• Veröffentlichungsdatum: 12.10.2019
  • – Letztes Update: 04.11.2019

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Das Institut Jäger der Heerestruppenschule - Teil 1

Anton Czech-Lovetinsky

(Foto: Planer Bruno; Grafik: Bundesheer)
(Foto: Planer Bruno; Grafik: Bundesheer)

Das Institut Jäger ist zentrale Ausbildungsstätte für die waffengattungsspezifische Führungsausbildung der Jägertruppe im Österreichischen Bundesheer. Diese „Alma Mater“ der österreichischen Infanterie lehrt jedoch nicht, wie andere Bildungsstätten, meist in Hörsälen, sondern vor allem auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf mit seinen zahlreichen Übungsflächen und Schießbahnen.

Das Institut Jäger in Bruckneudorf führt den Auftrag der früheren Jägerschule in Saalfelden weiter. Das Ausbildungspersonal bietet auf solidem infanteristischen Fundament basierende Ausbildungsgänge für Soldaten aus allen Waffengattungen des Österreichischen Bundesheeres (ÖBH) an. Das Lehrangebot umfasst beispielsweise den Kampf im urbanen Umfeld, die Lufttransportausbildung, das „Crowd-and-Riot-Control“-Training, ein interaktives Szenarientraining und mehrere Ausbildungsgänge für Schießlehrer und Scharfschützen. Mit diesem Schulungspaket werden wichtige Schlüsselfähigkeiten für das ÖBH vermittelt, womit das Institut Jäger einen für die Einsätze unserer heutigen Zeit unverzichtbaren Beitrag für die österreichischen Landstreitkräfte leistet.

Wappen der Heerestruppenschule. (Grafik: Bundesheer)
Wappen der Heerestruppenschule. (Grafik: Bundesheer)

Die Lehrstätte im burgenländischen Bruckneudorf bildet das österreichische Pendant zum Ausbildungszentrum Infanterie der Bundeswehr im fränkischen Hammelburg. Das Institut Jäger ist gemeinsam mit den gleichfalls waffengattungsspezifischen Instituten Artillerie, Aufklärung, Panzer und Panzergrenadier sowie Pionier ein Teil der Heerestruppenschule. „Exempla docent!“ - auf Deutsch „Beispiele lehren!“ – lautet der Wahlspruch der Heerestruppenschule. Zentrale Idee der Ausbildung ist es, das Führungspersonal der einzelnen Waffengattungen miteinander zu vernetzen und aufeinander abgestimmt auszubilden. Die Heerestruppenschule vereinigt dazu seit mehr als einem Jahrzehnt die früheren Waffenschulen unter einem gemeinsamen Dach.

Das Kommando der Heerestruppenschule und die Grundlagenabteilung (verantwortlich für die Weiterentwicklung) wurden in Eisenstadt errichtet. Die Institute Artillerie, Aufklärung und Panzer sowie Panzergrenadier und die 1. Ausbildungskompanie sind in der Burstyn-Kaserne in Zwölfaxing stationiert. Die Institute Jäger und Pionier sowie der erste Jahrgang des Gebirgskampfzentrums befinden sich in der Benedek-Kaserne in Bruckneudorf. Alle drei Standorte sind nicht weit voneinander entfernt. Der Truppenübungsplatz Bruckneudorf befindet sich in der Nähe der Institute. Ein weiterer Teil der Heerestruppenschule ist das Gebirgskampfzentrum mit einer Jägerkompanie in der Wallner-Kaserne in Saalfelden am Steinernen Meer (Salzburg), in dem eine qualifizierte Gebirgsausbildung sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Geschichte, Traditionspflege und die ARGE – JUWASCH 

In der Geschichte der Waffenschulen der Jägertruppe des ÖBH der Zweiten Republik waren drei Bundesländer zentrale Schauplätze: Salzburg, Niederösterreich und das Burgenland. Am 11. Oktober 1955 wurde in der Krobatin-Kaserne (Sankt Johann im Pongau) aus Teilen der Gendarmerieschulen Oberösterreich I und Tirol I die Infanterie - Unterstützungswaffenschule gegründet. Die Gendarmerieschulen gehörten zur  B–Gendarmerie, die in den drei westlichen Besatzungszonen Österreichs eingerichtet war. Diese Vorgängerorganisation des Bundesheeres lässt sich als Bereitschaftspolizei mit "militärischen Spurenelementen" beschreiben. Der Erstauftrag dieser ersten Waffenschule, des in Aufbau befindlichen Bundesheeres war die Ausbildung des Kaderpersonals an schweren Infanteriewaffen wie Maschinengewehren, rückstoßfreien Panzerabwehrkanonen und Granatwerfern.

Ein Jahr später wurde die Ausbildungseinrichtung in „Infanteriekampfschule“ umbenannt und ihr Kommando in die Conrad-Kaserne nach Großenzersdorf bei Wien (Niederösterreich) verlegt. Gleichzeitig weitete das ÖBH den Ausbildungsbetrieb auf das Kaderpersonal der gesamten nicht gepanzerten Infanterie - der Jägertruppe - aus. Für die Lehrkompanien wählte man ab 1961 das Lager I - in „Leitha-Kaserne“ (ab 1967 „Uchatius-Kaserne“) - in Kaisersteinbruch (Burgenland) aus, da mit dem angrenzenden Truppenübungsplatz Bruckneudorf gute Ausbildungsbedingungen vorhanden waren. Im Jahr 1959 fusionierte die Infanteriekampfschule mit dem Arbeitsstab Infanterie und es entstand die Infanterieschule mit dem Infanterie-Schulbataillon. Anfang 1963 übernahm die in Saalfelden neu aufgestellte Jägerschule den Ausbildungsauftrag für das Führungspersonal der österreichischen Jägertruppe. Als Teil des Gesamtreformwerkes „ÖBH 2010“ ging die ehemalige Jägerschule im Jahr 2007 im Gebirgskampfzentrum auf. Im Jahr 2008 übersiedelte die Ausbildung des Führungspersonals der Jägertruppe aus Saalfelden erneut in den Osten Österreichs.

Festlichkeiten zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Brucker Lagers am Institut Jäger im Jahr 2017. (Foto: Anton Czech)
Traditionstag am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)
Festlichkeiten zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Brucker Lagers am Institut Jäger im Jahr 2017. (Foto: Anton Czech)
Traditionstag am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)
Festlichkeiten zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Brucker Lagers am Institut Jäger im Jahr 2017. (Foto: Anton Czech)
Traditionstag am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)
Festlichkeiten zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Brucker Lagers am Institut Jäger im Jahr 2017. (Foto: Anton Czech)
Traditionstag am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)
Festlichkeiten zum hundertfünfzigjährigen Bestehen des Brucker Lagers am Institut Jäger im Jahr 2017. (Foto: Anton Czech)
Traditionstag am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)
 

Das Institut Jäger übernahm auch die Traditionspflege der damals schon über 30 Jahre bestehenden Arbeitsgemeinschaft-Infanterie-Unterstützungswaffenschule (ARGE – JUWASCH). In diesem ältesten Traditionsverband des ÖBH fanden sich etwa sechshundert ehemalige Kaderangehörige der Infanteriewaffenschulen des ÖBH zusammen. 

Kaderausbildung Neu

Mit September 2016 startete das ÖBH bei der Ausbildung des Kadernachwuchses in ein neues Zeitalter. Berufsoffiziersanwärter, Milizoffiziersanwärter, Berufsunteroffiziersanwärter und Milizunteroffiziersanwärter beginnen gemeinsam mit der „Kaderausbildung Neu“ bei den Verbänden der Streitkräfte. Danach folgt im Verbund der Theresianischen Militärakademie, der Heeresunteroffiziersakademie und der Heerestruppenschule die weitere Ausbildung der zukünftigen Kadersoldaten. Seit Februar 2017 bildet das Institut Jäger mit einer maßgeschneiderten Lehrgruppe die Berufsoffiziersanwärter für den neuen Jahrgang der Theresianischen Militärakademie aus. Mit der „Kaderausbildung Neu“ soll in möglichst kurzer Zeit junge und motivierte Personalverstärkung, vor allem für das Berufs- und Milizunteroffizierskorps aber auch für die Gruppe der Berufs- und Milizoffiziere ausgebildet werden.

Das Zeichen der ARGE–JUWASCH. (Grafik: Bundesheer/Jonach)
Das Zeichen der ARGE–JUWASCH. (Grafik: Bundesheer/Jonach)
Der Kommandant des Institut Jäger, Oberstleutnant Roland Schantl. (Foto: Anton Czech)
Der Kommandant des Institut Jäger, Oberstleutnant Roland Schantl. (Foto: Anton Czech)

Struktur und Ausbildung des Institutes Jäger 

Das Institut Jäger wird von Oberstleutnant Roland Schantl - einem gelernten und erfahrenen Jägeroffizier - geführt. Die Einrichtung ist in vier Lehrgruppen gegliedert, die sich mit der Ausbildung bezogen auf die jeweilige Führungsebene beschäftigen und mit der Ausbildung spezifischer Themen beauftragt sind.

Die Lehrgruppe 1 für die Offiziersausbildung ist mit der waffengattungsspezifischen Ausbildung der Kommandanten der Jägerbataillone, Jägerkompanien und Jägerzüge beauftragt. In dieser erfolgt die Ausbildung der Berufsoffiziere und Milizoffiziere sowie das Training an den Schießsimulatoren. Die angehenden Offiziere absolvieren nach der Kaderanwärterausbildung und der Einteilung zur jeweiligen Waffengattung ein dreijähriges Fachhochschulstudium mit Bachelorabschluss an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt. Die Militärakademiker der Waffengattung Jäger werden im dritten Jahrgang am Institut Jäger zum Kommandanten eines Jägerzuges ausgebildet. Ein Militärakademiker der Waffengattung Jäger verbringt insgesamt 28 Wochen am Institut Jäger in Bruckneudorf. Später erfolgt dort die Fort- und Weiterbildung für Jägeroffiziere auf Einheits- und Bataillonsebene.

Die Lehrgruppe 2 ist grundsätzlich für die Unteroffiziersausbildung verantwortlich und bestreitet die waffengattungsspezifische Ausbildung der Kommandanten der Jägerzüge und Jägergruppen. Seit 2017 werden die Berufsoffiziersanwärter durch die Lehrgruppe 2 ausgebildet und für die Aufnahme an die Theresianische Militärakademie vorbereitet. Die Ausbildung der Berufsoffiziersanwärter beträgt etwa sieben Monate. Ein weiterer Schwerpunkt der Lehrgruppe 2 ist die Ausbildung der Jägerzugskommandanten. Nach einer vorgeschriebenen Dienstzeit als Kommandant auf der Ebene Jägergruppe wird in der Dauer von 19 Wochen am Institut Ausbildung zum Kommandanten eines Jägerzuges durchgeführt.

Die Lehrgruppe 3 für die Sonderausbildung deckt den Ausbildungsbedarf für den Kampf im urbanen Umfeld, die Schulung für den Lufttransport sowie den Ausbildungsgang zum Scharfschützenausbilder ab. Hierbei werden auch die heute gefragten Querschnittsmaterien wie interaktives Szenarientraining und „Crowd and Riot Control“ unterrichtet sowie eine Schießausbildung und Fortbildungen angeboten.

Die Lehrgruppe 4 für die Panzerabwehr bildet Kommandanten der Ebenen Panzerabwehrzug und Panzerabwehrgruppe aus. "Ohne Versorgung keine Bewegung!", lautet ein alter Soldatenspruch. Aus diesem Grund findet sich auch am Institut Jäger eine Versorgungsgruppe, die mit der Einsatzunterstützung und Verwaltung beauftragt ist. 

Berufsoffiziersanwärter bei der Ausbildung am Institut Jäger. (Foto: ?)
Berufsoffiziersanwärter bei der Ausbildung am Institut Jäger. (Foto: Anton Czech)

Organisation der Lehrgruppe 

Jede der vier Lehrgruppen besteht aus zumindest zwei Lehroffizieren und je nach Lehrgruppe aus vier bis acht Lehrunteroffizieren. Diese werden bei Bedarf mit Personal aus anderen Ausbildungsgruppen oder der Truppe verstärkt. Lehroffiziere benötigen eine mehrjährige Erfahrung als Kompaniekommandant und die Befähigung zur Arbeit in einem Bataillonsstab. Lehrunteroffiziere müssen ausreichende Erfahrungen als Zugskommandant vorweisen können. Beim gesamten Lehrpersonal werden die Laufbahnkurse vorausgesetzt, Auslandseinsätze sind erwünscht.

Die Eignung zum Lehroffizier oder -unteroffizier wird vom Institutsleiter vor der Versetzung an das Institut Jäger geprüft. Das zahlenmäßige Verhältnis der Ausbilder und Kursteilnehmer beträgt grundsätzlich 1:8, die jeweilige Teilungsziffer wird jedoch meist spezifisch auf den Lehrgang abgestimmt und ergibt sich aufgrund ausbildungsmethodischer Überlegungen. Die Zusammenarbeit mit anderen Waffengattungen wird im Wirkungsverbund der Heerestruppenschule bei gemeinsamen Übungen vermittelt. Auch die Beteiligung an Erprobungen gehört zum Auftragsumfang des Personals am Institut Jäger.

Die Ausbildungsgänge zeigen die drei Pfeiler des österreichischen Führungsverständnisses. Dazu zählen: Auftragstaktik, Leben in einer Lage mit der Veranschaulichung übergeordneter Führungsebenen und innovatives, selbstständiges Handeln. Mit der Auftragstaktik animiert das Institut Jäger angehendes Führungspersonal dazu selbstständig und eigenverantwortlich Lösungen für Einsatzaufgaben zu erarbeiten. Dies geschieht durch das Vorgeben eines Zieles für das Organisationselement mit dem vernetzten Gebrauch des "militärischen Werkzeugkastens" der Gefechtstechnik und des militärischen Regelwerkes.

Gliederung des Institut Jäger. (Grafik: Anton Czech)
Gliederung des Institut Jäger. (Grafik: Anton Czech)

Die Auftragstaktik wird durch möglichst frühes Einsatztraining in einer Lage ganz wesentlich unterstützt. So wird bereits dem angehenden Kommandanten einer Jägergruppe vermittelt, dass seine Gruppe Teil eines Jägerzuges ist, der im Verbund mit anderen Kampftruppen, wie Panzer oder Panzergrenadieren, sowie Kampfunterstützungselementen, wie Pionieren oder Artillerie, einen Auftrag erfüllt. Damit werden den jungen Soldaten Einblicke in den Wirkungsverbund und die übergeordneten Führungsebenen gegeben. Ein Zugskommandant soll beispielsweise die Grundzüge der Ebene Bataillon verstehen und im Sinne der Kompanie denken und handeln können. So werden dem angehenden Kommandanten schon möglichst früh Entschlüsse abverlangt, die in das Konzert der verbundenen Waffen passen sollen. Dieses Ausbildungsprinzip lässt sich mit dem Terminus „Leben in der Lage“ beschreiben.

Die Wertschätzung für eine Armee kann, abseits von Festtagsreden, an der Zuteilung finanzieller Mittel abgelesen werden. Das ÖBH unterliegt seit Jahrzehnten einer Budgetknappheit, bedingt durch den Sparzwang der jeweiligen Regierungsparteien. Deshalb muss das ÖBH seit dessen Bestehen, auch mit knappen Mitteln seine Aufträge erfüllen können. Mit diesem Umstand wird schon das angehende Führungspersonal am Institut Jäger konfrontiert und lernt dadurch jeden noch so schwierigen Einsatzauftrag zu erfüllen. Der positive Nebeneffekt dieser Tatsache ist die frühzeitige Vorbereitung militärischer Führungspersonen auf Einsatzsituationen, die ebenfalls eine hohe Improvisationskunst verlangen.

Sämtliche Ausbildungsgänge bestehen aus dem aufeinander abgestimmten Einsatz von Theorie, der Ausbildung an verschiedenen Simulationssystemen und der Schulung am Einsatzgerät, wobei der Entwicklungsfortschritt mittels persönlichem Coaching angestrebt wird. Die meisten Ausbildungsgänge werden von der 2. Ausbildungskompanie mit maßgeschneidertem Personaleinsatz unterstützt.

wird fortgesetzt

Anton Czech-Lovetinsky ist Militärjournalist.

 

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