• Veröffentlichungsdatum : 03.06.2020
  • – Letztes Update : 04.06.2020

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Feuertaufe für die Raumverteidigung - RVÜ79

Andreas Steiger

An der Raumverteidigungsübung (RVÜ) im niederösterreichischen Alpenvorland von 16. bis 22. November 1979 wirkten erstmals bei einer Großübung Verbände der Landwehr und der Bereitschaftstruppe zusammen. Mit der RVÜ79 etablierte sich das Raumverteidigungskonzept und löste das Prinzip "Schild-Schwert" ab.

Militärische Rahmenbedingungen

Wehrpolitisch wirkte sich 1975 das Bekenntnis der drei im Nationalrat vertretenen Parteien zur Umfassenden Landesverteidigung (ULV) als eine Art „Aufbruchsstimmung“ aus. Die ULV bestand aus den Bereichen der militärischen, geistigen, zivilen und wirtschaftlichen Landesverteidigung. Im Teilbereich der militärischen Landesverteidigung galt es, das neue Konzept der Raumverteidigung zu erproben.

Die damalige strategische und operative Lage wurde von der österreichischen militärischen Führung so beurteilt, dass Österreich nicht das eigentliche Angriffsziel der NATO oder der Staaten des Warschauer Paktes (WAPA) sei, sondern als Aufmarsch- und Durchmarschterritorium in Frage käme. Daraus folgernd hätte das Österreichische Bundesheer (ÖBH) den Angriff eines Aggressors zu verhindern oder dessen Durchmarsch bis zum eigentlichen Angriffsziel zumindest so lange zu verzögern sollen, bis dieses in der Tiefe die Abwehrbereitschaft erreicht hätte und somit ein Vorteil für den Aggressor nicht mehr gegeben wäre. Mit dem Konzept der Raumverteidigung sollte die dafür notwendige Zeit erkämpft werden, was aufgrund der wehrgeografischen Lage Österreichs realistisch zu sein schien. Dieses Konzept sollte bei einer Großübung erprobt werden.

Vorgestaffelte Übungen

Noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde im Herbst 1976 das Kampfverfahren „Kampf in einer Raumsicherungszone“ im steirischen Joglland erfolgreich erprobt. Auch im Jahr 1977 wurde im oberösterreichischen Attergau in einem Manöver mit bataillonsstarken Kräften – in einer Infanterie- und Panzerkampfzone in Schlüsselräumen – der Kampf gegen mechanisierte Angriffe erprobt und kritisch beurteilt. Daraus wurden Erkenntnisse für die Verteidigung von so genannten Schlüsselräumen abgeleitet.

Im Jahr 1978 übte das ÖBH in Osttirol mit der raumgebundenen Landwehr und mit Milizsoldaten das Raumverteidigungskonzept im großen Rahmen. Vorrangig wurde die Zusammenarbeit eines militärischen Zonenkommandos mit einem Verwaltungsbezirk im Rahmen der koordinierten Führung der ULV erprobt. Zusätzlich testete ein leichtes Landwehrbataillon die Kampfverfahren „Sicherungseinsatz an der Staatsgrenze“ und „Kampf in einer Raumsicherungszone“.

Strukturell wurde im ÖBH die „Landwehrgliederung 1978“ in Kraft gesetzt, die das Aufstellen einer Bereitschaftstruppe und den Ausbau der raumgebundenen Landwehr zur Folge hatte. General Emil Spannocchi personifizierte dieses Konzept.

Spannocchi-Doktrin

Das gesamte Konzept der Raumverteidigung wurde unter der Leitung des Generals der Panzertruppe Emil Spannocchi geplant, ausgearbeitet, in der Praxis erprobt und strukturell umgesetzt. Doch dieses Konzept hatte nicht nur einen, es hatte viele „Väter“, da viele Dienststellen des ÖBH daran arbeiteten. Am 1. Juli 1973 wurde Emil Spannocchi durch Verteidigungsminister Karl Lütgendorf zum Armeekommandanten mit der Bezeichnung „General der Panzertruppe“ ernannt. 1978 wurde Emil Spannocchi Leiter der Sektion III. In dieser Funktion setzte er die Heeresgliederung 1972 und 1978 um und machte das Raumverteidigungskonzept mit griffigen Slogans verständlich. Das Konzept wurde als „Spannocchi-Doktrin“ bekannt. Symbolhaft stand in Anlehnung an das Gedicht vom „Fuchs und Igel“ des deutschen Dichters Wilhelm Busch der „Igel“ als identitätsstiftendes Maskottchen für die Raumverteidigung, und der Igel war auch Namensgeber der Manöverzeitung der Raumverteidigungsübung 1979 (RVÜ79).

Abwehrkampf

Der Abwehrkampf in der Raumverteidigung wurde mit den damals gängigen Bezeichnungen Kampfverfahren, Kampfarten und Kampfformen geführt. Der Kampf um Schlüsselzonen war gekennzeichnet durch die Behauptung von Schlüsselräumen, vom Gegenangriff und von der Raumsicherung bestimmter Geländeteile. Die Raumsicherung vor und zwischen den Schlüsselzonen erfolgt durch zeitlich begrenzte Verteidigung, durch den Jagdkampf und durch die Sicherung nicht angegriffener Räume. Die Verteidigung des Basisraumes wurde mit allen zur Verfügung stehenden Kräften sichergestellt.

Schlüssel- und Raumsicherungszone

Bei der RVÜ79 übte das ÖBH erstmalig den Abwehrkampf in einer Schlüsselzone mit einer vorgelagerten Raumsicherungszone. Der Kampf in einer Schlüsselzone war ein Kampfverfahren mit dem Zweck, in einem festgelegten Raum durch eine tiefgestaffelte Verteidigung und einen Gegenangriff die angreifenden Feindkräfte zu zerschlagen, Bewegungen weitgehend zu verhindern und dem Feind das Durchstoßen dieses Raumes möglichst lange zu verwehren.

Schlüsselzonen wurden in jenen Abschnitten eingerichtet, die für einen Angreifer operative Bedeutung besaßen. Innerhalb einer Schlüsselzone wurde die Feindbewegung im höchsten Maß behindert und eine maximale Abnutzung der Feindkräfte herbeigeführt. In den Schlüsselräumen wurden die nachhaltig zu verteidigenden Abschnitte so festgelegt, dass diese die wesentlichen Bewegungslinien eines Feindes sperrten sowie ihn im bedeckten Gelände zum infanteristischen Angriff zwangen und sicherstellten, dass auch beim Durchstoßen eines Schlüsselraumes der Angreifer auf weiteren Widerstand traf.

In einer Raumsicherungszone war vorgesehen, den Feind vorwärts und zwischen den Schlüsselzonen zu verzögern, „abzunützen“ und zu behindern. Damit sollte ihm die ungehinderte militärische Nutzung des Raumes verwehrt werden.

Übungsraum

Der Übungsraum der RVÜ79 war das Alpenvorland zwischen der Traisen im Osten und der Enns im Westen. Dieser wurde im Norden weitgehend von der Donau und im Süden vom Voralpenrand begrenzt. Das Kernstück des Übungsraumes mit etwa 75 km Länge und 25 km Breite befand sich zwischen dem Fluss Pielach im Osten und der Linie St. Peter i. d. Au, Strengberg und Wallsee im Westen. In diesem Raum hatte schon im Jahr 1969 die Übung „Bärentatze“ stattgefunden.

Im Übungsraum konnten großflächig eine Schlüsselzone und eine vorgelagerte Raumsicherungszone dargestellt werden. Auch sollten Erkenntnisse zur Ausrüstung und zu den Ausbildungserfordernissen der raumgebundenen und mobilen Landwehrverbände gewonnen werden.

Parallel zur RVÜ wurde die zivile Komponente der ULV dargestellt und beübt. Bei der zivil-militärischen ULV fand am 17. November 1979 im Verwaltungsbezirk Amstetten ein „Behördentag“ statt. Dabei wurden die Auswirkungen der geübten Kampfhandlungen dargestellt. Die zivilen Behörden übten die Unterstützung der militärischen Landesverteidigung theoretisch und in mehreren Gemeinden auch praktisch – wie die Hilfeleistung bei Feuer nach den Kampfhandlungen oder den Abtransport von Verletzten durch die Rettungskräfte.

Blau gegen Orange

Am 16. November 1979 begann die Übung mit dem Aufmarsch der niederösterreichischen Verbände im Alpenvorland. Dabei nahmen 27 500 Soldaten – mit 480 Ketten- und 4 200 Räderfahrzeugen, 190 Granatwerfern, 125 Artillerie- und 120 Fliegerabwehrgeschützen – teil. Die Partei Blau wurde vom Militärkommandanten von Niederösterreich Oberst des Generalstabsdienstes (dG) Ernst Maerker mit Sitz in St. Pölten im Mostviertel geführt. Die Partei Orange – der „Feind“ – kam aus dem Industrieviertel in Form der 1. Panzergrenadierdivision (PzGrenDiv) und wurde von Oberst dG Johann Tretter geführt.

Dem Militärkommando unterstand die Schlüsselzone 35 (SZ35), die sich zwischen der Erlauf und der Enns befand, sowie die im Osten bis zur Pielach bzw. der Autobahn A1 vorgestaffelte Raumsicherungszone 36. Die SZ35 unterstand dem Zonenkommando 35, das aus dem Kommando der 3. Panzergrenadierbrigade (PzGrenBrig) und dem Stab des Landwehrregimentes 35 gebildet worden war. Das Zonenkommando 35 führte drei Verteidigungsbereiche. Zwei mechanisierte Kampfgruppen, unterstützt durch Artillerie- und Fliegerabwehrkräfte, waren für Gegenangriffe innerhalb der Zone vorgesehen.

Zur Verteidigung der SZ35 wurden – verstärkt mit Jagdpanzerzügen und in Anlehnung an die vorhandenen Festen Anlagen – rechts die 5. Jägerbrigade (JgBrig) und links die 3.JgBrig eingesetzt. Die 5.JgBrig bezog zwei Schlüsselräume: und zwar an der Erlauf bei Purgstall und Mühling und in der Tiefe bei Steinakirchen. Das bedeckte Gelände westlich der Kleinen Erlauf wurde als Einsatzzone den Jagdkampfkräften des Jägerbataillons (JgB) 19 zugewiesen. Die 3.JgBrig bildete einen Schlüsselraum westlich von Wieselburg, einen im Raum Ybbs sowie einen in der Tiefe um Blindenmarkt.

Einer raumgebundenen Kampfgruppe (KG) wurde die Verteidigung an der Donau zugewiesen. In der Tiefe hatte die 1.JgBrig südwestlich von Amstetten zwei Schlüsselräume in Anlehnung an die Ybbs-Übergänge zu errichten. Ein JgB der 3.JgBrig hatte die Übergänge ostwärts von Amstetten zu verteidigen. Die Kampfgruppe 4(KG4)/Jagdpanzerbataillon 4 wirkte mit der 3.JgBrig zusammen. Die KG10/Panzerbataillon (PzB) 10 war für Gegenangriffe ostwärts von Amstetten vorgesehen. Das hügelige Gelände bot günstige Deckungs- und Auflockerungsmöglichkeiten. In der Raumsicherungszone 36 führte die 7.JgBrig, der die Landwehrbataillone 22 und 64 unterstanden.

Die Partei Orange, geführt vom Kommando der 1. PzGrenDiv mit Sitz in Baden im Industrieviertel, bezog bis 19. November 0300 Uhr ihren Bereitstellungsraum ostwärts der Linie Pöchlarn, Ruprechtshofen und Plankenstein. Die Partei Orange hatte den Auftrag, die Ybbs-Übergänge bei Amstetten zu nehmen. Die PzGrenDiv bestand aus der 4. und 9.PzGrenBrig, den JgB21, 25 und 26 sowie einem Fernmelde- und Pionierbataillon. Gemäß der Einsatzdoktrin des WAPA wurde eine 2. Staffel – bestehend aus der (fiktiven) 20. und 21.PzGrenBrig – für die Übung angenommen.

Übungsverlauf

Die Kampfhandlungen begannen am 19. November. Aufklärungskräfte der 4.PzGrenBrig (Orange) nahmen handstreichartig die Erlauf-Brücke bei Breiteneich. Bei der Übung „Bärentatze“ im Jahr 1969 war es eine Agrarbrücke bei Mühling an der Erlauf gewesen, die ebenfalls überraschend den weiteren Übungsverlauf zu Ungunsten der verteidigenden Kräfte bestimmte. Jetzt, zehn Jahre später, sollte sich aufgrund der geänderten militärischen Rahmenbedingungen der weitere Übungsablauf zugunsten der „verteidigenden Kräfte“ ändern.

Ab 0630 Uhr griffen die JgB21, 25 und 26 (Partei Orange) den Raum Petzenkirchen und Wieselburg an. Allerdings wurde durch das Wetter eine „ungewollte“ Übungseinlage gesetzt. Tiefliegende, durchgehende Wolken und anhaltender Regen ließen den Einsatz von Fliegerkräften und Luftlandungen nicht zu und erschwerten die Bewegungen der mechanisierten Kräfte.

Für die Infanterie-Kräfte der Partei Blau führte der Dauerregen vor allem beim Stellungsbau zu erheblichen Belastungen. Bis zum Abend des 19. November war die 4.PzGrenBrig (Orange) in die Tiefe des Verteidigungsbereiches der 3.JgBrig (Blau) bei Sarling, Kemmelbach, Winden, Waasen und Ströblitz durchgestoßen und bekämpfte nun die blauen Kräfte in den Schlüsselräumen Ybbs und Blindenmarkt. Teile der KG4 (Blau) wurden für den Abwehrkampf bei Königstetten eingesetzt. Die KG10 (Blau) bezog mit Teilen Riegelstellungen bei Karlsbach und konnte dadurch das Vordringen des JaPzB7 (Orange) in den Raum der Stadt Ybbs verhindern.

Der erzielte Abwehrerfolg gegen die 4.PzGrenBrig (Orange) führte in weiterer Folge zu einem längeren Verzögerungskampf in den Schlüsselräumen und hätte die Dauer der RVÜ erheblich verlängert. Die Erfordernisse der Übungsabwicklung und das Gewährleisten der vorgesehenen Ausgangslage für die nächsten Übungstage zwangen die Übungsleitung zum improvisierten Eingreifen. Deshalb wurde für den 20. November ein tiefer Einbruch der orangen Kräfte bei der südlich eingesetzten 5.JgBrig (Blau) angenommen. Daher wurde neben der im Raum Kemmelbach, Neumarkt und Köchling bereitgestellten 4.PzGrenBrig (Orange) auch das PzGrenB35 (Orange) nördlich Steinakirchen bereitgestellt, um als rechte Flanke der 20.PzGrenBrig (fiktive 2. Staffel Orange) anzutreten. Durch die Zerstörung einer Kriegsbrücke im Raum Neumarkt von Kampfschwimmern (Blau) konnte der Vormarsch der Partei Orange ebenso verzögert werden wie durch einen Überfall auf einen Versorgungsgefechtsstand durch die Jagdkampfkräfte.

Am frühen Vormittag des 20. Novembers 1979 übersetzten die JgB21 und 25 (Orange) bei Blindenmarkt die Ybbs- Übergänge. Als die orangen Kräfte die blauen Kräfte in den Schlüsselräumen Blindenmarkt und Ybbs angriffen, wurde die KG10 (Blau) um Ennsbach gegen den Angreifer eingesetzt. Das PzGrenB35 (Orange) stieß auf Günzing vor, worauf die KG4 (Blau) Riegelstellungen an der Ybbs bezog. Um 1000 Uhr wurde die Übungsphase abgebrochen und eine Umgruppierung durch die Übungsleitung für den 21. November angeordnet.

Die 1. und 5.JgBrig (Blau) hatten sich in den zugewiesenen Schlüsselräumen zur Verteidigung eingerichtet, als am 21. November südlich Wieselburg die verstärkte 9.PzGrenBrig (Orange) (verstärkt durch JgB21, JgB25, PzGrenB13, JaPzB7 und eine Kompanie des JgB15) ab 0300 Uhr kampfkräftig gegen die an der Erlauf eingesetzten blauen Kräfte aufklärte. Die verbliebenen Teile der 4.PzGrenBrig (Orange) folgten in der Tiefe der 9.PzGrenBrig. In Folge griff ab 0630 Uhr die 9.PzGrenBrig (Orange) mit Schwergewicht südlich Wieselburg (Rottenhaus, Neumühl) an und klärte mit dem JgB21 und dem JaPzB7 beidseits von Purgstall weiter auf. Der hohe Wasserstand der Erlauf erforderte jedoch Änderungen beim Ansatz der Infanteriekräfte und aus Sicherheitsgründen die Beschränkung auf eine Übergangsstelle bei Neumühl und in Purgstall.

Bis zum Mittag hatte die 9.PzGrenBrig den Raum Marbach, Berging sowie Purgstall und Feichsen genommen. Um 1335 Uhr griff die 9.PzGrenBrig im kleinen Erlauftal weiter an. Diese wurde aber bald durch die KG4 (Blau) aus Riegelstellungen westlich Zarnsdorf und einen Gegenangriff der KG10 (Blau) verzögert und teilweise zum Stillstand gebracht. Dieser Angriff zeigte die Möglichkeiten und den Erfolg mechanisierter Gegenangriffskräfte. Das Gelände und die einbrechende Dunkelheit erleichterten das Lösen vom Feind und das Beziehen eines Ausweichverfügungsraumes.

Mit Einbruch der Nacht zum 22. November gewannen die aus Richtung Feichsen angreifenden infanteristischen Kräfte und die über Zarnsdorf vorstoßenden mechanisierten Kräfte der 9.PzGrenBrig (Orange) den Schlüsselraum Steinakirchen. Dieser wurde aber aus übungstechnischen Gründen nach kurzem und erfolgreichem Abwehrkampf durch die Partei Blau von der Übungsleitung neutralisiert. Das ermöglichte der Partei Orange einen „raschen Erfolg“. Dadurch sollte für den Abschlusstag der Übung der Ansatz der „zweiten“ Staffel der PzGrenDiv (Orange) gegen die 1.JgBrig (Blau) in der Tiefe und des JgB21 im kleinen Erlauftal Richtung Randegg ermöglicht werden. Bei Tagesanbruch des 22. November standen die Aufklärungsteile der 9.PzGrenBrig (Orange) an den Ybbs-Übergängen südlich von Amstetten, wobei ein Brückenkopf am Westufer der Ybbs nördlich von Ulmerfeld geschaffen wurde. Ab 0700 Uhr griff die 4.PzGrenBrig (Orange) südlich von Euratsfeld zusammen mit den JgB25 und 26 an. Ab 1100 Uhr überschritten beide Jägerbataillone bei Winklarn die Ybbs und trafen im Wald bei Mauer auf die Stellungen der JgB2 und 3 (Blau). Im benachbarten Übungsabschnitt nahmen Teile der 4.PzGrenBrig den Ort Ulmerfeld und überschritten die Ybbs.

Die 9.PzGrenBrig (Orange) setzte am Vormittag des 22. November 1979 hinter der 4.PzGrenBrig (Orange) den Angriff bei den Ybbs-Übergängen ostwärts Amstetten fort. Im kleinen Erlauftal hatte das JgB21 (als Teil der 1.PzGrenDiv) in den Morgenstunden den Raum Perwarth genommen und sicherte die Flanke. Dies war die Lage, als am 22. November 1979 um 1400 Uhr die RVÜ79 „Geschichte“ war.

Manöverkritik

Bei der RVÜ79 wirkten – erstmals bei einer Großübung – zwei Grenadierbrigaden mit entsprechenden Verstärkungskräften zusammen, wodurch ein realistisches Bild des Feindansatzes dargestellt werden konnte.

Die RVÜ war die erste Übung, die gemäß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa angekündigt und von Vertretern der 33 Unterzeichnerstaaten kritisch beobachtet wurde. Diese sahen – wie auch die zahlreichen Militärattachés –, dass in der Schlüsselzone tiefgestaffelt mit beweglicher Panzerabwehr und unter Einsatz von mechanisierten Kampfgruppen für den Gegenangriff erfolgreich verteidigt werden konnte. Auch der Einsatz der Panzerkanonen in den Festen Anlagen trug zum Erfolg des Verteidigers bei. Aufmerksame Beobachter erkannten ebenso, dass die in den vorgelagerten Raumsicherungszonen agierenden Jagdkampfkräfte ihren Auftrag besser hätten umsetzen können, wenn Panzerabwehrlenkwaffen zur Verfügung gestanden wären. Bei der RVÜ wurde eine Kompanie in Anlehnung an eine Ortschaft zur Verteidigung eingesetzt. Fliegerabwehrlenkwaffen für eine effiziente Fliegerabwehr fehlten ebenso wie ein effektiver Luftabwehrschirm, der von den Kräften Orange „fiktiv“ für die RVÜ angenommen wurde.

Mit der Raumverteidigungsübung 1979 endete die Phase der Erprobungsübungen. Nach dieser Übung stand jedoch fest, dass die Kampfverfahren in den Schlüssel- und Raumsicherungszonen zur Erfüllung der militärischen Landesverteidigung zweckmäßig und erfolgversprechend waren.

Oberst dhmfD Dr. Andreas Steiger, MSc ist Fachbereichsleiter und Hauptlehroffizier für Politikwissenschaft, Recht und Betriebswirtschaftslehre an der Theresianischen Militärakademie.

 

Ihre Meinung

Meinungen (1)

  • Kauf Michael // 05.06.2020, 16:40 Uhr Sehr geehrte Redaktion!

    Das war meine letzte Übung als Zeitsoldat, daher habe ich den Artikel mit großem Interesse gelesen. Da ich mit einem NT-Zug des PzB 33 in einem Wald untergezogen war, wurden die ganz großen Zusammenhänge damals natürlich nicht so bekannt. An das bescheidene Wetter kann ich mich aber sehr gut erinnern.
    Schon damals waren aber alle meine Kameraden der Ansicht, das nur mit dem Raumverteidigungskonzept etwas zu erreichen wäre. Interessant, das alles nach so langer Zeit zu lesen.
    Mit kameradschaftlichen Grüßen!

    Michael Kauf, OltdRes