• Veröffentlichungsdatum: 23.07.2020
  • – Letztes Update: 30.07.2020

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Vorsorge beim Ausfall der Infrastruktur

Herbert Saurugg

(Fotos: Fre Sonneveld & Yoav Aziz | Montage: Schobesberger)
(Fotos: Fre Sonneveld & Yoav Aziz | Montage: Schobesberger)

Im Jänner 2020 stellte das Österreichische Bundesheer in seiner sicherheitspolitischen Jahresvorschau fest, dass binnen der nächsten fünf Jahre mit einem europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall („Blackout“) zu rechnen ist. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Pandemie wurde als deutlich geringer beurteilt. Wie rasch sich die Dinge ändern können, haben die vergangenen Monate gezeigt.

Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines europaweiten Strom- und Infrastrukturausfalls („Blackout“) ist mit dem durch COVID-19 verursachten Lockdown und dem daraus resultierenden Wirtschaftseinbruch weiter gestiegen. Das Thema Personalsicherheit und -verfügbarkeit wurde durch die Energiewirtschaft umfassend abgedeckt. Viel gravierender ist jedoch, dass durch die gesunkene Stromnachfrage die Systemstabilität gefährdet ist, da systemkritische Kraftwerkselemente („Momentanreserve“) aus dem Markt gedrängt werden. Hinzu kommt, dass sich mit den gesunkenen Strompreisen Investitionen in die Infrastruktur immer schwerer rechtfertigen lassen. Besonders der Bau von Speichersystemen, die für die Energiewende unverzichtbar sind, wird sich weiter verzögern, sollten diese nicht Teil der Konjunkturpakete sein.

Die massive Trockenheit in den vergangenen Monaten führt zudem dazu, dass viele Wasserkraftwerke Strom nicht in vollem Umfang produzieren können. Sollten die Niederschlagsmengen in Europa gering bleiben, ist zu befürchten, dass auch thermische Kraftwerke bald ein Kühlproblem bekommen. Diese Beispiele zeigen, dass die Herausforderungen im europäischen Stromversorgungssystem weiterhin steigen und Vorsorgemaßnahmen getroffen werden sollten.

Leere Regale und Lieferengpässe wurden während der COVID-19-Krise zur Realität. (Foto: RedTD)
Leere Regale und Lieferengpässe wurden während der COVID-19-Krise zur Realität. (Foto: RedTD)

Verwundbare Versorgungsketten

Wie schnell Versorgungsketten an die Grenzen geraten können, hat die COVID-19-Krise verdeutlicht. Leere Regale und Lieferengpässe bei Lebensmitteln waren für viele Menschen bis dahin unvorstellbar, jedoch plötzlich Realität geworden. Das ist geschehen, obwohl die Versorgungsketten funktioniert haben – wenngleich die erhöhte Nachfrage nach einigen Gütern nicht immer rasch genug gedeckt werden konnte. Eindrucksvoll zeigt sich das am Beispiel der Verfügbarkeit von Germ. Grundsätzlich konnte genug produziert werden, jedoch wird dieser zum Verpacken von Wien nach Deutschland geschickt, wo es einen Flaschenhals beim Verpacken gab. Die Folge: Ein Engpass an Haushaltsgerm in den Geschäften. Dieser Mangel ist ein Resultat der hoch optimierten Just-in-Time-Logistik. Diese hat aus Kostengründen kaum Puffer, was sich etwa im Bereich der medizinischen Schutzausrüstung zeigte, die zeitweise schwer oder nur zu erhöhten Preisen erhältlich war.

Fehlende Vorkehrungen

Während es bei einer Pandemie eine klare Bundeskompetenz und Vorgaben gibt, fehlen derartige Vorkehrungen beim Szenario Blackout. Die Blackout-Vorsorge liegt im Kompetenzbereich der Bundesländer und wird dadurch unterschiedlich geregelt. Durch die Risikobewertung des Bundesministeriums für Landesverteidigung ergeben sich jedoch weitreichende Konsequenzen für die Gemeinden: Diese sind gemäß dem jeweiligen Landeskatastrophenschutzgesetz für die kommunale Krisenvorsorge und -bewältigung verantwortlich. Eine übergeordnete Koordinierung durch andere Verwaltungsebenen ist beim Blackout aufgrund der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten und fehlenden Ressourcen kaum möglich. Alles das nicht bereits jetzt vorbereitet wird, wird dann nicht zur Verfügung stehen.

Während eine Pandemie eine schleichende Krise darstellt, die noch relativ koordiniert organisiert werden kann, bedeutet ein Blackout den abrupten Zusammenbruch der Versorgung und somit der Gesellschaft. Davon sind die Bevölkerung und die Gemeinden sofort und unmittelbar betroffen. Eine Hilfe von außen ist in einem solchen Szenario kaum möglich.

Die Miliz wurde während der Coronakrise erstmals aufgeboten. (Foto: ÖBH/Nick Rainer)
Die Miliz wurde während der Coronakrise erstmals aufgeboten. (Foto: ÖBH/Nick Rainer)

Mobilisierung der Miliz

Zum ersten Mal in der Geschichte des Bundesheeres wurden bei der Coronakrise Milizkräfte für die Krisenbewältigung aufgeboten. Anders wären die vielschichtigen Einsatz- und Hilfsaufgaben des Österreichischen Bundesheeres bei der Bewältigung der COVID-19-Krise kaum aufrechtzuerhalten gewesen. Dennoch war hierzu ein mehrwöchiger Vorlauf erforderlich. Ein Zeitvorlauf, der bei einem Blackout nicht zur Verfügung stehen wird.

Nichtsdestotrotz können Angehörige der Miliz bereits jetzt und auch während der Krise zu einer besseren Bewältigung derselben beitragen. Aufgrund ihrer Doppelrolle sind sie in viele Bereichen eingebunden: in Einsatzorganisationen, Gemeinden und Unternehmen. Durch ihre Ausbildung und ihr sicherheitsbewusstes Verhalten können sie auch in ihrem Umfeld zur Bewusstseinsbildung und einer besseren Vorsorge beitragen. Gerade in den Gemeinden fehlt es häufig an qualifiziertem Personal, mit Ausnahme der Feuerwehren, die aber bereits mit ihren Standardaufgaben ausgelastet sein werden. So wie die Miliz in der Raumverteidigung in ihrem eigenen Umfeld eingebunden war, sollte sie das auch unter den heutigen Rahmenbedingungen, jedoch mit einem anderen Auftrag sein. Das Ziel, Schutz und Hilfe für die Bevölkerung zu leisten, bleibt aber gleich.

Aktive Einbindung der Bevölkerung

Die Bewältigung eines solchen Ereignisses kann nur funktionieren, wenn die Bevölkerung aktiv in die Vorsorge eingebunden wird. Hilfe von außen ist für eine große Masse an Menschen nicht möglich. Eine wirksame Eigenvorsorge erfordert jedoch eine entsprechende Risikokommunikation und das Bewusstsein hinsichtlich der Notwendigkeit einer Bevorratung in den eigenen vier Wänden.

Diese Chance wurde in den vergangenen Monaten nicht genutzt – Ganz im Gegenteil. Corona-bedingte „Hamsterkäufe“ wurden als unnötig und falsch dargestellt. Jedoch handelte es sich dabei um eine normale Reaktion von Menschen, die bisher nicht vorgesorgt hatte und aus Sorge überreagierten. Wenn man sich bereits in einer Krise befindet, kommt es zum „Tunnelblick“ und zu einem – von außen betrachtet – irrationalen Verhalten bzw. Überreaktionen. Dem kann nur durch eine durchdachte Vorsorge begegnet werden. Daher ist es gerade heute wichtig, die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Eigenvorsorge zu kommunizieren. Schließlich ist zu erwarten, dass nun mehr Menschen aufgrund der jüngsten Eindrücke bereit sind, sich mit dem Thema Eigenvorsorge zu beschäftigen.

Eigenvorsorge ist die wesentliche Voraussetzung, damit auch organisatorische Maßnahmen greifen können. Denn selbst das Personal der Einsatzorganisationen oder Kommunen ist häufig nicht wesentlich besser vorbereitet als der Rest der Gesellschaft. So rechnet etwa ein Drittel der Bevölkerung damit, sich im Falle eines Blackouts spätestens am vierten Tag nicht mehr ausreichend selbst versorgen zu können. Nach einer Woche betrifft das bereits zwei Drittel. Wenn sich die Menschen aber zu Hause in der Krise befinden, weil sie nicht mehr ausreichend Nahrung zur Verfügung haben oder die Wasserversorgung ausfällt, werden sie kaum noch imstande sein in ihre Organisation oder Arbeitsstelle zu gelangen, um dort wichtige Aufgaben für die Gesellschaft zu übernehmen. Ein Teufelskreis beginnt.

Vorbildwirkung

Im militärischen Bereich gibt es einige Überlegungen, um die Autarkie von Kasernen zu erhöhen. Aber auch hier sollte die Eigenvorsorge in den Familien der erste Schritt sein. In einigen Befehlsbereichen wurden hierzu bereits Initiativen gestartet. Zusätzlich können Kasernenkommandanten Eigeninitiative zeigen, da es bei der Blackout-Vorsorge viele externe Abhängigkeiten gibt. Gemeinsame Besprechungen mit der jeweiligen Gemeindeverwaltung und den Infrastrukturbetreibern können weitere Überlegungen anstoßen.

Wenn die Gemeindeverwaltung zeigt, dass sie dieses Thema ernst nimmt und eine entsprechende Kommunikation ermöglicht, werden sich mehr und mehr Menschen über dieses Thema Gedanken machen. Ein positives Beispiel ist die südoststeirische Stadtgemeinde Feldbach, die in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen getätigt hat und deren Bevölkerung aktiv eingebunden wurde. (Mehr Informationen dazu auf der Website der Stadtgemeinde Feldbach)

Forschungsprojekt Energiezelle F

Bei Sicherheitsforschungsprojektes Energiezelle F - Regionales Energiezellen- und Krisenvorsorgekonzept am Beispielszenario „Blackout“ wurden zahlreiche Workshops und Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung mit unterschiedlichen Stakeholder-Gruppen durchgeführt. Daneben gab es begleitende Informationen in der Gemeindezeitung und eigene Broschüren, die an alle Haushalte verteilt wurden. Zusätzlich wurde die städtische Infrastruktur durch etwa 43 Pumpstationen im Wasser- und Abwasserbereich gehärtet und 13 dezentrale Anlaufstellen („Selbsthilfe-Basen“) vorbereitet. Mit den Lehrpersonen wurde eine Fortbildung durchgeführt und ein Informationsblatt an alle Schülerinnen und Schüler verteilt. Auch die Unternehmen und der Gesundheitssektor wurden in die Krisenvorsorgemaßnahmen eingebunden.

Arbeitsmappe für Gemeinden

Seit Herbst 2019 steht allen steirischen Gemeinden die vom Zivilschutzverband Steiermark herausgegebene „Blackout Arbeitsmappe für Gemeinden“ zur Verfügung. Mit dieser kann in einer angeleiteten Form eine ganzheitliche Blackout-Vorsorge organisiert und durchgeführt werden.

Diese Vorsorgemaßnahmen haben sich bereits bei der Bewältigung der COVID-19-Krise bewährt. Die vorbereiteten dezentralen Anlaufstellen (Selbsthilfe-Basen) wurden darauf vorbereitet, einen allfälligen Pflegenotstand vor Ort bewältigen zu können. Darüber hinaus hat sich während der Corona-Krise gezeigt, dass sich die Bevölkerung wider oftmals geäußerten Befürchtungen kooperativ und solidarisch verhalten hat. Grundsätzlich gilt, je besser die Vorbereitung, desto länger kann ein positives Verhalten erwartet werden. Das ist das wesentliche Ziel jeglicher Vorsorgemaßnahmen: Den Zeitpunkt, an dem der soziale Zusammenhalt kippt, so lange wie möglich hinauszuzögern.

Drei Phasen eines Blackouts

Drei Phasen definieren ein Blackout:

  1. Stromausfall,
  2. Ausfall der Telekommunikation,
  3. Wiederhochfahren der Infrastrukturen und Wiederherstellung der Versorgung.

Es gibt immer mehr Gemeinden, die das Thema Blackout-Vorsorge ernst nehmen. Dabei reichen jedoch einzelne organisatorische Maßnahmen nicht aus. Zudem erfolgt in vielen Organisationen nur eine Auseinandersetzung mit der ersten Phase eines Blackouts – also der Zeit des Stromausfalls – was aber deutlich zu kurz greift. Man kann davon ausgehen, dass ein breiter Wiederanlauf der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern nicht vor der zweiten Woche eines Blackouts stattfinden wird. Daher muss ein mindestens zweiwöchiger Notbetrieb (Phase 2 und Beginn der Phase 3) möglich sein. Damit dies gelingen kann, muss von Beginn an entsprechend geplant und gehandelt werden, ansonsten werden die Ressourcen nach wenigen Tagen zu Ende gehen und das Krisenmanagement nicht mehr funktionieren. Hier schließt sich der Kreis zur persönlichen Vorsorge. Denn nur Personal, das ausreichend selbst vorgesorgt hat, wird auch für den Wiederanlauf zur Verfügung stehen.

(Grafik: Autor)
(Grafik: Autor)

Zum anderen lässt sich für die militärischen Planungen ableiten, dass ein Einsatz des Bundesheeres erst in der Phase 2 oder 3 einsetzen oder notwendig werden wird. Das heißt, wenn Teile der Infrastruktur wieder funktionieren, die Versorgungslage aber prekär ist und auf absehbare Zeit bleiben wird.

(Miliz-)Soldatinnen und Soldaten können bereits in der Phase 1 eine wichtige Rolle spielen. Im derzeitigen Vorbereitungsstand und aufgrund der Vorlaufzeiten wohl weniger bei organisierten Einheiten oder Verbänden, sondern vielmehr als Einzelakteure im jeweiligen Umfeld. Etwa, indem sie ihre Führungsfähigkeiten zur Stabilisierung der Lage im persönlichen oder kommunalen Umfeld einbringen. Dazu sollte bereits jetzt eine Kontaktaufnahme und Absprache mit der Gemeindeverwaltung durchgeführt werden. Niedrigere Führungsebenen (Trupp, Gruppe) können ebenfalls einen Beitrag leisten, indem sie in ihrem persönlichen Umfeld (Siedlung, Grätzel etc.) in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde die Organisation von Selbst- und Nachbarschaftshilfe unterstützen.

Lokale Ressourcen

In den lokalen Ebenen gibt es viele Ressourcen, die für eine Krisenbewältigung hilfreich sein können. So sind in den vergangenen Monaten viele Regionalinitiativen entstanden. Diese Initiativen zur Nachbarschaftshilfe oder als digitaler Marktplatz für regionale Lebensmitteln sollten weiter gefördert und unterstützt werden, da sie zur regionalen Robustheit beitragen. Mit ein paar Überlegungen und Vorbereitungen lässt sich dann auch mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten eine Notversorgung organisieren.

Wichtig ist diese Vorbereitung vor allem bei verderblichen Waren. Denn diese sind nach wenigen Stunden unwiederbringlich verloren und schaffen ein zusätzliches Problem, wenn die Entsorgung nicht funktioniert. Oft sind nur wenige Überlegungen notwendig, um eine geordnete Abgabe sicherzustellen. Hier ist ebenfalls eine rasche und enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde erforderlich, die bereits jetzt abgestimmt werden muss. Vielleicht können sich hier Soldatinnen und Soldaten einbringen.

Der Schutz der kritischen Infrastruktur ist besonders wichtig bei einem Blackout. (Foto: ÖBH/Gunter Pusch)
Der Schutz der kritischen Infrastruktur ist besonders wichtig bei einem Blackout. (Foto: ÖBH/Gunter Pusch)

Schutz von wichtigen Einrichtungen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Schutz von Verkaufseinrichtungen. Aufgrund des schlechten Vorsorgegrades muss erwartet werden, dass einige Menschen versuchen werden, Lebensmittel zu organisieren. Supermärkte sind dabei besonders gefährdet. Sollten jedoch Verkaufsflächen zerstört werden, dauert es lange, bis dort wieder eine geordnete Versorgung anläuft. Somit wären gegebenenfalls noch viel mehr Menschen von einer Lebensmittelknappheit betroffen.

Der Schutz wichtiger Einrichtungen vor Zerstörung gehört zu den zentralen Aufgaben in einer Gemeinde. Dafür stehen jedoch nicht ausreichend Sicherheitskräfte zur Verfügung. Diese Aufgabe kann daher nur unter Einbindung der Bevölkerung gelingen. Einerseits durch die Propagierung von entsprechenden Vorsorgemaßnahmen, andererseits indem mit der örtlichen Bevölkerung die Abhaltewirkung hochgehalten wird. Die Hemmschwelle kann erhöht werden, indem sich Menschen organisiert vor Supermärkten aufhalten.

Menschen sehnen sich besonders in Krisen nach Strukturen. Dem könnte etwa dadurch entsprochen werden, dass jene Menschen, die bereit sind zu helfen, eine Warnweste tragen. Das würde zu einem positiven Sicherheitsgefühl beitragen und den Zusammenhalt stärken. Die Selbstorganisation in lokalen Strukturen ist im Fall eines Blackouts von zentraler Bedeutung. Sie muss aber in enger Koordination und unter der Leitung der Gemeinde erfolgen, da keine Bürgerwehr entstehen soll.

Kreative Lösungen

Menschen können überaus kreativ sein, wenn viel auf dem Spiel steht. In Feldbach funktioniert beispielsweise die Fernwärmeproduktion auch bei einem Netzausfall, jedoch nicht die Abnahme in den Häusern, da die Umwälzpumpen ohne Strom nicht funktionieren. Daher wurden Servicefahrzeuge der Gemeinde mit stärkeren Lichtmaschinen und Batterien sowie mit einem Wechselrichter ausgestattet. Damit kann eine fahrzeuggebundene Notstromversorgung bereitgestellt werden. In den gemeindeeigenen Wohnhäusern wurden bei den Umwälzpumpen einfache Steckverbindungen montiert. Nun kann mit einem normalen Verlängerungskabel die Notstromversorgung zwischen Auto und Pumpe hergestellt werden, womit im rollierenden Betrieb sichergestellt ist, dass Wohnhäuser im Winter nicht auskühlen. Mit den aufgerüsteten Servicefahrzeugen kann auch ein verbesserter Alltagsbetrieb bei Reparaturarbeiten sichergestellt werden. Das ist ein positives Beispiel, wie mit einfachen Überlegungen ein mehrfacher Nutzen geschaffen werden kann.

Damit das Wasser aus dem Hahn kommt muss jedes Glied der Kette funktionieren. (Foto: Imani, Unsplash)
Damit das Wasser aus dem Hahn kommt muss jedes Glied der Kette funktionieren. (Foto: Imani, Unsplash)

In Feldbach hat sich gezeigt, dass mögliche Probleme bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung häufig unterschätzt werden. Der vorgelagerte Wasserverband ist auf ein Blackout vorbereitet und kann die Wasserversorgung bis zur Gemeindegrenze sicherstellen. Zu Beginn des Projektes stellte sich jedoch heraus, dass bereits binnen 24 Stunden rund 400 Keller durch Kanalabwässer überflutet würden. Aus diesem Grund wurden 43 von 46 Wasser- und Abwasserpumpstationen mit einer Notstromeinspeisemöglichkeit ausgestattet und mobile Zapfwellengeneratoren beschafft. Damit kann im rollierenden Betrieb die Wasser- und Abwasserversorgung im Gemeindegebiet aufrechterhalten werden.

Bei der Wasserversorgung kommt es häufiger zu Überraschungen, beispielsweise, wenn im Gemeindegebiet oder in der Wohnhausanlage Drucksteigerungsanlagen zum Einsatz kommen, die nicht abgesichert sind. Somit ist es relevant, jedes Glied der Kette zu kennen und dieses auch bedienen zu können, damit das Wasser aus dem Hahn kommt. Sollte die Wasserversorgung ausfallen, wird es rasch ungemütlich. Toiletten können nicht mehr benutzt werden – wenn Rohre leerlaufen, drohen Rohrbrüche und langwierige Reparaturarbeiten, zumindest aber müssen Lufteinschlüsse aufwendig behoben werden, Ablagerungen können abblättern und die Siebe verlegen etc.

Daher ist es wichtig, dass die Gemeindeverwaltung weiß, ob ihre Kritische Infrastruktur im Blackout-Fall problemlos funktioniert oder wo mit Problemen zu rechnen ist. Wenn das im Einzelfall nicht gewährleistet werden kann, müssen potenziell betroffene Personen über die Sachlage informiert werden, damit diese eine entsprechende Eigenvorsorge treffen können. Auch hier ist Transparenz gefordert, denn es ist weder sinnvoll noch leistbar, alles bis ins letzte Detail abzusichern. Wichtig ist jedoch die Transparenz, damit böse Überraschungen verhindert werden können.

Treibstoffversorgung

Ein anderes Thema sind Treibstoffvorräte, die meistens mit der maximalen Tankinhaltsmenge und nicht mit der alltäglichen Minimalmenge geplant wird. Die Differenz zwischen dem Tankinhalt und der im Alltagsbetrieb notwendigen Menge für mehrere Tage, klafft oft weit auseinander. Wenn ein Tank beispielsweise 30.000 Liter fasst, eine Nachbetankung aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen erst beim Erreichen der 500 Liter Grenze erfolgt, kann das in der Krise zu großen Problemen führen, wenn der Nachschub nicht gewährleistet ist.

Die richtigen Fragen stellen

Daher gilt es, die richtigen Fragen zu stellen, da die Probleme oft im Detail liegen. Schließlich geht es nicht darum, ob eine Einrichtung vorbereitet ist oder über eine Notstromversorgung verfügt, sondern darum, wie lange eine definierte Leistung aufrechterhalten werden kann. Das ist in der Regel nicht nur von einer Notstromversorgung, sondern von anderen Aspekten, wie etwa der Personalverfügbarkeit oder Schichtfähigkeit, abhängig. Diese Themen werden oft unterschätzt und vernachlässigt.

Ohne entsprechende Vorbereitung ist ein Blackout nicht zu bewältigen. (Foto: David Tomaseti, Unsplash)
Ohne entsprechende Vorbereitung ist ein Blackout nicht zu bewältigen. (Foto: David Tomaseti, Unsplash)

Ohne Vorbereitung keine Bewältigung

Ein Blackout ist nicht wie viele andere Krisen aus der Bewegung (im Anlassfall) zu bewältigen. Dazu sind die Auswirkungen und Einschränkungen, die zu erwarten sind, zu massiv. Es gibt weder rasche Hilfe von außen, noch kann ohne die übliche Telekommunikation (Handy, Festnetz, Internet) ausreichend kommuniziert werden, um Unterstützung zu organisieren. Alles, das nicht bereits jetzt vorhanden ist und vorbereitet wurde, steht in der Krise nicht zur Verfügung.

Ein Appell

Niemand hofft, dass ein Blackout Realität wird. Trotzdem sollte man mit der Thematik nicht leichtfertig umgehen. Die COVID-19-Krise hat uns vor Augen geführt, wie sich von einem Augenblick auf den anderen vieles ändern kann, was bis dahin kaum vorstellbar war. Wir können als Gesellschaft eine Krise in der Größenordnung eines Blackouts nur dann erfolgreich bewältigen, wenn eine gemeinsame und ganzheitliche Vorsorge getroffen wird. Eine vorbereitete Bevölkerung – wir alle – ist dabei die zentrale Basis.

Die COVID-19-Krise wie auch ein mögliches Blackout lassen sich nicht mit militärischen Verfahren und Mitteln alleine bewältigen. Aber viele Inhalte, die in der militärischen Ausbildung vermittelt werden, können sinnvoll eingebracht und genutzt werden. Daher gilt es über den Tellerrand zu blicken und neue Wege zu gehen. Denn wie bereits Albert Einstein gesagt hat, kann man Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind.

Herbert Saurugg, MSc, Major a. D. ist internationaler Blackout- und Energiewende-Experte.

 

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