• Veröffentlichungsdatum: 22.11.2018
  • – Letztes Update: 23.11.2018

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CAPRICORN 2018

Gerold Keusch

(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
(Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Multinationale Gebirgsausbildung im "Reich des Steinbocks": Vom 5. bis 16. März 2018 fand auf dem Truppenübungsplatz Hochfilzen das Ausbildungsvorhaben CAPRICORN 2018 statt. Insgesamt beteiligten sich Soldaten aus acht Nationen an dieser Übung, die vom Kommando Gebirgskampf geplant, geleitet und durchgeführt wurde.

Wie bereits im Jahr 2016 wurde auch die CAPRICORN 2018 im Zuge der Pooling & Sharing „Mountain Training Initiative“ (P&S MTI) geplant und durchgeführt. Die P&S MTI ist eine Ausbildungsplattform, die unter anderem zum Ziel hat, die Gebirgs- und Gebirgskampfausbildung europaweit zu koordinieren und zu standardisieren. Zweck der CAPRICORN 2018 war es, den Soldaten der teilnehmenden Nationen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Bewältigung gefechtstechnischer Situationen im Gebirge bis auf Zugsebene in den Fähigkeitsbereichen Mobility (Beweglichkeit), Engage (Wirkung) und Sustain (Durchhaltevermögen) unter winterlichen Bedingungen zu vermitteln.

Die „Main Training Audience“ setzte sich wie folgt zusammen: 

  • Belgien: ein Para-Commando-Zug und eine Granatwerfergruppe (Stärke: 52 Soldaten);
  • Bulgarien: ein Gebirgsjägerzug (Stärke: 21 Soldaten);
  • Deutschland: ein Trainerteam und ein Gebirgsjägerzug (62 Soldaten),
  • Polen: ein Gebirgsjäger Halbzug (Stärke: 17 Soldaten),
  • Slowenien: ein Gebirgsjägerzug (Stärke: 42 Soldaten);
  • Tschechien: ein Infanteriezug (Stärke: 40 Soldaten).

Zusätzlich nahmen drei Soldaten der U.S. Army als Beobachter sowie Stabsoffiziere in verschiedenen Funktionen an dem Ausbildungsvorhaben teil. Die gesamte Übungsstärke betrug 498 Soldaten, davon 243 internationale Teilnehmer und 255 Angehörige des Bundesheeres. 

Die Aufgabe der österreichischen Soldaten war es, den Übungssrahmen sicherzustellen. Neben der Versorgung der auszubildenden Truppe unterstützte ein alpinqualifiziertes Ausbildungspersonal die Kontingente der teilnehmenden Nationen bei der Ausbildung. Weiters wurden die österreichischen Tragtiere und Tragtierführer der vom deutschen Partnerverband (Gebirgsbataillon 233) geführten Station „Mobility“ unterstellt, um den Soldaten einen Einblick in das Tragtierwesen zu ermöglichen und die Zusammenarbeit mit Tragtieren im Hochgebirge zu trainieren. Die beiden anderen Ausbildungsstationen wurden von österreichischen Soldaten geleitet.

Pooling & Sharing „Mountain Training Initiative“

Die P&S MTI ist eine Ausbildungsplattform innerhalb der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union. Sie verfolgt das Ziel, die Einsatzfähigkeit der Gebirgstruppen europäischer Streitkräfte weiterzuentwickeln und basiert auf den drei Säulen: Gemeinsame Durchführung von Ausbildungen und Übungen, Identifizierung und Bearbeitung von Lernfeldern (Lessons-Identified/Lessons- Learned-Prozess) sowie Standardisierung.

Mitglieder der P&S MTI sind Belgien, Bulgarien, Deutschland, Kroatien, die Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Slowenien und Tschechien. Permanente Gäste sind das NATO Mountain Warfare Centre of Excellence und das NATO Centre of Excellence Cold Weather Operations. Frankreich hat Beobachterstatus; Italien, Rumänien, die Schweiz und Spanien haben Gaststatus.

Übungsserie CAPRICORN

Seit dem Jahr 2010 führt das Kommando Gebirgskampf (die ehemalige 6. Jägerbrigade) die CAPRICORN-Serie als Übungs- oder Ausbildungsvorhaben in regelmäßigen Abständen durch. Dabei werden robuste Einsatzarten wie Angriff oder Verteidigung in einem internationalen Szenario im Hochgebirge trainiert. In den Jahren 2010, 2012 und 2013 wurde diese Übung gemeinsam mit der Deutschen Bundeswehr durchgeführt. 2015 fand die CAPRICORN mit ausschließlich österreichischer Beteiligung und 2016 erstmals als multinationale Übung (sechs P&S MTI-Partner und die Schweiz) statt.

Truppenübungsplatz Hochfilzen 

Der Truppenübungsplatz Hochfilzen bietet optimale Verhältnisse für Ausbildungsvorhaben im Hochgebirge. Neben der Unterbringung der Übungsteilnehmer in einer modernen Infrastruktur mit kurzen Wegen zu den Stationen und Ausbildungsstätten, verfügt der Übungsplatz über zahlreiche Schießbahnen im Hochgebirge.

Aufgrund der Stärke, der an diesem Ausbildungsvorhaben beteiligten Truppe war die Infrastruktur des Truppenübungsplatzes zur Gänze ausgelastet und musste erweitert werden. Folglich errichteten Soldaten des Pionierbataillons 2 aus Salzburg Teile des Feldlagersystems COLPRO, um die Unterbringung der eigenen Pionierkräfte sicherzustellen und die Verpflegsversorgung der ausländischen Übungsteilnehmer zu gewährleisten. Eine weitere Herausforderung bestand in der Schneeräumung auf dem Truppenübungsplatz, um den Zugang zu allen Ausbildungsräumen zu gewährleisten. Hier unterstützte das Pionierbataillon 2 den Truppenübungsplatz mit schwerem Räumgerät.

Stationsbetrieb

Dem Ausbildungsvorhaben CAPRICORN 2018 wurde ein Szenario zugrunde gelegt, in dem multinationale Kräfte zur Stabilisierung einer Krisenregion eingesetzt sind. Das hochgebirgsbewegliche Jägerbataillon 23 aus Bludesch hatte den Auftrag, die Stationsausbildung, bei der Ausschnitte des Gebirgskampfes von der Gruppen- bis zur Zugsebene trainiert wurden, zu koordinieren. Durchgeführt wurde die Ausbildung in einem Stationsbetrieb mit den Stationen

  • Mobility (Mobilität/Beweglichkeit),
  • Engage (Wirkung/Kampf) und
  • Sustain (Durchhaltefähigkeit/Leben bzw. Überleben).

Station „Mobility“

Skijöring mit einem Hägglunds der Deutschen Bundeswehr. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Skijöring mit einem Hägglunds der Deutschen Bundeswehr. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)

Beweglichkeit ist jener Faktor, der Gebirgstruppen seit jeher vor große Herausforderungen stellt. Entscheidend ist, möglichst schnell und kräfteschonend exponierte Stellen im Hochgebirge bzw. im schwierigen Gelände zu erreichen. Dies bedeutet einen erheblichen Vorteil für die weitere Einsatzführung. Die österreichische Gebirgstruppe ist, so wie die deutsche, in diesem Bereich durch die Einführung diverser Sondertransportfahrzeuge gut aufgestellt. Den Auszubildenden wurde schrittweise der Marsch mit Skiern, die Zusammenarbeit mit Tragtieren, der Transport mit Ski-Doos, Quads und Hägglunds sowie die Zusammenarbeit mit Hubschraubern im Hochgebirge vermittelt. Geleitet wurde die Station, die in vier Teilstationen gegliedert war, von einem Trainerteam der Deutschen Bundeswehr.

Tragtiere

Das Ziel dieser Teilstation war, die Leistungsparameter und Grundsätze bei der Zusammenarbeit mit Tragtieren kennenzulernen. Dabei wurde theoretisch vermittelt, was die verschiedenen Tragtiere (Pferde, Maultiere und Esel) leisten können und welche Möglichkeiten bestehen, um Gerät und Ausrüstung zu verlasten. Zusätzich gab es eine taktische Aufgabenstellung, die darin bestand, einen gesicherten Fußmarsch im Zugsrahmen mit Tragtierunterstützung durchzuführen. Dabei hatten die internationalen Teilnehmer die Tragtiere in die eigene Gefechtsgliederung zu integrieren, die Marschgeschwindigkeit und den Marschweg richtig zu wählen und die erhöhte Ausdehnung des Zuges während des Marsches zu berücksichtigen.

Soldaten sitzen auf einem Hubschrauber auf, der sie zuvor auf ein kleines Plateau im Gebirge geflogen hat. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Soldaten sitzen auf einem Hubschrauber auf, der sie zuvor auf ein kleines Plateau im Gebirge geflogen hat. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Gesicherter Fußmarsch im Gebirge mit Tragtieren. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Gesicherter Fußmarsch im Gebirge mit Tragtieren. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Neben modernem Gerät, wie Quads mit Raupen, sind Tragtiere noch immer notwendig, um Ausrüstung und Versorgungsgüter im Gebirge zu transportieren. (Fotos: Bundesheer/Martin Hörl)
Neben modernem Gerät, wie Quads mit Raupen, sind Tragtiere noch immer notwendig, um Ausrüstung und Versorgungsgüter im Gebirge zu transportieren. (Fotos: Bundesheer/Martin Hörl)

Überschneefahrzeuge 

Bei der Station „Mobilität“ ging es auch darum, die Universalgeländefahrzeuge Hägglunds und Ski-Doo kennenzulernen. Dazu wurden die Soldaten zuerst theoretisch an den Fahrzeugen eingewiesen. Anschließend wurden das gefechtsmäßige Auf- und Absitzen und der Transport von Mannschaft und Gerät geübt. Den Abschluss dieses Abschnittes bildete das Skijöring, eine Transportart, bei der die Soldaten mit Skiern an einem Seil von einem Fahrzeug gezogen werden. Die Überschneefahrzeuge wurden durch die Deutsche Bundeswehr bereitgestellt und boten den Soldaten mancher Nationen erstmals die Möglichkeit, mit diesen zu trainieren.

Hubschrauber 

Die Zusammenarbeit mit Hubschraubern im Hochgebirge ist nicht nur für die Gebirgstruppe, sondern auch für die Fliegertruppe ein herausfordernder Bestandteil ihrer Ausbildung. Inhalte dieser Teilstation waren, neben einer grundsätzlichen Einweisung an den Hubschraubern, das richtige Auf- und Absitzen auf kleinen Flächen unter Berücksichtigung der Hangneigung. Besonderes Augenmerk wurde auf das Verladen der Bewaffnung und der Gebirgsausrüstung gelegt, wobei vor allem auf die Handhabung der Skiausrüstung und der schweren Bewaffnung Rücksicht genommen wurde. Den Höhepunkt dieser Ausbildungssequenz stellte das Anfliegen von Landezonen im Gebirge inklusive dem Auf- und Absitzen der Mannschaft mit Ausrüstung und Gerät dar.

Abseilen

Die Eigenbeweglichkeit eines Soldaten im Gelände ist die Grundvoraussetzung für die Einsatzführung im Gebirge. Deshalb wurde auch diesem Aspekt bei der Station „Mobility“ Rechnung getragen. Das Abseilen von Soldaten, aber auch von Verwundeten, über schwieriges Gelände war Ausbildungsinhalt dieser Teilstation. Ebenso wurden die Bewegung mit der Skiausrüstung und die Handhabung der Lawinenausrüstung geübt.

Station „Engage“

Ein Maschinengewehrtrupp der slowenischen Streitkräfte beim Scharfschießen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)
Ein Maschinengewehrtrupp der slowenischen Streitkräfte beim Scharfschießen. (Foto: Bundesheer/Gerold Keusch)

Das Ziel dieser Station war, ein Scharfschießen im Hochgebirge unter winterlichen Bedingungen in unterschiedlicher Stärke und Ausprägung zu planen und durchzuführen. Zum Einsatz kamen Infanteriewaffen wie Sturm-, Maschinen- und Scharfschützengewehre, aber auch Granatwerfer. Hierzu wurden den Nationen Schießbahnen und entsprechende Zeitfenster für die Durchführung ihrer Schießvorhaben zugewiesen. Die besondere Herausforderung bestand darin, die jeweiligen Planungen und Sicherheitsbestimmungen der Nationen mit den Auflagen des Truppenübungsplatzes und der Übungsleitung in Einklang zu bringen.

Das Kommando Gebirgskampf unterstützte diesen Ausbildungsabschnitt mit 

  • einem Verbindungselement zwischen den Teilnehmern und dem Personal des Truppenübungsplatzes, das sich auch um die Vorbereitung und Abnahme der Schießunterlagen kümmerte,
  • der Sicherstellung der äußeren Sicherheit durch Absperrposten,
  • der erforderlichen Sanitätsversorgung,
  • einer Pioniergruppe für den Auf- und Abbau von Zielgruppen,
  • einer Ausbildung in den Themen Gefechtstechnik und Anschlagsarten unter Berücksichtigung der Besonderheiten im Hochgebirge.

Gefechtsschießen 

Nachdem auf der Schießbahn Kohlstatt das Einzelverhalten der Schützen und vor allem die Anschlagsarten im Schnee mit der erforderlichen Skiausrüstung trainiert wurden, nutzte man die Schießbahn Asten für die Gefechtsschießen. Diese Vorhaben, die zum Teil in der Nacht stattfanden, waren ebenfalls von den Kontingenten der Nationen selbstständig zu planen und durchzuführen. Besonders gut wurde dabei die Möglichkeit des Winkelschießens angenommen. Dabei wird „von oben nach unten“ in einem negativen Winkel vom Berg ins Tal geschossen, was für die meisten Armeen aufgrund ihrer Schieß- und Übungsflächen nicht möglich ist. Die Anlage in Asten bietet die Möglichkeit, sowohl individuelle Schießfertigkeiten steil bergab zu trainieren als auch größere Schießen im Gruppen-, Halbzugs- oder Zugsrahmen durchzuführen, bei denen Feuer und Bewegung zu koordinieren sind und überhöht eingesetzte Unterstützungsteile die beweglichen Elemente unterstützen.

Gefechtsschießen eines Halbzuges der Bundeswehr

Ein deutscher Gebirgssoldat beim Scharfschießen. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Ein deutscher Gebirgssoldat beim Scharfschießen. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)

Ausgangslage

Durch eigene Aufklärungskräfte wurde eine feindliche Gruppe im Bereich des Zielgebietes „Panzerwracks“ erkannt. Die vermutliche Absicht dieser Feindkräfte war es, Anschläge auf eigene Kräfte, die sich im Bereich Waldlager befanden, durchzuführen.

Phase 1: Erkundung durch das Deckungselement 

Das Deckungselement (Ausdruck der Bundeswehr für den Unterstützungsteil), das aus Maschinengewehrtrupps mit MG 3 und Zielfernrohrschützen mit G27 bestand, ging im Bereich Feldherrenhügel in Stellung und erkundete das Zielgebiet. Dabei fertigten die Schützen eine Geländeskizze an, wobei sie die Entfernung zum Zielgebiet mit Laserentfernungsmessern feststellten. 

Phase 2: Aufklärung 

Aufklärungskräfte in Gruppenstärke marschierten mit Schneeschuhen zum Ausgangspunkt im Bereich Bachbett auf Höhe des Deckungselementes und warteten dort auf weitere Aufträge. Im Anschluss daran klärte die Gruppe das Aufklärungsziel „Panzerwracks“ auf und bewegte sich dazu entlang des Bachbettes weiter vor. Das Vorgehen erfolgte unter Sicherung und Bewegung, wobei es den einzelnen Gruppenkommandanten überlassen blieb, ob die Trupps raupenartig oder überschlagend vorgingen.

Phase 3: Feindfeuer auf Deckungselement 

Nachdem die Aufklärung im Bachbett begann, kam die Einlage: „Feindfeuer auf Deckungselement!“ Dieses erwiderte daraufhin das Feuer, indem es zuerst die Zielgruppe auf 150 m und danach jene in der Tiefe bekämpfte. Dadurch sollte der Gegner in das Bachbett geleitet werden, wo sich das bewegliche Element befand, das diesen nun vernichten sollte.

Phase 4: Granatwerferfeuer auf Deckungselement 

Nachdem sich das bewegliche Element auf Höhe der Zielgruppe, die 250 m von der Basis entfernt war, befand, gab es die Einlage: „Granatwerferfeuer auf Deckungselement - Wechselstellungen beziehen!“ Diese Einlage erfolgte aus Sicherheitsgründen, da sich das Bewegungselement dann bereits kurz vor der Sicherheitslinie befand. Die gedachte Linie im Gelände war dort festgelegt, wo der Abstand der Zielgruppe einen Winkel von 30° aufwies. Es handelt sich dabei um eine Sicherheitsbestimmung, die sowohl im Frieden als auch im Einsatz gilt. Im konkreten Fall wurde dadurch das sichere Vorgehen des Bewegungselementes ermöglicht.

Phase 5: Vorgehen des Bewegungselementes

Das Bewegungselement, das sich bis zum Einstellen des Feuers in Richtung des Aufklärungszieles bewegte, erhielt dabei Einlagen eingespielt. Das waren beispielsweise der Befehl zum Lösen vom Feind bzw. zum Ausweichen oder zum Halten des Geländes, um die Versorgung eines verwundeten Soldaten inklusive seiner Bergung durchzuführen. 

Ende des Durchganges 

Ein Durchgang dieses Halbzug-Schießens war dann abgeschlossen, wenn der Leitende alle vorgesehenen Einlagen eingespielt hatte. Danach erfolgte das Herstellen der Sicherheit an allen Waffen, der Rückmarsch und die Nachbesprechung des Schießens durch den jeweiligen Zugskommandanten, fallweise ergänzt durch den Senior National Representative sowie den österreichischen Stationskommandanten.

Ein deutscher Gebirgssoldat zeichnet eine Geländeskizze. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein deutscher Gebirgssoldat zeichnet eine Geländeskizze. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein Trupp in Stellung, der das Vorgehen seiner Kameraden sichert. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein Trupp in Stellung, der das Vorgehen seiner Kameraden sichert. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Hilfsanschlag mit Schistecken. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Hilfsanschlag mit Schistecken. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Ein Maschinengewehrtrupp in Stellung. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Ein Maschinengewehrtrupp in Stellung. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Der Kommandant des Bewegungselementes führt seine Soldaten im Gefecht. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Der Kommandant des Bewegungselementes führt seine Soldaten im Gefecht. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Zwei Soldaten des Bewegungselements beim Vorgehen während des Vorübens eines Scharfschießens im Halbzug. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Zwei Soldaten des Bewegungselements beim Vorgehen während des Vorübens eines Scharfschießens im Halbzug. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Station „Sustain“

Die Durchhaltefähigkeit - das Leben und Überleben im Gebirge - war Thema dieser Station, deren Schwergewicht auf einem zweitägigen Biwak im Bereich des Römersattels lag. Bevor die Biwaks errichtet wurden, absolvierten die Teilnehmer einen gesicherten Fußmarsch im gebirgigen Gelände (Marschleistung von zehn km mit etwa 800 Höhenmetern) entlang der Vorderkaserklamm. Nachdem sie das Marschziel erreicht hatten, setzten sie eine Sicherung ein und errichteten danach ein Zeltlager. Dieses bestand entweder aus Kuppel- oder beheizbaren Gruppenzelten. Danach stand das Erhalten der Kampfkraft unter Sicherung auf dem Programm, bei dem Verpflegung zubereitet, die Ausrüstung getrocknet sowie behelfsmäßig gereinigt und schließlich zur gesicherten Ruhe übergegangen wurde.

Am zweiten Ausbildungstag errichteten die Teilnehmer unter Anleitung der österreichischen Ausbilder verschiedene Arten von Schneebiwaks, in denen sie die zweite Nacht zu verbringen hatten. Als begleitende Ausbildungsthemen standen wiederum die Eigensicherung und das Erhalten der Kampfkraft auf dem Plan. Zu diesem Zweck waren Tragtiere des Tragtierzentrums bei der Station, die beispielsweise Verpflegung vom Lager Hochfilzen im gesicherten Fußmarsch zum Biwak am Römersattel transportierten. 

Bulgarische Soldaten errichten ein Biwak mit Schneehöhlen und Kuppelzelten. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Bulgarische Soldaten errichten ein Biwak mit Schneehöhlen und Kuppelzelten. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Zwei Soldaten der tschechischen Armee beim Bau einer Schneehöhle. (Foto: TD/Gerold Keusch)
Zwei Soldaten der tschechischen Armee beim Bau einer Schneehöhle. (Foto: TD/Gerold Keusch)

Übungsteilnehmer vor den Gruppenzelten, in denen sie die erste Nacht verbracht hatten. (Fotos: Bundesheer/Gerold Keusch)
Übungsteilnehmer vor den Gruppenzelten, in denen sie die erste Nacht verbracht hatten. (Fotos: Bundesheer/Gerold Keusch)

Internationale Teilnehmer

Gemeinsame Ausbildungen und Übungen, das Identifizieren und Bearbeiten von Lernfeldern (Lessons-Identified- bzw. Lessons-Learned-Prozess) und eine daraus resultierende Standardisierung sind eine Säule der P&S MTI. Diese Aufgaben sind bereits für Soldaten und Verbände auf nationaler Ebene nicht immer einfach zu organisieren und stellen bei einer internationalen Angleichung eine besondere Herausforderung dar.

Ausbildung und Ausrüstung 

Der Ausbildungsstand, die Gliederung und die Ausstattung der Nationen waren äußerst unterschiedlich und stellten das Ausbildungspersonal vor die Herausforderung in der Durchführung der Ausbildung flexibel zu sein. Beispielsweise gab es Gebirgssoldaten, die bei der CAPRICORN 2018 das erste Mal auf Skiern standen. Andere Einheiten, wie die belgischen Para-Commandos, sind strukturell nicht skibeweglich, sondern nur mit Schneeschuhen ausgestattet. Sie verfolgen aber dennoch das Ziel, einen entsprechenden Fähigkeitszuwachs im Einsatz unter winterlichen Bedingungen im Gebirge zu erwerben. 

Die Trainingsmöglichkeiten zur Verbesserung der Mobilität wurden von den Auszubildenden gut angenommen und bewiesen die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit dieser Soldaten; Eigenschaften, die gerade bei schwierigen Umfeldbedingungen eine Voraussetzung für den Erfolg im Einsatz sind. Die unterschiedlichen Ausgangsbedindungen hatten eine Auswirkung auf das Erreichen der Ziele bei den Ausbildungsstationen und erforderten ein maßgeschneidertes organisatorisches und methodisches Anpassen der Ausbildung an die jeweilige Truppe.

Übungs- und Ausbildungssprache 

Die Ausbildungs- und Arbeitssprache während der CAPRICORN 2018 war Englisch. Die Sprachkenntnisse aller Soldaten waren so gut ausgeprägt, dass das Vermitteln der Ausbildungsthemen möglich war. Es stellte sich jedoch zum wiederholten Mal heraus, wie wichtig die Englisch-Sprachausbildung im Bundesheer und die Aneignung des relevanten Fachvokabulars sind. Das Kommando Gebirgskampf organisierte im Vorfeld der Übung zwar einen dreitägigen Englisch-Workshop, der jedoch eine gediegene Sprachausbildung nicht ersetzen kann.

Fazit

Slowenische Soldaten am Schießplatz. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Slowenische Soldaten am Schießplatz. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)

Die CAPRICORN 2018 hat nach Rückmeldungen der teilnehmenden Nationen die Themenführerschaft des österreichischen Kommandos Gebirgskampf im Bereich der Gebirgs- und Gebirgskampfausbildung bestätigt. Die Führung der Station „Mobility“ durch eine Kompanie des deutschen Gebirgsjägerbataillons 232 war aufgrund der hohen Einsatzdichte von eigenen Verbänden des Kommandos Gebirgskampf im In- und Ausland nicht nur zwingend notwendig, sondern entspricht der Grundidee des Pooling & Sharing und war eine Bereicherung des Vorhabens. 

Die CAPRICORN 2018 ermöglichte es, den gebirgsspezifischen Ausbildungsstand der europäischen Gebirgscommunity festzustellen und zu vergleichen. Dieser Vergleich kann als Ausgangspunkt für die folgende Phase des Standardisierungsprozesses innerhalb der P&S MTI herangezogen werden. Dieser soll in weiterer Folge die Ausbildungsstufen sowie die Qualifikationen und Leistungsparameter von Gebirgssoldaten und -verbänden definieren und als Grundlage für die Fähigkeitenentwicklung der EU-Gebirgstruppen dienen. 

Das ist insofern von Bedeutung, da auch gemischte Verbände bzw. Einheiten zusammengestellt werden können und müssen, die unabhängig von ihrer Herkunft über die gleichen Qualifikationen verfügen müssen, um das gleiche Einsatzspektrum abdecken zu können. Darüber hinaus muss festgelegt werden, welche Qualitätsunterschiede zu akzeptieren sind, da eine Angleichung aufgrund der Kosten, der Dauer oder hinsichtlich des Nutzens nicht immer zielführend und möglich sein wird.  

Offiziersstellvertreter Gerold Keusch, BA ist Redakteur beim TRUPPENDIENST.

Der Kampf im Gebirge ist erst möglich, wenn die Soldaten mit den Herausforderungen des Geländes und der Witterung zurechtkommen. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
Der Kampf im Gebirge ist erst möglich, wenn die Soldaten mit den Herausforderungen des Geländes und der Witterung zurechtkommen. (Foto: Bundesheer/Martin Hörl)
 

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