstgrad, als Verwendungsabzeichen für den Ausgangs- bzw. Gesellschaftsanzug oder als Anstecknadel für Zivilbekleidung getragen. Erhältlich sind die Abzeichen über die jeweiligen mobverantwortlichen Kommanden.

Das Tragen der Abzeichen wird wie folgt geregelt:

  • trageberechtigt sind alle Militärexperten,
  • Verwendungsabzeichen dürfen bei jeder Dienstverrichtung in Uniform getragen werden,
  • die Anstecknadel darf von Zivilbediensteten des Verteidigungsministeriums mit Expertenstatus und von Uniformtrageberechtigten des Präsenz- und Milizstandes mit Expertenstatus an ihrer zivilen Bekleidung getragen werden.
Das Verwendungsabzeichen für den Dienstanzug. (Grafik: Bundesheer)
Das Verwendungsabzeichen für den Dienstanzug. (Grafik: Bundesheer)
Verwendungsabzeichen für den Ausgangsanzug. (Grafik: Bundesheer)
Verwendungsabzeichen für den Ausgangsanzug. (Grafik: Bundesheer)
Die Anstecknadel für die Zivilbekleidung. (Grafik: Bundesheer)
Die Anstecknadel für die Zivilbekleidung. (Grafik: Bundesheer)

Weiterführende Informationen

Genauere Informationen zu den Voraussetzungen und der Auswahl der Militärexperten können auf der Website des Bundesheeres abgerufen werden. Dort gibt es auch ein Anmeldeformular für die Bewerbung zum Militärexperten. Weitere Infos über den Aufbau der Ausbildung zum Militärexperten sind auf der Website der Theresianischen Militärakademie bzw. HIER zu finden.

Theresa Schobesberger, BA ist Redakteurin beim TRUPPENDIENST.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Jochen Elias // 22.02.2020, 16:03 Uhr Korrektur: Experten mit Grundwehr- und Ausbildungsdienst und Hochschulstudium können die Laufbahn zum Offizier des Expertendienstes einschlagen. Nach absolvierter Ausbildung werden sie zum "Oberleutnant des Expertendienstes" ernannt (und nicht zum Oberstleutnant!).