• Veröffentlichungsdatum: 18.10.2019
  • – Letztes Update: 17.10.2019

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Lehrkräftequalifizierung - Neues Modell der Lehrerausbildung im ÖBH

Andreas Kastberger

(Montage: Rizzardi)
(Montage: Rizzardi)

Der im Jahr 2017 gegründete Wirkungsverbund der Militärhochschule (MHS), bestehend aus den drei Akademien des Bundesheeres, arbeitet innerhalb konkreter Wirkungsfelder in Form von Synergieprodukten zusammen. Ein derartiges Produkt bildet die Initiative „Lehrkräftequalifizierung“, die innerhalb des Wirkungsverbundes federführend der Heeresunteroffiziersakademie (HUAk) zugeordnet worden ist. Es basiert auf der gemeinsamen Position der MHS zum Thema Aneignungsdidaktik, vorgestellt im ersten Teil der vorliegenden Artikelserie im Heft 2/19. Das neue Modell soll zudem bisherige Formen der pädagogischen Schulung von Lehrern im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Landesverteidigung (BMLV), so vor allem die „Ausbildung der Lehrer“ (AdL), ersetzen.

Die AdL bildete fast ein Vierteljahrhundert lang die Basis für eine qualifizierte Weiterbildung des Lehrpersonals im Bundesheer und kam vor allem im Bereich der Akademien und Schulen, aber auch bei anderen Bedarfsträgern, zum Einsatz. Der Lehrgang wurde zunächst als „Ausbildung der Ausbilder“ (AdA) Mitte der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts anlässlich des Beginnes einer zentral organisierten Ausbildung von Unteroffizieren an der HUAk ins Leben gerufen und blieb in der adaptierten Form als AdL bis zum Jahr 2017 bestehen.

Die bisherige „Ausbildung der Lehrer“ (AdL) an der HUAk

Charakteristisch für den bisherigen Ansatz war eine strikte Trennung zwischen dem Ausbildungspersonal bei der Truppe und dem Lehrpersonal im Schulbereich, die aus Sicht einer zeitgemäßen Erwachsenenbildung schon länger nicht mehr haltbar war. Der Fokus der AdL auf praktisch nur einen Teil des Lehrpersonals war mehr als nur ein Schönheitsfehler, da vor allem Offiziere im Lehrbetrieb insgesamt zu wenig von diesem Angebot profitieren konnten.

Ein geschlossenes Angebot für Lehrkräfte von Einstiegsfunktionen bis hin zu Hauptlehrunteroffizieren an den Akademien und Schulen erforderte einen zeitlichen Ansatz von insgesamt zehn Wochen, der in zwei Modulen inklusive eines Workshops zur Erstellung einer Fachbereichsarbeit während eines Kalenderjahres zu absolvieren war. Die lange Lehrgangsdauer führte zu vermehrter Kritik seitens der Bedarfsträger und zu einem über die Jahre immer stärker werdenden Rückgang von Anmeldungen zu dieser Weiterbildung.

(Grafik: HUAk)
(Grafik: HUAk)

Die Idee der neuen Lehrkräftequalifizierung

Das neue Modell soll bis spätestens 2020 umgesetzt sein. Es integriert alle „Lehrkräfte“ des Bundesheeres auf Basis einer Neuinterpretation des Begriffes, der jetzt alle Lehrer und Ausbilder – vom Gruppenkommandanten in der Ausbildung bei der Truppe bis hin zu Hochschuldidaktikern an den Offiziersakademien – zusammenfassen soll.

Die Präsenzzeiten für die Weiterbildung besonders qualifizierter Lehrkräfte an den Bildungseinrichtungen, vorrangig der Lehroffiziere bzw. Lehrunteroffiziere oder der Hauptlehroffiziere bzw. Hauptlehrunteroffiziere, werden in Summe deutlich verkürzt, wobei gleichzeitig die Qualität des Angebotes bedarfsorientiert ausgerichtet und damit angehoben wird. Die neue Lehrkräftequalifizierung wird innerhalb des Wirkungsverbundes der MHS als klassisches Synergieprodukt interpretiert. Warum dies so ist, soll nun das nachfolgende Modell zeigen:

Das Modell der fünf Qualifizierungsstufen im Detail

Lehrkräfte des Bundesheeres sollen künftig auf fünf Ebenen definiert und qualifiziert werden.

Auf Ebene 1 werden Kaderanwärter wie bisher zu Ausbildern auf der Gruppenebene geschult. Der Fokus liegt im Bereich der Ausbildungsmethodik. Auf Ebene 2 werden künftige Zugskommandanten in der Ausbildung sowie Berufsoffiziere oder Stabsunteroffiziere in ihrer Erstverwendung auf ihre Aufgabe im Bereich der Ausbildungsplanung vorbereitet. Diese Funktion ist im Schnittbereich zwischen Methodik und Didaktik angesiedelt (siehe Artikel 1 dieser Serie). Für die Ebene 3 sind Lehroffiziere oder Lehrunteroffiziere an den Akademien und Schulen als Referenzfunktionen definiert. Die Weiterbildung für diese Personengruppe konzentriert sich auf Aspekte der Aneignungsdidaktik und deren Umsetzung. Die Ebene 4 bilden künftige Hauptlehroffiziere oder Hauptlehrunteroffiziere bzw. damit vergleichbare Funktionen. Bei deren Weiterbildung liegt der Schwerpunkt auf einer Vorbereitung für Grundlagenarbeiten im Spektrum der jeweiligen Lehre im Fachgebiet. Auf der Ebene 5 sind Weiterbildungsangebote für Hochschullehrer vorgesehen, die im Anlassfall auch als Fortbildung für Lehrkräfte der Ebene 4 dienen können.

Das neue Modell gilt als klassisches Beispiel für ein Synergieprodukt des Wirkungsverbundes der MHS, da nicht nur eine standardmäßige Projektzusammenarbeit bei der Entwicklung erforderlich war, sondern darüber hinaus auch die Umsetzungsverantwortung auf die drei Akademien aufgeteilt ist. Ausbildungsführend sind die Akademien jeweils für jene Abschnitte, die dem jeweiligen Grundauftrag am besten entsprechen, also die Theresianische Militärakademie (TherMilAk) und die HUAk für die Ebenen 1 und 2, die HUAk für die Ebene 3, die TherMilAk für die Ebene 4 und die Landesverteidigungsakademie (LVAk) für die Ebene 5.

Die Projektleitung für die neue Lehrkräftequalifizierung lag bei der Heeresunteroffiziersakademie in Enns. (Foto: HUAk)
Die Projektleitung für die neue Lehrkräftequalifizierung lag bei der Heeresunteroffiziersakademie in Enns. (Foto: HUAk)
Logo der Militärhochschule. (Grafik: Bundesheer)
Logo der Militärhochschule. (Grafik: Bundesheer)
Im Unterschied zu bisherigen Modellen gehören Gruppen- und Zugskommandanten im Ausbildungsbetrieb nun definitionsgemäß den Lehrkräften des Bundesheeres an. (Foto: HUAk)
Im Unterschied zu bisherigen Modellen gehören Gruppen- und Zugskommandanten im Ausbildungsbetrieb nun definitionsgemäß den Lehrkräften des Bundesheeres an. (Foto: HUAk)

Abschließende Ergänzungen

Wie der Titel dieses Beitrages­ bereits vermuten lässt, soll die Lehr­kräftequalifizie­rung in der neuen Form die authentische Umsetzung einer Aneignungsdidaktik in der Aus-, Fort- oder Weiterbildung der Lehrkräfte sicherstellen. Denn diese tragen in weiterer Folge die Hauptverantwortung für die Umsetzung einer zeitgemäßen Didaktik zur permanenten und konsequenten Erhöhung der Aneignungskompetenz bei Lernenden.

Das Qualifizierungsangebot soll militärischen und zivilen Lehrkräften gleichermaßen unterbreitet werden. Ebene 1 und 2 werden in die Curricula für die Grundausbildung von Offizieren und Unteroffizieren gespiegelt. Redundanzen, das heißt eine Wiederholung bereits in der Vergangenheit gelernter Inhalte, sollen weitgehend vermieden werden. Bereits absolvierte, vergleichbare Qualifizierungsmaßnahmen wie die AdL sollen anhand transparenter Kriterien angerechnet werden. Die Einbeziehung von Expertisen aus der zivilen Bildungslandschaft ist grundsätzlich ab der Ebene 2 vorgesehen.

Oberst dhmfD Mag. Andreas Kastberger ist Angehöriger der Heeresunteroffiziersakademie und Leiter des Wirkungsfeldes „Methodik und Didaktik“ im Wirkungsverbund der Militärhochschule.

 

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