• Veröffentlichungsdatum: 03.10.2019
  • – Letztes Update: 02.10.2019

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IFMIN - das automatische ÖBH-Kommunikationsnetz

Horst Treiblmaier; Karl Höfer

(Foto: Horst Treiblmaier)
(Foto: Horst Treiblmaier)

Die Kernaufgabe der Führungsunterstützung ist die Informationsversorgung. Daher wurde beim Österreichischen Bundesheer vor mehr als drei Jahrzehnten das unabhängige, digitale und verschlüsselte Kommunikationsnetzwerk namens Integrierte Fernmelde-Infrastruktur (IFMIN) mit seinem Kernsystem Knotenvermittlung (KnV) eingeführt. Einführungsidee, Nutzung und Entwicklungsschritte sind Eckpunkte des Lebenszyklus des Systems. Die Planung 1979 über die Realisierung 1985 bis zur Einführung 1989 kennzeichnen den Weg von der Idee bis zur Nutzung.

Einführung und erste Nutzungsphase

1979 wurde mit der Ministerweisung Nr. 87 unter dem Arbeitstitel „Fernmeldesystem 80/Fernmeldeinfrastruktur“ eine Fernmeldesystemgruppe in der Informatikabteilung des Verteidigungsministeriums eingerichtet. Mit der Unterteilung in die Fachbereiche Vermittlung, Endeinrichtung, Übermittlung und Bau sollte die Detailplanung und Realisierung erfolgen. Die manuelle Herstellung von Sprechverbindungen über so genannte Durchgangsvermittlungen mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten sollte damit beendet werden. Im verlegbaren (mobilen) Bereich wurde damit das Ende der „Stöpselvermittlungen“ auf höheren Führungsebenen eingeläutet.

Nach Vorliegen eines Systemkonzeptes, in dem auch der in Entwicklung befindliche EUROCOM-Standard berücksichtigt wurde, kam 1985 mit der Ministerweisung Nr. 111 der Auftrag zur Detailplanung und Realisierung des Projektes „Integrierte Fernmelde Infrastruktur“ (IFMIN). Im beiliegenden Organisationsstatut wurden nahezu alle Dienststellen des Bundesheeres, die Dienststellen des Bundesministeriums für Verkehr mit Post und Telegraphenverwaltung (BMV) sowie die Zusammenarbeit mit anderen Armeen (Schweden und Schweiz) zur Mitarbeit und Zusammenarbeit angeführt. Vorsorge für die Finanzierung traf man im Investi­tionsprogramm 1985 bis 1994 im Umfang von 800 Millionen Schilling für den Anteil am Kommunikationssystem. Für den Bereich der Bauwerke (IFMIN-Bunker), Fahrzeuge und Shelter wurde nochmals dieselbe Summe veranschlagt.

Das Systemkonzept IFMIN sieht folgende Ziele vor:

  • Errichtung einer automatischen, in der Fernebene postunabhängige und verschlüsselte, integrierte FM-Infrastruktur auf Basis gerätetechnisch gleichartiger verlegbarer und ortsfester Knotenvermittlungseinrichtungen unter Nutzung des Bestandes an End- und Übertragungseinrichtungen.
  • Erweiterung und Modifikation der verlegbaren Übertragungseinrichtungen (System „Falke“).
  • Adaption der derzeit genutzten Bauinfrastruktur.

Damit sollen folgende Fähigkeiten gewährleistet werden:

  • Sicherstellung der erforderlichen FM-Verbindungen der oberen und mittleren Führung im Einsatz im Zusammenwirken mit den FM-Netzen der Truppe.
  • Abdeckung des FM-Bedarfes der Führung und der Verwaltung im Frieden.
  • Sicherstellung des Informationsflusses für bundesweit konzipierte und eingesetzte Führungs-, Versorgungs-, Aufklärungs- und Waffensysteme sowie für die Datenfernverarbeitung.
  • Sicherstellung der Fernmeldeverbindungen für die Umfassende Landesverteidigung (ULV).

System IFMIN

IFMIN ist ein digitales, verschlüsseltes Kommunikationsnetzwerk des Österreichischen Bundesheeres, das die automatische Vermittlung und Übertragung von verschiedenen Fernmeldediensten wie Telefon, Fax, Fernschreiben und Daten ermöglicht. Aus ortsfesten und verlegbaren Vermittlungs- und Übertragungskomponenten wird ein vermaschtes Netz gebildet, das dem jeweiligen militärischen Bedarf und der militärischen Lage angepasst werden kann. Das Fernmeldesystem trägt den Forderungen nach einem leistungsfähigen und sicheren Führungsmittel Rechnung.

Ahierarchisches Netzwerk

Das IFMIN-Netz ist ein ahierarchisches Netz. Das bedeutet, dass das homogene Netzwerk aus gleichwertigen, digitalen Knotenvermittlungen zusammengesetzt ist, die nicht starr einem taktischen Kommando unterstellt sind. Die Fernmeldetruppe ist dadurch in der Lage, dem Bedarfsträger eine optimale, bewegliche und zuverlässige Netzwerkkonfiguration am gewünschten Einsatzort zu bieten. So ist es zum Beispiel möglich, dass im Falle eines Gefechtsstandwechsels das ursprünglich zugeordnete Vermittlungssystem zum Zwecke der Netzvermaschung an Ort und Stelle verbleibt und der Ausweichgefechtsstand bzw. ein neuer Gefechtsstand mit einem anderen verlegbaren Vermittlungssystem bedient wird. Bei einer entsprechenden fernmeldetaktischen Vorausplanung und Netzkonfiguration kann unverzüglich daran angeschlossen werden.

Anforderungen an IFMIN

Die Anforderungen an ein solches Netzwerk sind hoch und vielfältig. Insbesondere bei den Übertragungseinrichtungen, beim Zugriff auf die Knotenvermittlungen oder der Anwendungen bei den Teilnehmerendgeräten sind Leistungsfähigkeit, Ausfallsicherheit, Verlässlichkeit, Sicherheit, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und auch die Einfachheit in der Bedienung und im Betrieb wesentliche Leistungsparameter für ein optimales Kommunikationsnetzwerk.

Um allen diesen Ansprüchen gerecht zu werden, muss eine gewissenhafte Netzplanung und ein professionelles Netzmanagement im optimalen Einklang zueinanderstehen.

Der für die Netzplanung verantwortliche Fernmeldeoffizier hat vor den ersten Planungsschritten alle fernmeldebezogenen Bedürfnisse und Absichten der einzubindenden Kommanden und Kräfte zu erfassen.

  • Alle Orte der Gefechtsstände, deren Teilnehmerbedarf nach Art und Anzahl, die Lage, geplante Phasen der Einsatzführung mit Gefechtsstandverlegungen, das Schwergewicht, Prioritäten und die zur Verfügung stehenden Fernmelde­kräfte sind zu analysieren, um zum richtigen Zeitpunkt effizient mit Kommunikationsmitteln unterstützen zu können.
  • Im Netzwerkmanagement sind beispielhaft die Aufgaben des Passwortmanagements (Wer hat auf was Zugriff!), Bündelmanagements (Beeinflussung Kapazität, Ausfallsicherheit, Flexibilität), Timingmanagements (zeitliche Synchronisierung) und Frequenzmanagements (Zuordnung von Frequenzen zum störungsfreien Betrieb) wahrzunehmen.
Die „IFMIN-Wolke“ integriert unterschiedliche Fernmeldedienste. (Foto: Horst Treiblmaier)
Die „IFMIN-Wolke“ integriert unterschiedliche Fernmeldedienste. (Grafik: Horst Treiblmaier)

Teilnehmerleistungsmerkmale in IFMIN

Teilnehmerleistungsmerkmale sind Fähigkeiten von Teilnehmeranschlüssen, die entweder durch Wahl eines Codes oder mittels Programmierung durch einen Operator aktiviert werden können. Sie ermöglichen ein zweckbezogenes und komfortables Telefonieren oder Bedienen von Endeinrichtungen. Nicht jeder Teilnehmer kann alle Möglichkeiten nutzen. Je nach Funktion des Teilnehmers erfolgt die Zuweisung bestimmter Teilnehmerleistungsmerkmale. Die wesentlichsten Leistungsmerkmale sind

  • Anmelden, Abmelden
  • Code zum Sperren/Aktivieren des Telefons,
  • Kurzwahl - für wichtige Gesprächspartner,
  • automatischer Rückruf - besetzter Teilnehmer wird automatisch bei Freiwerden gerufen,
  • Anrufumleitung - Verlegung der Rufnummer auf einen anderen Standort,
  • Priorität - Nachwahlziffer zur rascheren Verbindungsherstellung,
  • Hot Line - Verbindung wird durch Abheben des Telefonhörers hergestellt,
  • Konferenzschaltung - bis zu acht Teilnehmer werden mittels Code zusammengeschaltet.

IFMIN-Systemkomponenten

Netz der ortsfesten Knotenvermittlungen Das Netz der ortsfesten Knotenvermittlungen (ofKnV) ist Teil des Fernmeldesystems des Österreichischen Bundesheeres (FMSysÖBH) und umfasst

  • den Anschluss der FM-, Datenend- und Teilnehmerendeinrichtungen in den militärischen Liegenschaften,
  • die Übertragungseinrichtungen zwischen den militärischen Liegenschaften und den ofKnV,
  • die fernmeldetechnischen sowie elektronischen Geräte und Anlagen in den ofKnV (ausgenommen die Anteile BHT),
  • die Übertragungseinrichtungen zwischen den ofKnV und - das Gerät der Betriebsüberwachungszentrale (BÜZ).

Die zirka 30 ofKnV sind in Gebäuden und Regelbauwerken (Bunker) installierte, unbemannt betriebene, digitale Vermittlungseinrichtungen mit allen Arten von Endeinrichtungen und zur Durchschaltung von Fernverbindungsleitungen über mehrere digitale und verschlüsselte Kanalbündel. Die Einbindung der militärischen Liegenschaften in die ofKnV erfolgt über

  • Kabel oder Lichtwellenleiter, wenn die KnV innerhalb der Liegenschaft situiert ist, - Mehrfachausnutzung einer gemieteten Leitung,
  • LWL-Einrichtungen, wenn zwischen militärischen Liegenschaften und KnV eine solche besteht, sowie
  • ortsfesten Richtfunk (ofRVN).
Ortsfeste Knotenvermittlung in der Stiftskaserne in Wien.
Ortsfeste Knotenvermittlung in der Stiftskaserne in Wien. (Foto: Horst Treiblmaier)
(Foto: Horst Treiblmaier)
Das Richtfunkgerät VFF-3-0 im Einsatz. (Foto: Horst Treiblmaier)
(Foto: Horst Treiblmaier)
Eine ortsfeste Knotenvermittlung an einem Höhenstandort. (Foto: Horst Treiblmaier)

Die Verbindung der ofKnV untereinander erfolgt durch Bündelschaltungen im ofRVN. Zur Einbindung von ofKnV in Randlagen oder bei Fehlen einer Verbindung im ofRVN können die Verbindungen auch durch die Anmietung von Kapazitäten bei anderen Betreibern geschaltet werden. Die Zusammenschaltung der Bündel hat so zu erfolgen, dass eine Vermaschung der KnV untereinander sichergestellt wird. Alle hergestellten Bündelverbindungen müssen durch Bündelschlüsselgeräte verschlüsselt werden.

Alle ofKnV werden unbemannt betrieben. Die Überwachung des Betriebszustandes und die Betriebsführung erfolgt 24 Stunden an sieben Tagen der Woche zentral aus der Betriebsüberwachungszentrale (BÜZ). Die Beschaltung von ­IFMIN wird gemäß den Festlegungen der Führungsunterstützungszentrale (FüUZ) ausgeführt. Dabei wird unterschieden:

  • Art und Anzahl der anzuschließenden Teilnehmerendeinrichtungen gemäß dem letztgültigen Mengengerüst inklusive der Anzahl der Übergänge in öffentliche Netze;
  • Art und Anzahl der zu nutzenden Bündelverbindungen gemäß dem letztgültigen Bündelplan;
  • Art und Anzahl der Einbindungen der militärischen Liegenschaften gemäß der letztgültigen Anschlusskonfiguration.
Mobile Knotenvermittlung an einem Gefechtsstand. (Skizze: Horst Treiblmaier)
Mobile Knotenvermittlung an einem Gefechtsstand. (Skizze: Horst Treiblmaier)

Verlegbare Knotenvermittlungen (KnV)

Knotenvermittlung 120 in der Fernmeldekabine II

Die Knotenvermittlung 120 (KnV 120) kann mit bis zu drei verschlüsselten Leistungsbündeln in das IFMIN-Netz eingebunden werden. Die Übertragungsbitraten in den Leitungsbündeln sind auf 256 bis 2048 kbit beschränkt. Sie verfügt über folgende Leistungsparameter:

  • 65 analoge Telefonapparate;
  • 4 digitale Telefonapparate;
  • 12 Fernschreiber; - 6 Datenteilnehmer;
  • 10 Telefonapparate im WZB-Betrieb (Rufstrom kommt von Vermittlung, Sprechtaste);
  • 5 Telefonapparate im OB-Betrieb (Kurbelinduktor, eigene Batterie, Sprechtaste);
  • 14 Netz-Übergänge.

KnV Netz im Kfz „Pinzgauer“

Die KnV Netz hat die Aufgabe, die Führungseinrichtung in ein Netz einzubinden und durch Vermaschung eine hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten. Die KnV Netz kann mit bis zu vier verschlüsselten Leistungsbündeln in das IFMIN-Netz eingebunden werden. Die Übertragungsbitraten in den Leitungsbündeln sind auf 256 bis 2048 kbit beschränkt. Die KnV Netz verfügt über vier analoge Teilnehmer.

KnV im Aufklärungs- und Zielzuweisungsradar (AZR) und Operation Shelter (OPS)

Zur Sicherstellung der Netzeinbindung der hochwertigen Sensoren des AZR und der Kommandostellen der Luftraumüberwachung der OPS wurden diese mit einer KnV in einem besonders kompakt gebauten Gehäuse ausgerüstet.

Zuordnung/Organisation

Die jeweilige Heeresorganisation stellt für die Fernmeldetruppe aufgrund ihrer Unterstützungsaufgabe die wesentlichste Vorgabe für die Organisation dar. War in der Planungsphase von IFMIN das Bundesheer in Armeekommando, I. und II. Korpskommando, Panzergrenadierdivision und Fliegerdivision gegliedert, so änderte sich dies in der Einführungsphase durch die Heeresreform 1991 auf das Armeekommando, eingegliedert in die Sektion III, I. bis III. Korpskommando und die Fliegerdivision. Mit der Heeresreform 1998 erfolgte dann die Streichung des Korpskommandos III.

Die Knotenvermittlung  Netz im „Pinzgauer“. (Foto: Horst Treiblmaier)
Die Knotenvermittlung Netz im „Pinzgauer“. (Foto: Horst Treiblmaier)
Knotenvermittlung im Aufklärungs- und Zielzuweisungsradar mit dem Operation Shelter unter einem Tarnnetz. (Foto: Horst Treiblmaier)
Knotenvermittlung im Aufklärungs- und Zielzuweisungsradar mit dem Operation Shelter unter einem Tarnnetz. (Foto: Horst Treiblmaier)

Die verlegbaren Knotenvermittlungen und dazugehörigen Richtfunkgeräte aus dem System „Falke“ wurden dem Heeresfernmelderegiment, das dem Armeekommando unterstellt war, in den Weitverbindungskompanien zugeordnet und den Fernmeldebataillonen sowie dem Fliegerfernmeldebataillon, die den Korpskommanden, der Panzergrenadierdivision und Fliegerdivision unterstellt waren, in den Betriebs- und Richtfunkkompanien zugeordnet. Diese Einheiten entwickelten sich zu anerkannten Spezialisten für die Bedienung und den Einsatz dieser Systeme. Mit einer eigenen Ausbildungsanlage und einem IFMIN-Lehrsaal wurde durch die damalige Fernmeldetruppenschule (heute Führungsunterstützungsschule) die Ausbildung gewährleistet. Infolge der Änderungen der Heeresorganisation 1991 und 1998 wurden die Fernmeldebataillone aufgelöst und mit dem Gerät die Fernmeldekompanien der Brigaden ausgestattet, ohne jedoch den Organisationsplan zu ändern.

Auf einen Blick

Die Nutzung in der Phase 1 von 1989 bis 2008 war mit wenigen Ausnahmen auf die Sprache beschränkt. Stellte die Knotenvermittlung 1989 eine technologische Spitzenleistung dar, war die Funktionalität 2008 zur Auftragserfüllung nicht mehr ausreichend. In der 1. Fortsetzung ist beabsichtigt, den Lebenszyklus von 2008 bis zum voraussichtlichen Lebensende 2020 darzustellen. In einer 2. Fortsetzung wird die Planung und Bereitstellung des Nachfolgesystems Future Tactical Communication Network (FTCN), das mit Vertrag im Dezember 2018 beschafft wurde, näher beleuchtet werden. Abschließend wird in der 3. Fortsetzung die Herstellung der Feldverwendbarkeit dargestellt.

wird fortgesetzt

Oberst dhmfD Ing. Horst Treiblmaier, MSD MA ist Leiter des Referates Informationsübertragung & Elek­tronische Kampfführung.

Oberst Karl Höfer ist Referent Kommunikationstechnik.

 

 

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